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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Wasserkraft

Briten forcieren Meeresenergie

Von Katharina Otzen | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Das Industriekonsortium Tidal Lagoon Power entwickelt ein Gezeitenkraftwerk in der Swansea Bay in der irischen See. Es würde das größte seiner Art werden.

w - Gezeitenkraftwerk BU
Foto: Tidal Lagoon Power/artist impression

20-MW-Turbine fürs Gezeitenkraftwerk Swansea Bay. Ein 9,5 km langer Damm würde die Bucht von der offenen See trennen. Eingelassen wären 16 Turbinen.

Mehr als 20 Unternehmen in Großbritannien setzen sich für den Bau des ersten großen Gezeitenkraftwerks im Lande ein. Der Standort Swansea Bay vor der Küste von Wales in der Irischen See sei geradezu ideal geeignet, betonen die Vorstandschefs. Darunter sind Mark Elborne, der Präsident und CEO von GE UK & Ireland, Gareth Barker, Direktor der Stahl- und Engineering-Gruppe Sheffield Forgemasters, sowie Bill Clark, der CEO des englischen Maschinen- und Anlagenbauers DavyMarkham.

In einem offenen Brief an die Wirtschaftszeitung Financial Times appellieren die Unternehmen an die britische Regierung, die „einmalige Chance“ nicht zu verspielen, mit diesem „weltweit einzigartigen“ Projekt den Weg für eine saubere, zuverlässige und bezahlbare Energiequelle zu weisen, der große Chancen für die Industrie eröffne. Projektträger Tidal Lagoon Power, kurz TLP, will in die Bucht einen 9,5 km langen Damm bauen. In den werden 16 Turbinen à 20 MW eingelassen, die durch das aufgrund der Tide ein- und auslaufende Wasser angetrieben werden.

Der im Januar publizierte Report von Charles Hendry, dem früheren Staatssekretär im britischen Energieministerium, unterstützt das Projekt Swansea Bay – zur Freude der Industrie, Energiewirtschaft und selbst von Greenpeace. Die Kosten ließen sich im Griff behalten, glaubt Hendry, zumal mit dem Finanzierungsmodell des sogenannten Strike Price der Steuerzahler zunächst gar nicht belastet wäre. Der Strike Price setzt eine Preisuntergrenze, mit dem der Strom aus der Anlage zu vergüten ist. Wird dieser im Großhandel nicht erreicht, wird die Differenz aus einer Umlage auf alle Stromkunden finanziert.

Die frühere Energieministerin Amber Rudd hatte zwar schon grünes Licht für Swansea geben wollen, aber sie leitet in der neuen Regierung jetzt das Innenministerium. Da blieb nur noch der im Februar 2016 in Auftrag gegebene Hendry-Report. Dass der nun Swansea positiv beurteilt, lässt die Industrie aufatmen und schürt neue Hoffnungen. Eine Garantie dafür, dass die Regierung von Theresa May zustimmt, ist das aber noch nicht.

Anders sieht das bei MeyGen, dem schottischen Gezeitenkraftwerk im inneren Teil des Pentland Firth, aus. Das auf 86 MW ausgelegte Kraftwerk ist im Bau – mit Rückendeckung und Beteiligung der schottischen Regierung. Neben dem Energieversorger Scottish & Southern Energy (SSE) und regionalen Firmen arbeiten renommierte internationale Konzerne dort mit: von ABB über Andritz (die im deutschen Werk Ravensburg drei 1,5-MW-Turbinen bauen) und das European Marine Energy Center bis zu Lockheed Martin in den USA. Die Chance besteht, dass 2019 dieses dann größte Unterwasser-Gezeitenkraftwerk sogar einigermaßen zeitgerecht in Betrieb gehen wird.

Wasserkraft, nicht nur an Bächen und Flüssen, sondern auch am Meer nutzen die Menschen schon seit Langem. Im Mittelalter gab es in Großbritannien etwa 200 Mühlen, die an der Küste das Korn mit der Kraft der Gezeiten mahlten. Aber die diversen Pläne zur Nutzung der Energie aus dem Meer in großem Stil sind bisher immer wieder gescheitert, teils am fehlenden Material, aber meist schlicht an den gewaltigen Kosten. Das galt schon für den 1849 vorgeschlagenen Damm im Mündungsgebiet des Severn und die Folgeprojekte bis hin zu dem 2012 entworfenen, elf Meilen langen, mit Turbinen gespickten Seewall, der mit einem Preisschild von 25 Mrd. £ kam.

Doch so gut sich die Projekte anhören – neu und einzigartig sind sie keineswegs, anderswo laufen bereits Anlagen: Das Gezeitenkraftwerk La Rance des französischen Stromkonzerns EDF in Saint-Malo (240 MW) produziert schon seit 1966 jährlich im Schnitt 540 GWh Strom.

Sihwa Lake in Südkorea ist mit 254 MW etwas größer und erzeugt seit 2011 im Jahr 552,7 GWh. Daewoo Engineering hat beim Bau des Kraftwerks einen 12,5 km langen, 1994 zum Hochwasserschutz errichteten Seewall nutzen können. Schon seit 1984 versorgt Nova Scotia Power mit ihrem 20-MW-Kraftwerk im kanadischen Annapolis-Becken rund 4000 Häuser mit 50 GWh Strom/Jahr.

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