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Dienstag, 12. Dezember 2017

Schwellenländer

Das Comeback der Emerging Markets

Von Notker Blechner | 30. März 2017 | Ausgabe 13

Sie waren schon fast abgeschrieben, nun sind sie wieder erwacht. Die Emerging Markets legten im vergangenen Jahr stark zu und auch dieses Jahr stehen sie im Fokus.

BU_Schwellenländer
Foto: imago/AGB Photo

Brasilien: Der IWF erwartet, dass die Wirtschaft des südamerikanischen Staates dieses Jahr wieder wächst. Letztes Jahr war sie noch um 3,6 % geschrumpft. Auf dem Bild ist die Herstellung von Ethanol aus Zuckerrohr zu sehen.

Viele Jahre machten Anleger mit Emerging-Market-Fonds Verluste – von ein paar Ausnahmen abgesehen. Nun läuft es wieder: Im vergangenen Jahr stieg der MSCI Emerging Markets Index um 19 %. Zum Vergleich: Der Dax legte im selben Zeitraum nur 7 % zu, der Dow kam auf ein Plus von 14 %.

Lohnen sich die Emerging Markets nun also wieder? Oder war 2016 lediglich ein Strohfeuer, das schnell wieder erlischt?

Tatsächlich ist die starke Performance der Schwellenländerbörsen größtenteils auf die Erholung der Rohstoffpreise zurückzuführen. Der Anstieg der Ölpreise um rund 50 % hat z. B. die russische Börse massiv beflügelt. Rückschläge sind also vorprogrammiert, sollten die Rohstoffpreise wieder fallen.

Aber es sind durchaus auch wirtschaftliche Fundamentaldaten, die das Comeback der Emerging Markets rechtfertigen. So prognostiziert der IWF für dieses Jahr ein Anziehen des Wachstums in den Schwellenländern von 4,1 % im Jahr 2015 auf 4,6 %.

Vor allem Brasilien könnte das Schlimmste überstanden haben und 2017 aus der Rezession kommen – dank der Politik der neuen Temer-Regierung. Der IWF rechnet mit einem kleinen Wachstum von 0,2 %. 2016 war das BIP um 3,6 % geschrumpft.

Selbst China, das wichtigste Schwellenland der Welt, dürfte 2017 weiter auf einem soliden Wachstumskurs bleiben. Die Regierung hat sich als Ziel ein Plus von 6,5 % gesetzt – nach einem BIP-Zuwachs von 6,7 % im Jahr 2016.

Noch stärker dürfte Indien 2017 wachsen – um gut 7 %. Nicht einmal die Bargeldreform, die über Nacht große Geldscheine entwertete und zu Chaos an Banken führte, hat den Aufschwung nachhaltig bremsen können. Im vierten Quartal betrug das Plus immer noch 7 %. Experten wie die Emerging-Markets-Analysten der österreichischen Raiffeisen Capital Management hatten dagegen mit einem Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität von 20 % bis 50 % gerechnet, da Indiens Volkswirtschaft zu fast 90 % auf Bargeldtransaktionen basiere. Neuen Wachstumsschub könnte ab dem Frühjahr die Vereinheitlichung der Waren- und Dienstleistungssteuer bringen.

Doch es gibt auch graue Wolken. Viele Schwellenländer zittern vor Donald Trump. Der neue US-Präsident könnte zum Spielverderber des freien Welthandels werden und das starke Wachstum der Schwellenländer abwürgen, falls er seine protektionistischen Drohungen wahr macht. Zu beobachten war das bereits kurz nach der US-Wahl. Im November und Dezember 2016 sackten die Kurse in den Emerging Markets ab. Anleger schichten Gelder in Milliardenhöhe von den Schwellenländern in die USA um. An den Finanzmärkten würden die Folgen einschneidender protektionistischer Maßnahmen der neuen Trump-Administration noch ausgeblendet, warnt die Raiffeisen Capital Management.

Ein Wirtschaftsboom in den USA würde zu weiteren Zinserhöhungen führen und die USA als Anlageregion wieder attraktiver machen. Bei 4 % Zinsen wären US Treasuries eine lukrative Alternative zu hochriskanten Emerging-Markets-Anleihen. Der Dollar dürfte dann weiter steigen, im Gegenzug müssten die Währungen der Schwellenländer abwerten. Die Dollarstärke sei negativ für die Emerging Markets, sagt Christian Gattiker, Chefstratege von Julius Bär. Besonders Schwellenländer wie die Türkei, die hoch in Dollar verschuldet sind, würden leiden.

Größter „Trump-Verlierer“ wäre Mexiko. Der US-Präsident will Zölle auf Importe aus dem Aztekenland erheben, besonders auf in Mexiko produzierte Autos. Zudem belasten Trumps Mauerbaupläne die Beziehung der beiden Länder. Die mexikanische Wirtschaft ist fast komplett vom Handel mit dem großen Nachbarn abhängig. Fast 80 % der Exporte Mexikos gehen in die USA.

Aber auch China wäre betroffen. Trump will chinesische Stahlimporte mit Strafzöllen belegen. „China wird 2017 große Probleme haben“, prophezeit Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. „China ist das neue Feindbild der USA.“ Economist-Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes verweist auf makroökonomische Risiken: „Das BIP sinkt, die Schuldenlast steigt, und der Immobilienboom neigt sich seinem Ende zu.“

Die Gefahr einer Immobilienblase werde in China von Jahr zu Jahr größer, räumt DWS-Fondsmanager Xueming Song ein. Dennoch rechnet er für 2017 nicht mit Turbulenzen an den Märkten im Reich der Mitte. „China wird in diesem Jahr wirtschaftlich stabil bleiben“, prophezeite Song auf dem Zinsforum in Frankfurt. Dafür sorge schon der große Parteitag der Kommunistischen Volkspartei im Herbst. „Peking will bis dahin Ruhe an den Finanzmärkten haben.“ Zudem dürften die Zölle auf chinesische Produkte nicht so schnell kommen. Schließlich „machen Apple, GM und Procter & Gamble gut 15 % ihres Umsatzes in China“, weiß DWS-Fondsmanager Song.

Viele Experten glauben nicht, dass Trump den Höhenflug der Emerging Markets abrupt stoppen wird. „Die Schwellenländer-Rallye ist noch nicht vorbei“, meint Helaba-Ökonomin Gertrud Traud. Die DZ Bank empfiehlt sogar Emerging-Markets-Investments. Die Bewertungen der Aktienmärkte in den Schwellenländern seien erheblich günstiger als in den Industrieländern.

Zudem würden auch höhere Zinsen in den USA den Schwellenländern nicht zwangsläufig schaden. Die Fondsgesellschaft AB (Alliance Bernstein) weist daraufhin, dass von 2004 bis 2006 die Aktien der Emerging Markets um mehr als 120 % nach oben schossen, obwohl die US-Notenbank die Zinsen von 1,0 % auf 5,25 % anhob.

M&G setzt derzeit vor allem auf Russland, Brasilien und Kolumbien. Auch Osteuropa sei momentan sehr attraktiv, meint der Investmentdirektor des Fixed Income-Teams, Anthony Doyle.

Wem Fonds oder Aktien zu riskant sind, der kann auch in Emerging-Markets-Anleihen investieren. „2016 ließ sich hier gutes Geld verdienen“, schreibt die Raiffeisen Capital Management. „Im Durchschnitt gab es fast 10 % Wertzuwachs.“ Mitunter gibt es gar zweistellige Renditen – z. B. lockt Brasilien mit 13 %. Allerdings ist hier natürlich das Währungsrisiko zu beachten.

Eine sichere, aber nicht ganz so lukrative Variante sind Anleihen in Hartwährung. Die durchschnittliche Rendite für Anleihen der Schwellenländer in Hartwährung liegt zurzeit bei knapp 6 %, sagt Robert Reichle, Manager des Berenberg Emerging Markets Bond Selection. „Langfristige Anleger werden sich daher in den Emerging Markets umschauen müssen.“ Der DWS z. B. hat den ersten ETF in US-Dollar auf asiatische Anleihen, den db X-Trackers II iBoxx USD Liquid Asia ex-Japan Corporate Bond ETF, aufgelegt. Der Index hat in den letzten drei Jahren eine Performance von über 20 % geschafft. Die jährliche Rendite von asiatischen Unternehmensanleihen liegt bei 3,1 % und damit deutlich höher als die von europäischen Corporate-Bonds (0,5 %). 

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