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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Assekuranz

David gegen Goliath

Von Stefan Terliesner | 23. März 2017 | Ausgabe 12

Roman-Marcus Rittweger, Gründer der ersten digitale Krankenversicherung, über sinkende Prämien und die Angst der etablierten Anbieter.

VDI Nachrichten: Herr Rittweger, was hat Sie bewogen, einen digitalen Krankenversicherer zu gründen?

Foto: ottonova Holding AG

Roman Rittweger: „Wir werden für die Versicherten zahlreiche nützliche Tools rund um das Thema Gesundheitsmanagement anbieten.“

Rittweger: Da ich selbst Arzt bin, lag mir schon immer sehr viel daran, Menschen bei ihrer Gesundheit zu unterstützen. Deshalb hatte ich bereits 1997 Almeda gegründet, einen Anbieter von telemedizinischen Gesundheitsservices. Ich wollte Krankenversicherern helfen, ihre Kunden besser durch das Gesundheitswesen führen zu können, z. B. das Patienten einen passenden Facharzt finden. Die Digitalisierung ermöglicht es nun, diese Idee konsequent weiterzudenken. Die für mich nächste logische Steigerung war daher die Gründung eines privaten Krankenversicherers.

Roman Rittweger

Sie vergleichen Ottonova mit einem Callcenter?

Nur beim Service. Wir werden für die Versicherten zahlreiche nützliche Tools rund um das Thema Gesundheitsmanagement anbieten.

Was wird Ihr Kernprodukt sein?

Wir starten mit einer privaten Krankenvollversicherung. Später kommen Zusatzversicherungen hinzu.

Haben Sie eine BaFin-Zulassung?

Noch nicht. Wir erwarten sie im zweiten Quartal. Sobald sie vorliegt, können wir mit rund 50 Mitarbeitern starten.

Wie viele Versicherte benötigen Sie bis zum Erreichen der Gewinnschwelle?

Das werde ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Aber glauben Sie mir, es müssen nicht so viele sein. Und wir haben kein Problem damit, wenn es langsam aufwärtsgeht. Mit dem Geld der Investoren sind wir die ersten Jahre durchfinanziert.

Wer sind die Investoren?

Holtzbrinck Ventures und Vorwerk Ventures. Zudem sind die Mitarbeiter und ich an Ottonova beteiligt.

Halten Sie noch die Mehrheit?

Nein. Genaue Anteile möchte ich nicht nennen.

Damit der Risikoausgleich im Kollektiv der Versicherten funktioniert, muss die Gemeinschaft ausreichend groß sein. Könnte das zum Start ein Problem werden?

Das ist eine Hürde, die wir nehmen müssen. Solange sich das Kollektiv noch nicht selber versichert, nutzen wir Rückversicherungen, welche die entsprechenden Schäden übernehmen. Das ist alles machbar. Wir sind ja nicht der erste Krankenversicherer, der neu gegründet wird. Das Ungewöhnliche an Ottonova ist, dass wir digitale Technik nutzen, um den Vertrieb günstiger zu gestalten und den Kundenservice zu verbessern.

Wie wird Ottonova seine Policen vertreiben?

Der Vertrieb erfolgt über unsere Homepage. Einen teuren Offline-Vertrieb gibt es nicht. Wir werden im klassischen Sinn nicht mit Vermittlern zusammenarbeiten. Folglich zahlen wir keine teuren Provisionen. Das bringt einen deutlichen Kostenvorteil für unsere Kunden. Vor 20 Jahren musste man im Reisebüro so viel Servicegebühr bezahlen, wie heute in vielen Fällen der ganze Flug kostet. Und heute buchen viele Menschen ihren Flug selber online. Das wird irgendwann auch in der PKV so ein. Sicher werden nicht 100 % der Verträge online abgeschlossen, aber ein signifikanter Anteil.

Aber sie arbeiten auch mit Partnern zusammen, oder?

Jeder, der uns hilft, Verkehr auf unsere Homepage zu bringen oder einen Vertrag zu verkaufen, erhält eine kleine Vergütung. Das kann auch ein Versicherungsmakler sein, der auf seiner Homepage auf unser Angebot hinweist. Wir zahlen für diese Leads. Das funktioniert wie bei einem Affiliate-Modell, also einem internetgestützten Vertrieb, bei dem der Produktanbieter seine Vertriebspartner vergütet. Aber das Entgelt wird viel kleiner sein als heute die Courtage eines Maklers.

Wird dann der Versicherungsschutz günstiger?

Ja, vor allem langfristig. Anfangs haben wir den Nachteil, dass wir aufgrund des Dauerzinstiefs am Kapitalmarkt mit einem sehr niedrigen Rechnungszins die Beiträge kalkulieren müssen. Anders als die etablierten Anbieter müssen wir den Rechnungszins aber nicht mehr absenken, was tendenziell die Beiträge erhöhen würde. Unser Tarif ist daher zum Start nicht gigantisch günstig, aber auf Dauer stabiler.

Auch ihre Versicherungsnehmer müssen erst Gesundheitsfragen beantworten, bevor sie eine Police abschließen. Wenn sie dabei Fehler machen, könnte das später zu Leistungskürzungen führen. Wie ist dieser Prozess bei Ottonova gestaltet?

Da wir wissen, dass dieser Prozess für Kunden und uns besonders sensibel ist, helfen wir hier auch individuell und durch persönliche Beratung. Gerne möchten wir auch diesen Prozess angenehmer und moderner gestalten. Negative Erfahrungen für unsere Kunden wollen wir möglichst vermeiden.

Wie begegnen Ihnen Wettbewerber?

Es gibt Anbieter, die Angst vor uns haben. Viele verstehen aber auch, dass Newcomer wie wir gut für die PKV sind, denn sie geben Innovationssignale in die Branche. Ich bin ein Fan des Wettbewerbs. Die Daseinsberechtigung der PKV ist die Innovation. Die hat in den vergangenen Jahren gelitten.

Andere Versicherer investieren viel in ihre Digitalisierung. Warum sollten die das nicht auch hinbekommen?

Deren Problem ist, dass sie das nicht auf der grünen Wiese tun können. Sie haben alte Strukturen, oft mehrere IT-Systeme, viele Mitarbeiter und vor allem die Mentalität: „Das haben wir schon immer so gemacht“. Bei meinem ersten Start-up Almeda habe ich versucht, das über die etablierten Strukturen der Produktgeber zu machen und festgestellt, dass das nicht funktioniert. Ottonova startet bei null. Das ist unser „unfairer“ Vorteil. Unser Nachteil ist, dass wir klein sind. Wir sind ein kleiner David, der gegen große Goliaths antritt.  

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