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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Halbleiter

Chiphersteller in Europa setzen auf Kooperation

Von Werner Schulz | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Europas Chipindustrie profitiert vom System-Know-how und der Zusammenarbeit mit Kunden.

BU ISS
Foto: obs/Infineon Technologies AG

Chipfertigung bei Infineon: Innovationen entstehen zunehmend gemeinsam mit den Anwendern der Chips.

Bisher war das alljährliche Industry Strategy Symposium (ISS) des Halbleiterverbands Semi Europe ein Forum, auf dem die europäischen Halbleiterhersteller über ihre zumeist prekäre Position als Anbieter im globalen Chipgeschäft diskutierten. Zudem nutzten sie es gerne zur Werbung um öffentlich geförderte Aufholstrategien gegenüber ihren mächtigen Wettbewerbern in anderen Weltregionen. Nicht so 2017: Mehr als 20 Chipentwickler und Systemanwender präsentierten eher nüchtern und auch ein bisschen stolz eine geballte Auflistung ihrer eigenen Kompetenzen – mit der gelegentlichen Andeutung, dass ohne ihre Mitwirkung der regelmäßige Fortschritt der Chipfertigung nach dem Mooreschen Gesetz auch im Silicon Valley zum Erliegen käme. Von hochfliegenden Initiativen zur Verteidigung der europäischen Fertigungsbasis war diesmal keine Rede.

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Es ging schlicht und einfach um europäische Technologieinnovationen und die smarte Vernetzung der Prozessflüsse vom Chipanbieter bis zum Anwender. Und um die daraus resultierenden Anforderungen an Zusammenarbeit und Kooperation der Chiplieferanten und ihrer industriellen Anwender bis in die gemeinsame Technologieentwicklung hinein.

Das passt zur aktuellen Konsolidierungswelle und der neu angestoßenen vertikalen Integration der Halbleiterhersteller mit ihren Abnehmern über traditionelle Systemgrenzen hinweg. Auf dem ISS Europe gab es somit keine industriepolitischen Ansagen oder Forderungen in Bezug auf die eingespielte globale Handelsordnung, wie sie noch Anfang Januar auf der entsprechenden US-Veranstaltung im kalifornischen Half Moon Beach lautstark ventiliert wurden (s. VDI nachrichten 7/17).

Semi vertritt seit beinahe 50 Jahren als dezidiert international orientierter Industrieverband mit Hauptquartier im Silicon Valley die Interessen seiner mehr als 2000 Mitgliedsfirmen in allen Hightechregionen des Weltmarkts: Halbleiterhersteller und deren Zulieferer für Fertigungseinrichtungen und Prozessmaterialien. „Semi repräsentiert die Architekten der Elektronikrevolution“, klingt es auf der Homepage selbstbewusst.

Entsprechend gewichtig ist der Einfluss von Semi auf den effizienten und störungsfreien Ablauf der globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten der Mikro- und Nanoelektronik. Nach außen zeigt sich dies auf den zahllosen von Semi organisierten Messen, Konferenzen, Foren und Symposien. Sie diskutieren auch die manchmal inkompatiblen Wirtschaftspolitiken der diversen Handelsregionen und kümmern sich um deren aktuelle Verwerfungen.

Für Europa ist Semi Europe zuständig, mit Sitz in Berlin und zwei weiteren Büros im französischen Grenoble und am EU-Standort Brüssel. Hauptereignis ist die jährliche Ausstellung und Konferenz Semicon Europa, die nach langer Wanderschaft über den polyzentrischen Kontinent endgültig auf dem weiträumigen Gelände der Messe München gelandet ist. Ab 2017 läuft sie, mit eigener Halle, jeweils parallel zu den industriellen Messegiganten Electronica und Productronica.

„München ist Zentrum der Elektronik“, begründet Laith Altimime, seit 2015 amtierender Präsident von Semi Europe, diesen strategisch motivierten Schritt. „Wir wollen sichtbar machen, dass wir ein wichtiger Teil der weltweiten Elektronikplattform sind.“ Europa habe schließlich in puncto Mikromechanik, Sensoren, Aktuatoren, Leistungselektronik, in der Forschung und bei Standards zum Smart Manufacturing mit Künstlicher Intelligenz einiges zu bieten.

Dieser Gedanke der internationalen Verflechtung und systemischen Vernetzung der Fertigung durchzog denn auch wie ein roter Faden die Agenda des zweitägigen Industry Strategy Symposiums von Semi Europe 2017. Zu Wort kamen – neben dem bekannten Industrieanalysten Bill McClean von IC Insights mit seiner bereits im Januar in Half Moon Bay vorgetragenen Einschätzung der globalen Chipmärkte und der von China ausgehenden Impulse – nun auch bewährte europäische Chipmanager wie Helmut Gassel von Infineon und David Reed von NXP.

Laut Gassel treibt die Chipindustrie nach wie vor die industrielle Innovation. Doch der Fokus der Chipentwicklung habe sich gewandelt: von der Bausteinebene auf die Systemebene. Der unmittelbare Mehrwert für die Anwender sei entscheidend für den Erfolg: „Wir innovieren heute zusammen mit unseren Kunden.“ Als Endvision gilt das durchgehende, allumfassende „System der Systeme“, etwa in Gestalt des Internet of Things (IoT).

Für David Reed von NXP hat dies neue Forderungen für Sicherheit und Qualität der Produkte zur Folge. Das IoT verlange nicht nur totale Verfügbarkeit, sondern auch durchgehenden Datenschutz. Ähnliches gilt für die Automobilelektronik. „IoT und Auto sind die nächsten Wachstumsmotoren für Halbleiter.“ Für NXP ist das eine „Reise in die Kultur der totalen Qualität“, über die gesamte Lieferkette, mit unmittelbarer Ansprache von Kundenproblemen – Dinge, die heute erst annäherungsweise umgesetzt sind.jdb

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