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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

Photovoltaik

„Der Schalter ist langsam umgelegt“

Von Stephan W. Eder | 15. Juni 2017 | Ausgabe 24

Nach Krisenjahren stand auf der Branchenmesse Intersolar in München das Geschäft im Vordergrund.

w - Intersolar BU
Foto: Solar Promotion GmbH

Vorzeigbar: Auf der Messe Intersolar 2017 Ende Mai, Anfang Juni war das Interesse an Produkten groß. Die Branche zeigte das Selbstbewusstsein, ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Die Technik ist robust, die Preise gesunken.

Niedriger waren die Kosten für ein Photovoltaikkraftwerk bisher noch nie: 24,4 $/MWh, rund 21,8 €/MWh. Mit dieser auf 25 Jahre garantierten Vergütung für eine Großanlage in Abu Dhabi, die 2016 bekannt wurde, ist Photovoltaik uneingeschränkt konkurrenzfähig. „Solare Großanlagen sind schon preiswerter als neue Gas-, Kohle- und Kernkraftwerke“, sagte James Watson, Chef des europäischen Solarverbands Solarpower Europe, im Vorfeld der Branchenmesse Intersolar in München.

Solar ist zurück: Das wurde in der bayerischen Landeshauptstadt zum Monatsbeginn deutlich. Auch in Deutschland. Dümpelte der Zubau von Photovoltaikanlagen 2014 und 2015 jeweils um die 1,5 GW, so rechnet der deutsche Branchenverband BSW-Solar heuer mit rund 2 GW. REC Solar, nach eigenen Angaben 2016 nach Verkaufsvolumen in Megawatt die Nummer eins in Deutschland, rechnet etwas konservativer mit 1,6 GW bis 1,7 GW.

Entwicklung der Kraftwerksleistung weltweit: 2016 stand die Photovoltaik mit 75 GW an der Spitze der Einzeltechnologien für die weltweit netto zugebauten Stromerzeugungskapazitäten. Insgesamt betrug der Leistungsanstieg laut Umweltbüro der Vereinten Nationen (Unep) rund 260 GW.

Die Zahlen des ersten Quartals sind laut BSW-Solar vielversprechend: Die Eigenheimanlagen stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut ein Viertel auf rund 70 MW; Gewerbe und Industrie installierten mit fast 220 MW zwei Drittel mehr. „Die Aprilzahlen zeigen weiter in diese Richtung“, sagte der Chef des Branchenverbands, Carsten Körnig, zum Messeauftakt; im Schnitt sei es ein Plus von etwa 58 %.

Nur: Warum legt der deutsche Markt eigentlich zu? Udo Möhrstedt, Gründer und Chef von IBC Solar, einer der Nestoren der deutschen Branche, ist sich nicht so ganz sicher. „Wir vermuten, dass unseren Kunden inzwischen bewusst geworden ist, dass sie auch dadurch Geld verdienen können, wenn sie durch Eigenstromverbrauch Stromkosten und damit bares Geld sparen. Der Schalter, der ist langsam umgelegt.“

Aus Sicht von Lior Handelsman, Mitgründer des Wechselrichterherstellers Solaredge, kranke die Branche vor allem daran, bei Änderungen gesetzlich festgelegter finanzieller Rahmenbedingungen gleich den Weltuntergang auszurufen. „Das glauben die Kunden einem dann irgendwann. Und investieren nicht mehr.“ Dementsprechend müsse erst einmal Gras über das Krisenszenario wachsen: „Ich glaube, dass der deutsche Markt wächst, weil der letzte Wechsel der Bedingungen lange genug her ist.“ Deutschland werde neben Frankreich, Belgien und Italien das Wachstum auf dem europäischen Markt tragen, so Handelsman, der bei Solaredge die Produktstrategie und Geschäftsentwicklung verantwortet.

Olaf Krückemeier, Verkaufsleiter Zentraleuropa bei REC Solar, sieht die Geschäfte in Europa als „etwas schwieriger an als in Deutschland“. Aktuell stark seien die Niederlande, „dort dürften 2017 rund 300 MW installiert werden“, so Krückemeier. Spannend für REC Solar sei der französische Markt, weil man dort für Ausschreibungen einen möglichst geringen zertifizierten CO2-Fußabdruck brauche. „Aber auch, weil dort mit der Insolvenz von Solarworld und des französischen Sillia zwei Anbieter nicht mehr aktiv sind.“

International spielt die Musik: Solar ist ein globales Geschäft. Daher gründete IBC Solar letztes Jahr die IBC Solar Energy GmbH, die speziell den südostasiatischen Markt beackert. „In ganz Südostasien haben wir über diese Tochter aktuell dieses Jahr 16 Projekte in der Pipeline“, sagt Möhrstedt, darunter in Japan für einen einzigen Investor insgesamt 37 MW in mehreren Solarparks im Wert von 90 Mio. € – ein mehrjähriges Projekt.

Derzeit baut die Branche daher auch wieder massiv Produktionskapazitäten auf. „Der Zubau der solaren Stromerzeugungskapazitäten wird weltweit in Zukunft noch stärker steigen“, so Möhrstedt. „Das sehen wir, wenn wir mit unseren Lieferanten sprechen. Die Bücher der Photovoltaikanlagenhersteller – und das sind ja auch viele deutsche Maschinenbauer – sind voll.“

Michael Smela, bei Solarpower Europe für den weltweiten Marktausblick zuständig, rechnet damit, dass die globalen Produktionskapazitäten 2021 die Schallmauer von 1 TW durchbrechen könnten. Falls die Gesetzgeber mitspielten und keine regulatorischen Überraschungen kämen.

REC Solar ist hingegen noch zurückhaltend, eine prinzipiell mögliche Erweiterung der heutigen Produktionskapazitäten von 1,4 GW in Singapur anzugehen: „Diese Entscheidung hängt aber von vielen Faktoren wie Marktpreis und generelle Marktentwicklung ab“, so Krückemeier. Einen wirklichen Markteinbruch, wie gegen Ende letzten Jahres, sieht er nicht: „Wir glauben, dass sich im Verlauf dieses Jahres die Modulpreise wieder leicht verringern werden.“

Auf die Produktqualität wirkten sich solche Preisstürze nicht erkennbar aus, bestätigte Jenya Meydbray, Leiter des Bereichs Module und Wechselrichtertests bei DNV GL, auf Nachfrage. Der norwegisch-deutsche Zertifizierer stellte in München zum dritten Mal seine „PV Module Reliability Scorecard“ vor, im Rahmen dessen er agglomerierte Erfahrungen aus den weltweiten Langzeittests von 50 verschiedenen Photovoltaikmodulen veröffentlicht.

Es bestünden weiterhin Bedenken, dass Kostenreduzierungen sich negativ auf die Modulqualität auswirken könnten, bestätigte DNV GL: „Die Leistung der meisten Module bleibt in den Zuverlässigkeitstests konstant“, so das wichtigste Ergebnis der Langzeittests. Doch je nach Materialstückliste könnten auch Module aus demselben Werk desselben Herstellers Unterschiede aufweisen.

Technologisch arbeiten die Hersteller erkennbar daran, bei den 60-Zellen-Modulen die 300-MW-Schallmauer zu durchbrechen. Das bestätigte auch Klaus Hofmeister, technischer Produktmanager bei REC Solar. Auf der Intersolar zeigten die Norweger die zweite Generation ihrer Twin-Peak-Technologie mit etwas größeren Zellen, um die Leistung eben in diesen Bereich nach oben zu ziehen.

Der bisher rein auf Polysiliziumtechnologie fokussierte Hersteller will in Zukunft jedoch auch auf monokristalline Zelltechnologie sitzen. „Wir haben aktuell für den japanischen Markt ein 50-Zellen-Produkt in der Pipeline.“ Für die hiesigen Märkte gehe er davon aus, dass Anfang bis Mitte nächsten Jahres entsprechende Produkte im 60-Zellen-Standardformat eingeführt würden.

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