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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Güterverkehr

Brennstoffzellen-Lkw im Test

Von Peter Kellerhoff | 11. Mai 2017 | Ausgabe 19

Voraussichtlich kommenden Monat soll der erste Brennstoffzellen-Lkw im Hafen von Los Angeles in einer Machbarkeitsstudie seinen Dienst aufnehmen.

Brennstoffzellen-Lkw
Foto: Dewhurst Photography/Toyota Motor North America

Toyotas Lkw, dessen Elektromotoren von einer Brennstoffzelle befeuert werden, soll künftig im Hafengebiet von Los Angeles Güter leise und schadstofffrei transportieren.

Toyota macht ernst: Im Hafengebiet von Los Angeles soll ab dem Sommer der erste Brennstoffzellen-Lastwagen Güter transportieren – lautlos und schadstofffrei. Schon seit Jahrzehnten bringt der weltweit größte Automobilhersteller Innovationen auf die Straße. 1997 hatte Toyota mit dem Prius den Hybridantrieb im Pkw salonfähig gemacht. Das Modell Mirai ist nach Herstellerangabe seit 2014 der weltweit erste Brennstoffzellen-Pkw, der in Großserie produziert wird. Nun folgt der noch namenlose wasserstoffbasierte Brummi. Die Erprobung erfolgt unter dem Namen „Project Portal“ in Zusammenarbeit mit der Umweltbehörde California Air Resources Board (CARB) und der Energiebehörde California Energy Commission (CEC).

Die Basis stellt der US-Lkw-Hersteller Paccar, das Modell ist ein Kenworth. Der Brennstoffzellen-Lkw entwickelt rund 500 kW und ein maximales Drehmoment von nahezu 1800 Nm. Möglich machen dies zwei Brennstoffzellenstacks, die auch bereits in der Limousine Mirai (Kraftstoffverbrauch: Wasserstoff kombiniert 0,76 kg/100 km) zum Einsatz kommen, sowie eine 12 kWh starke und somit relative kleine Batterie. Das Beschleunigungsvermögen des bis zu 36 t schweren Konzeptfahrzeugs liegt nach Herstellerangaben deutlich über seinen mit Verbrennungsmotor betriebenen Pendants. Die Reichweite gibt Toyota mit mehr als 320 km pro Tankfüllung an, als Emission entsteht im Fahretrieb lediglich Wasserdampf.

„Der Einsatz beginnt sofort, wenn der Bau der Wasserstofftankstelle im Hafen von Los Angeles fertig gestellt ist. Das Fahrzeug ist eigentlich schon länger einsatzbereit“, sagt Uwe Breuer, Pressesprecher Technik bei Toyota. Der Hafen leide schon seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts unter Smog. Der Lkw entspricht der US-Truck-Spezifikation „Class 8“ für schwere Lkw mit drei oder mehr Achsen. Sein Antriebssystem soll künftig einen nahezu lautlosen und schadstofffreien Güter- und Frachtverkehr ermöglichen, ohne Kompromisse bei der Alltagstauglichkeit einzugehen. Ausgelegt ist das System für Reichweiten um 200 km, sodass der Truck nur einmal pro Tag betankt werden muss und noch Reserven für unvorhergesehene Fahrten übrig bleiben.

„Die wasserstoffbasierte Brennstoffzellentechnologie hat enormes Potenzial, der Antrieb der Zukunft zu werden“, erläutert Bob Carter, Executive Vice President von Toyota Motor North America. Nach wasserstoffbetriebenen Pkw und Bussen, die Toyota in Serie produziert, begebe sich der Konzern nun in den Bereich der schweren gewerblichen Fahrzeuge. „Mit dem Einsatz dieses emissionsfreien Brennstoffzellen-Lkw-Konzepts setzt Toyota ein Zeichen, dem hoffentlich viele folgen“, erklärt CARB-Behördenleiterin Mary D. Nichols, die auch andere Lkw-Hersteller ermuntern möchte, in diese Technologie Zu investieren. Neben „Project Portal“ versucht Toyota auch auf anderen Gebieten der Brennstoffzelle den Weg zu ebnen. Das Unternehmen baut das Wasserstofftankstellennetz in Kalifornien sukzessive aus und ist hierfür u. a. eine Partnerschaft mit Shell eingegangen.

Toyota ist nicht der einzige Hersteller, der schwere Lkw mit wasserstoffbasiertem Antrieb herstellen will. Neben Esoro (Wasserstoff-LKW auf Basis eines MAN TGS 18.320) ließ Ende 2016 der neue Hersteller Nikola aufhorchen. Der Nikola One soll es auf eine Leistung von 735 kW bringen und über sechs radweise Elektromotoren angetrieben werden (320 kWh-Traktionsbatterie). Er soll in 30 s auf Tempo 100 beschleunigen und einen gegenüber Standard-Lkw halb so langen Bremsweg aufweisen.

Wann der Nikola One ausgeliefert werden kann, ist bislang nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass Nikola zunächst nur die Märkte in Nordamerika mit dem Brennstoffzellenmodell beliefern will. Bei den Modellen für andere Weltmärkte soll eine mit Erdgas befeuerte Gasturbine hinter dem Fahrerhaus als Generator dienen.

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