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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Kommentar

Das Faustpfand

Von Stephan W. Eder | 15. Juni 2017 | Ausgabe 24

Ausgerechnet der erste Stand in Halle 1 der Messe Intersolar war betroffen: ein großes, mit blauem Teppich ausgekleidetes Rechteck, direkt am Halleneingang. Hier hätte der langjährige deutsche Branchenprimus Solarworld seinen Stand haben sollen. Die Bonner aber sind Pleite, verkündet nur einige Wochen vorher. Ein Menetekel?

Energieredakteur Stephan W. Eder sieht die Solarbranche bei der EEG-Umlage am Scheideweg.

Mitnichten. Wäre dieser blaue Teppich in Halle 1 an exponierter Stelle nicht gewesen, man hätte in München den Eindruck gehabt: Der Solarbranche geht es gut. Wachstum im deutschen Markt, Wachstum weltweit, dabei – auch in Zukunft absehbar – sinkende Preisen für Photovoltaikmodule; und, was sehr wichtig ist, für Speicheranlagen.

Die Branche trat mit Selbstbewusstsein auf, nach dem Motto: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“ – die Preise sind unten. Beflügelt von jenen 75 GW, die 2016 an Solarstromleistung weltweit zugebaut wurde, so viel, wie keine andere Stromerzeugungstechnik aufwies.

Klar ist, dass dann die Frage im Raum steht: Warum braucht es dann noch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)? Warum Lauflernhilfen, wenn das Kind schon Wettrennen gewinnt? Und vor allem: Warum braucht es noch eine garantierte Einspeisevergütung für die Anlagenbetreiber, die alle Stromkunden über die EEG-Umlage bezahlen müssen?

Die Fragen ging die Branche mit Selbstbewusstsein an. Das EEG müsse Bestand haben, bis „faire Marktbedingungen“ geschaffen seien, so der Branchenverband BSW-Solar. Besonders wichtig: „Der Überschussstrom, der eingespeist wird ins Netz, dafür ist das Gesetz nach wie vor eine wichtige Absicherung. Auch für die Gewährung attraktiver Finanzierung seitens der Banken. Es geht also hier um den Einspeisevorrang und den Netzzugang“, erklärt BSW-Solar-Geschäftsführer Carsten Körnig.

Interessant ist auch, worüber nicht geredet wird: die EEG-Umlage. Niemand mag in München sagen, dass man sie eigentlich nicht mehr brauchen würde. Warum nicht? Man braucht sie halt doch, denn sie hat einen hohen Symbolgehalt – und sei es als Faustpfand in Verhandlungen mit den politischen Entscheidungsträgern.

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