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Montag, 11. Dezember 2017

Stromnetze

Das Regeln schaffen

Von Heinz Wraneschitz | 27. Juli 2017 | Ausgabe 30

Die fränkische Elektronikschmiede A. Eberle macht mit ihrer Technologie Verteilnetze weltweit zukunftsfähig.

w - A. Eberle BU Personen
Foto: Heinz Wraneschitz

„Wir regeln das“, heißt der Slogan von A. Eberle, mit (v. li.) Geschäftsführer Till Sybel, Smart-Grid-Projektmanager Stefan Hoppert und Geschäftsführer Harald Straußberger.

Bei der A. Eberle GmbH & Co. KG in Nürnberg sagt man: „Jedes Gerät ist ein Botschafter.“ Und weil die Niederspannungsregelsysteme des Elektronikunternehmens immer mehr wackelige Verteilnetze weltweit stabilisieren, kommt diese Botschaft immer öfter an: Neue, smarte Technologien sind eine Alternative zum klassischen Netzausbau.

A. Eberle GmbH & Co. KG

Auf der diesjährigen Hannover Messe brachte A. Eberle die Besucher des kleinen Messestands schon allein mit einem Kürzel zum Grübeln: LVRSys. Das steht für „low voltage regulation system“. Doch auch der deutsche Begriff „Niederspannungsregelsystem“, den das Unternehmen für seine Neuheit verwendete, war nicht viel aussagekräftiger. Aber mit einem Blick ins Schaltbild des LVRSys wurde vielen schnell klar: Das Gerät lässt sich vielfältig als Spannungsregler einsetzen, im Straßenverteilerkasten in der Netzmitte, dem sogenannten Strangregler, genauso wie für ganze Ortsnetze.

Dabei löst es ein Problem, mit dem sich gerade Betreiber ländlicher Netze herumschlagen müssen: Hier speist eine Solaranlage – oft sogar einphasig –, dort ein kleines Biogasblockheizkraftwerk Strom in die Niederspannungsleitung. Und das nicht immer dann, wenn der Strom vor Ort auch verbraucht wird. Die Spannung schwankt, manch elektronischer Verbraucher verträgt das nicht, die Stromkunden sind genervt.

Der erste Gedanke für Netzbetreiber, um das Problem zu lösen, war bislang: dickere Leitungen, also Netzausbau. Doch die moderne Elektronik bietet Alternativen. A. Eberle ist mit seinem LVRSys ganz vorn dabei: Der regelt die Spannung auf allen drei Phasen des Drehstromnetzes unabhängig voneinander.

„So gelingt es, die Spannungssymmetrie im Netz spürbar zu verbessern. Außerdem können die Netzbetreiber die Spannung erhöhen und absenken“, erklärt Till Sybel, Diplom-Ingenieur und Vertriebsgeschäftsführer, die Funktion. „Dieses Alleinstellungsmerkmal gewinnt in Zukunft noch mehr Bedeutung bei der Gewährleistung der Spannungsqualität, gerade auch wegen steigender Belastung der Netze durch Elektromobilität und Wärmepumpen“, da ist sich Stefan Hoppert, der Produktmanager für das LVRSys, ganz sicher.

Foto: Heinz Wraneschitz

Bei der Einzelstückprüfung: das Niederspannungsregelsystem von A. Eberle, kurz LVRSys, eingebaut in den Schaltschrank.

Das neue Gerät, das zum Beispiel der nordbayerische Verteilnetzbetreiber N-ergie im unterfränkischen Giebelstadt vor einem Jahr erfolgreich getestet hat, ist nicht das erste System von A. Eberle für diesen Einsatzbereich. Schon 2010 wurden das Unternehmen für eine „Regeleinrichtung für Ortsnetztransformatoren“ mit dem Bayerischen Energiepreis ausgezeichnet. Die ermöglichte „die Einspeisung erneuerbarer Energien in kritische Netze ohne aufwendigen Netzausbau“, lautete die Begründung; inzwischen werden solche Geräte „Regelbare Ortsnetztrafos“ oder kurz Ront genannt. Die Technologie gilt heute als einer der ersten Smart-Grid-Ansätze, der im Markt erfolgreich ist.

Schon damals war das Unternehmen 30 Jahre alt und über die ganze Zeit stark mit Trafo-Regelungen befasst. Gründer Albert Eberle verkaufte 2000 seine Anteile an seinen Partner Lothar Mayer, der heute Mehrheitsgesellschafter der Firma ist. Der sei aber „nicht mehr operativ tätig“, wie es heißt, und überlässt den Ingenieuren Till Sybel und Harald Straußberger die Geschäftsführung. A. Eberle hat zwölf Kommanditisten, alle sind auch Mitarbeiter.

„Wir machen digitales Equipment für Spannungsregelung, Power Quality mit Störschreibung und Erdschlussortung“, fasst Sybel das wesentliche Produktionsfeld in einem Satz zusammen. Die Produktion erfolgt nur in Deutschland. A. Eberle sieht sich als „Ideenschmiede“, fertigt nicht alles selber, sondern hat Partner „im Umkreis von 50 km. Wir haben die Ideen, machen die Produktentwicklung, die Nullserie“, beschreibt Geschäftsführer-Kollege Harald Straußberger den Ablauf bei vielen der angebotenen Systeme.

Die Produkte sind weltweit im Einsatz: „Bis zu 70 % Exportanteil“ habe man. Die Kundengruppen unterscheiden sich überall: In Afrika seien es oft Industriefirmen, die keine vernünftige Spannung vom Energieversorger geliefert bekämen. „In Neuseeland gibt es teils sehr lange Leitungen, an denen einphasige Spannungsregler, sogenannte Pole Mounts, befestigt werden, also am Mast selbst.“ In Deutschland sind die Energieversorgungsunternehmen selbst für die Spannungsregelung zuständig und damit die Kundschaft für LVRSys und Co.

Doch der A.-Eberle-Blick geht immer stärker ins Ausland: Es gebe zwar kein US-Geschäft, aber chinesische Trafobauer als Kunden. Auch sehr wichtig sei Indien: Der dortige Firmenrepräsentant ist sogar Kommanditist. „Aus dem Mittleren Osten kommen viele Ideen für neue Produkte“, nennt Sybel einen Trend. Die Firma selbst „möchte mit Power-Quality- und Störschreibern auf den dreifachen Umsatz kommen“. Genau dafür werden gerade neue Geräte entwickelt. „Und bei Spannungsreglern wachsen wir ohnehin“, so Sybel und Straußberger.

Seit sieben Jahren ist der Firmensitz in einem Gewerbekomplex an der Nürnberger Frankenstraße, dort, wo einst Turbinen gefertigt wurden. Als Albert Eberle 1980 in seiner Garage im Stadtteil Eibach startete, hatte er sechs Mitarbeiter. Heute arbeiten bei A. Eberle um die 90 Menschen; fast zwei Drittel sind Ingenieure und Techniker.

Doch man strebe kein ungebremstes Wachstum an, stellt Sybel heraus. Dass die Firma „anders“ ist, merkt jeder Besucher sofort. Da kommen Mitarbeiter mit Handtüchern vorbei: „Die Belegschaft kann sich bestimmte Aktionen wünschen“, Massage war eine davon – jetzt werden zu bestimmten Zeiten Behandlungen angeboten.

Dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie selbst bei Ingenieuren funktioniert: Auch dafür ist A. Eberle ein Beweis. Vereine wie die Nürnberger Altstadtfreunde oder Kinderaktionen können mit Spenden rechnen. „In einer von Lothar Mayer eingebrachten Betriebsnorm ist festgelegt, wie viel Spenden ausgeschüttet werden“, erzählt Sybel und ergänzt: „Es wurde beispielsweise auch schon in Afrika eine Schule mit unserer Unterstützung gebaut.“

Im Unternehmensleitbild heißt es dazu: „Mit unseren Werten Klarheit, Offenheit und Fairness stehen wir für eine menschliche Unternehmenskultur und leisten unseren Anteil am Aufbau einer gerechten Gesellschaft.“

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