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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Parkettnotizen

Der äußerst reizende Nachbar

Von Christoph Böckmann | 4. Mai 2017 | Ausgabe 18

Frankreich ist nicht mehr Nummer eins. Zumindest nicht in der deutschen Exportbilanz.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Da haben die USA unsere Nachbarn als wichtigsten Handelspartner abgelöst. Aber das ist nur ein kleiner Kratzer in ansonsten glänzenden Handelsbeziehungen. Bei deutschen Unternehmern ist Frankreich so beliebt wie nie. Zum ersten Mal, seit Statistiken über ausländische Investitionen erstellt werden, hat Deutschland die USA überholt. Das Institut für Wirtschaftsförderung, Business France, errechnete, dass es im vergangenen Jahr über 1100 ausländische Investitionsprojekte in Frankreich gab. Mehr als 17 % davon haben den Angaben zufolge deutsche Unternehmen angeschoben.

Die Anziehungskraft Frankreichs ist also ungebrochen. Auch der deutsche Mittelstand macht dort exzellente Geschäfte. Business France nennt als wichtigste Felder Forschung und Entwicklung sowie die industrielle Fertigung. Auch wenn die französischen Wirtschaftsstrukturen vielfach als verkrustet gelten und der Markteintritt (nicht nur für ausländische Firmen) schwierig ist, bleibt die Präsenz vor Ort das Mittel der Wahl vieler deutscher Firmen.

Beide Seiten profitieren dabei. 21 % der Industriearbeitsplätze in Frankreich werden von ausländischen Unternehmen unterhalten. Was liegt also näher, als am kommenden Sonntag Emanuel Macron die Daumen zu gründen. Der unabhängige Präsidentschaftskandidat gilt als wirtschaftsfreundlich, als Euro-Befürworter und als Mann Europas. Ganz anders seine Gegnerin Marine Le Pen, die zwar im Wahlkampf-Endspurt etwas leisere Töne angestimmt hat, grundsätzlich aber Frankreich aus dem Euro und der EU herauslösen will.

Für Frankreichs Wirtschaft und den deutschen Mittelstand wäre die „Priorité nationale“ (so lautet Le Pens Mantra in Anlehnung an Trumps „America first“) ein ziemliches Desaster. Doch auch mit einem Präsidenten Macron würde es nicht ganz so leicht werden, wie man sich das gemeinhin vorstellt. Macron will zwar mit Reformen Frankreich wieder flottmachen und hat sich Bürokratieabbau groß auf die Fahnen geschrieben. Doch wenn es um Europa geht, dann hat er ein anderes Bild als die Deutschen. Im Wahlkampf hat Macron den hohen Außenhandelsüberschuss der deutschen Wirtschaft kritisiert. Das Thema dürfte also auch weiterhin auf der Agenda bleiben. Außerdem ist der Kandidat ein Fan gemeinschaftlicher Schuldenverwaltung im Euroraum. Mehr als einmal hat er die Einführung von Eurobonds gefordert und sich damit frontal gegen deutsche Positionen gestellt.

Priorität dürften erst einmal interne Reformen haben. Frankreichs Wirtschaft wuchs zuletzt nur um 0,3 %. Die Arbeitslosenquote liegt mit über 10 % knapp über dem Durchschnitt im Euroraum. Noch gravierender ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Die Inflation ist dagegen mit 1,2 % unterdurchschnittlich niedrig. cb

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