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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Informationstechnik

Das Rechenzentrum wird neu erfunden

Von Harald Weiss | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Cloud-Computing ist zwar in aller Munde, doch der größte Teil der IT-Ausgaben geht weiterhin in die firmeneignen Rechenzentren.

Rechenzentrum BU
Foto: J. D. Billerbeck

Rechenzentren im Container sind derzeit bei den Anwendern sehr beliebt. Sie sind bei Bedarf mobil und quasi im Baukastensystem flexibel ausbaubar.

Obwohl Cloud-Computing weiterhin die Medien und die Diskussionen auf vielen Fachtagungen beherrscht, findet der größte Teil der IT-Arbeiten weiterhin „On Premise“, also in firmeneigenen Rechenzentren (RZ), statt. Laut IDC werden in diesem Jahr rund 60 % der IT-Ausgaben in solche Infrastrukturen fließen. Der Rest der Investitionen verteilt sich auf die Public-Cloud-Anbieter und die Outsourcing-Dienstleister.

Darüber hinaus gibt es inzwischen sogar Anzeichen für eine Umkehr des Trends in die Cloud: „Viele IT-Chefs holen wieder einen Teil ihrer Anwendungen zurück aus der Cloud ins eigene Rechenzentrum“, sagt Aongus Hegarty, EMEA-Chef beim Storage-Spezialisten Dell EMC. Einer der Gründe: „Analytics in Echtzeit sind Cloud-ungeeignet“, sagt Marc Clark, Director Cloud-Strategy beim IT-Spezialanbieter Teradata.

Da die Nutzung moderner Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI) immer stärker auf Echtzeitdaten aufsetzt, verbleibt dieser Bereich vorwiegend im eigenen RZ. Nach Einschätzung von Charles King, Principal Analyst bei Pund-IT, beschränken sich die Cloud-Vorteile im Wesentlichen nur noch auf zwei Bereiche: hohe Flexibilität bei extrem großen Lastschwankungen. Und Entwicklungen von neuen Anwendungen, die in der Cloud eine größere Plattform- und Middleware-Vielfalt vorfinden, mit denen dort zunächst experimentiert werden kann, bevor entsprechende eigene Investitionen getätigt werden. Beides wird auch weiterhin für kräftige Zuwachsraten im Cloud-Geschäft sorgen. Doch der On-Premise-Markt ist deshalb noch lange nicht abgeschrieben. IDC schätzt, dass die von allen RZ belegte Fläche im nächsten Jahr um 12 % auf 200 Mio. m2 ansteigen wird.

Bei der Basisinfrastruktur eines RZ setzen sich Container immer mehr durch. Die Marktforscher von Marketsandmarkets prognostizieren, dass der weltweite Umsatz mit solchen mobilen RZ von gegenwärtig 10,34 Mrd. $ bis 2021 auf 38,3 Mrd. $ ansteigen werde – ein jährliches Plus von 30 %.

In die Kategorie Basisinfrastruktur gehört auch die Kühlung. Luftgekühlte Anlagen, die mit Außenluft operieren, werden immer effizienter. Bei größeren Leistungen könnte sich bald das sogenannte Immersion Cooling durchsetzen. Hierbei handelt es sich um Flüssigkeiten, die nicht leitfähig sind und keine Korrosion verursachen, somit können sie direkt die Rechnerkomponenten umspülen, was die Effizienz deutlich steigert.

Es gibt neue Rekorde bei der Prozessortechnologie. Beispielsweise stellte Nvidia vor Kurzem seinen Tesla-V100-Grafikprozessor vor, der mit 21 Mrd. Transistoren einen neuen Rekord aufstellt. Mit diesem Prozessor zielt das Unternehmen nicht mehr auf den Markt der Computerspiele, sondern positioniert sich vor allem für rechenintensive Anwendungen in der künstlichen Intelligenz.

Um die In-House-Nutzung der Informationstechnologie weiter zu unterstützen, haben die Anbieter gerade in jüngster Zeit ihre diesbezüglichen Angebote attraktiver gemacht. So wurde die Nutzung der eigenen RZ-Infrastruktur weiter vereinfacht und automatisiert.

Hierzu gehören die sogenannten Converged-Systems, in denen Server, Speicher und Netzwerke optimal aufeinander abgestimmt sind. Diese Systeme sind schnell einzurichten, einfach zu konfigurieren und in weiten Bereichen skalierbar. „Computing, Networking, Memory und Storage müssen an die neuen Echtzeitanwendungen angepasst werden, und das bedeutet, sie müssen viel dichter zusammenrücken“, sagt Daniel Cobb, zuständig für strategische Technologien bei Dell EMC.

Laut Gartner sind solche konvergenten Systeme der am schnellsten wachsende Bereich innerhalb des Hardwaremarkts. In zwei Jahren sollen sie die 5-Mrd.-$-Marke erreichen. Dann sollen sie rund ein Viertel dieses Segments ausmachen.

Des Weiteren ist heute alles virtualisierbar und softwaredefiniert. Das wiederum ermöglicht einen hohen Grad an Automatisierung und eine bessere Auslastung der Ressourcen. Gartner schätzt, dass bereits in drei Jahren 75 % der RZ in Großunternehmen vollständig softwaredefiniert operieren werden. Parallel dazu sehen die Marktforscher von AMR einen Boom bei der Automatisierung. „Der Markt für RZ-Automatisierung wird von derzeit 3,6 Mrd. $ bis 2022 auf 8,6 Mrd. $ ansteigen“, sagt deren Analyst Ashvin Namde.

Neues gibt es gegenwärtig auch im Bereich der IT-Architektur. Der aktuelle Megatrend heißt Edge-Computing. Darunter versteht man die Verlagerung von Rechenleistung an die vorderste Front der Nutzung – also in die Endgeräte, beispielsweise Fahrzeuge, Drohnen, Handys und andere Systeme im Internet der Dinge. Damit will man vor allem die Netzwerke entlasten. „Edge-Computing steht im Zentrum der neuen RZ-Technologien. Ich denke, dass wir noch in diesem Jahr den Durchbruch dieser neuen Architektur erleben werden“, sagt Milan Shetti, CTO der Infrastruktur-Gruppe bei Hewlett-Packard (HP).

Auch die klassische Architektur von Prozessor, Speicher und Peripherie steht vor einem tief greifenden Umbruch. So hat HP soeben einen neuen Prototyp von „The Machine“ vorgestellt (s. VDI nachrichten 22/17). Herzstück des Systems ist ein Speicherfeld mit 160 TByte, bei dem jedes einzelne Byte zu jeder Zeit von beliebig vielen Recheneinheiten angesprochen werden kann. Damit entfällt das zeitintensive Memory-Management. Laut HP sollen gegenwärtig rund 90 % der Rechenleistung nur für diese internen Verwaltungsaufgaben verloren gehen.jdb

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