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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Netztechnik

Der schnelle Weg zur Gigabit-Leitung

Von Gerhard Kafka | 15. Juni 2017 | Ausgabe 24

BritischeMarktforscher rechnen im Jahr 2021 mit weltweit rund 29 Mio. Teilnehmern für G.fast-Dienste. Diese neue DSL-Technologie liefert Datenraten bis zu 2 Gbit/s.

BU G.Fast
Foto: Netcologne

Kölner Rekord: Auf der Anga Com lieferte G.fast bei Netcologne live 1,6 Gbit/s im Downstream und 0,2 Gbit/s im Upstream.

Die Kupferkabel des bestehenden Telefonnetzes bilden seit Jahren die Basis für immer schneller werdende Internetzugänge. Sie sollen auch hierzulande helfen, das erklärte Ziel der Bundesregierung einer flächendeckenden Breitbandversorgung mit 50 Mbit/s bis 2018 umzusetzen. Angesichts bandbreitenhungriger Anwendungen wie Video und Cloud-Computing muss jedoch die vorgegebene Datenrate von 50 Mbit/s schon heute auf den Prüfstand gestellt werden.

In der Studie „Treiber für den Ausbau hochbitratiger Infrastrukturen“ des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) werden für 2025 wesentlich höhere Bitraten für den privaten Internetzugang in Deutschland vorausgesagt. Im Jahr 2025 würden über 75 % der Haushalte Bandbreiten von mindestens 500 Mbit/s im Down- und 300 Mbit/s im Upload nachfragen, die jedoch über aufgerüstete Kupfernetze nicht bedient werden könnten, erklärt Thomas Plückebaum, Abteilungsleiter beim WIK.

G.fast (fast access to subscriber terminals) wurde bereits im Dezember 2014 standardisiert. In Deutschland werden die M-net Telekommunikations GmbH, Netcologne und die Deutsche Telekom die Technik anbieten. Netcologne plant, mehr als 260 000 Haushalte in Köln zu versorgen, hinzu kommt Aachen. Horst Schmitz, Bereichsleiter Technik, kündigte vor zwei Wochen auf der Branchenmesse Anga Com an: „Wir haben G.fast im Labor getestet und tatsächlich 1 Gbit/s über 70 m erreicht.“

Die DSL-Technologie G.fast läuft über eine vorhandene Zweidraht-Kupferleitung. Sie benutzt – ähnlich wie die aktuelle VDSL2-Technik – immer Vectoring, mit dessen Hilfe die Störsignale innerhalb eines Kabelbündels, die auf jeweils eine Leitung einwirken, durch komplexe Berechnungen kompensiert werden. Die hohen Datenraten bis zu 2 Gbit/s werden erreicht, da die Technik für die Übertragung weitaus höhere Frequenzen – bis zu 212 MHz – einsetzt. Zum Vergleich: Für analoges Telefonieren werden bis 3400 Hz benutzt, für ISDN bis zu 120 kHz und für VDSL2 bis zu 35 MHz. Eine Besonderheit der Technik ist auch, dass man Datenraten in Upstream und Downstream frei skalieren kann.

Foto: VDI nachrichten

Netcologne zeigte auf der Messe Anga Com in einer Livevorführung, dass G.fast praktisch Datenraten von 1,8 Gbit/s liefern kann. Möglich macht dies der chinesische Ausrüster ZTE, der sowohl DSLAM (DSL-Zugangsmultiplexer) als auch Netzabschluss liefert. „Mit den aktuellen Messungen haben wir einen neuen Rekord erreicht“, freut sich Netcologne-Geschäftsführer Timo von Lepel. Das Dienstangebot mit konkreten Datenraten und Tarifen werde vor der Inbetriebnahme im vierten Quartal 2017 bekannt gegeben.

Der Münchner Anbieter M-net nutzte die diesjährige Anga Com, um G.fast offiziell vorzustellen. Schon seit April betreibt M-net das erste G.fast-Netz in Deutschland gemeinsam mit Huawei und AVM. Die Chinesen liefern die Netztechnik, die Berliner stellen mit der Fritzbox 7582 den Netzabschluss bereit. Die angebotenen Datenraten reichen bis zu 300 Mbit/s im Download und 50 Mbit/s im Upload, wobei die Kosten identisch mit den Glasfaseranschlüssen bis in die Wohnung sind.

„M-net stattet jedes Gebäude, das im Zuge des Münchner Glasfaserausbaus neu per ‚Fibre-to-the-Building‘ erschlossen wird, mit G.fast-Technologie aus“, erklärt Dorit Bode, Sprecherin der Geschäftsführung von M-net. Die Kunden könnten noch in diesem Jahr mit neuen, spannenden Angeboten im Haus rechnen.

Die mit G.fast erzielbaren Datenraten sind beeindruckend, stellen aber noch lange nicht das Ende des Potenzials von Zweidraht-Kupferleitungen dar. Mit G.mgfast (mg steht für Multi-Gigabit, früher XG-Fast) befindet sich eine weitere DSL-Variante in der Standardisierung, die Datenraten von mehr als 10 Gbit/s verspricht. Dies wird u. a. durch die Erweiterung des Frequenzbereichs auf 500 MHz und die Parallelschaltung von zwei Adernpaaren erreicht. Im Februar 2016 hat die Deutsche Telekom XG-Fast im Labor getestet.

Telekom-Technikchef Bruno Jacobfeuerborn freut sich: „Bei dem XG-Fast-Testlauf in unserer Kabelversuchsanlage in Darmstadt wurde in der Spitze eine Downloadgeschwindigkeit von mehr als 11 Gbit/s auf zwei 50 m langen, gebündelten Paaren eines hochwertigen Kabels erreicht.“ Darüber hinaus unterstütze XG-Fast auch symmetrische Dienste mit 1 Gbit/s über Entfernungen von bis zu 70 m auf nur einer Doppelader eines Kabels mit Standardqualität, erklärt er. Aufgrund der geringen Entfernungen, die G.mgfast mit so hohen Datenraten überbrücken kann, wird der Einsatzbereich dieser Technologie auf den innerhäuslichen Bereich beschränkt. 

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