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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

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Parkettnotizen

Der zahnlose Tiger

Von Stefan Wolff | 1. Juni 2017 | Ausgabe 22

In den 1970er-Jahren konnte die Opec für Angst und Schrecken sorgen. Damals verknappte das Kartell sein Ölangebot.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Die Preise schossen ins Kraut, Öl wurde knapp, und die Deutschen gingen am autofreien Sonntag auf der Autobahn spazieren. Dieser Tage bekamen alle Spekulanten eine Lektion erteilt, die der Opec eine ähnliche Machtfülle wie damals unterstellten.

Das Kartell hatte sich getroffen und eine weitere Kürzung der Fördermenge vereinbart. Das war allgemein so erwartet worden. Der Sprung beim Ölpreis, auf den viele ebenso spekuliert hatten, blieb jedoch aus. Zum einen fiel die Kürzung kleiner als erwartet aus, zum anderen war der Schritt keine Überraschung mehr. Außerdem ist auch die zum Jahreswechsel erfolgte Förderkürzung verpufft. Die Preise sind nach einem Zwischenhoch wieder unter Druck geraten.

Die Opec-Mitglieder Nigeria und Libyen sind aus politischen Gründen von den Maßnahmen der Opec befreit. Mit den USA ist zudem eines der größten Förderländer gar nicht Mitglied im Kartell. Aus amerikanischen Bohrlöchern sprudelt reichlich Öl. Neue Fördertechniken haben die Ölschieferförderung und auch das Fracking günstiger gemacht. Jedes Mal, wenn die Ölpreise ein gewisses Level übersteigen, zieht die Förderung kräftig an. Das Überangebot drückt den Preis dann wieder. Dieser Kreislauf hält den Preis in Schach, was Verbraucher und Industrie tendenziell erfreut und die Opec zu einem zahnlosen Tiger macht.

Der niedrige Ölpreis schmerzt viele Länder. Die fehlenden Einnahmen reißen tiefe Löcher in die öffentlichen Kassen. Saudi-Arabien ist momentan ganz besonders an höheren Preisen interessiert. Der Staat will seinen Ölförderkonzern an die Börse bringen. Zumindest zum Teil. 5 % der Unternehmensanteile reichen aus, um den größten Börsengang in der Geschichte zu stemmen. Aramco soll 2000 Mrd. $ wert sein. Das Börsendebüt würde damit 100 Mrd. $ in die Kassen spülen. Der Börsengang des chinesischen Handelskonzern Alibaba brachte seinen Besitzern vor drei Jahren 25 Mrd. $ ein.

Die Rechnung kann aber für Saudi-Arabien nur aufgehen, wenn der Preis stimmt. Sollte Öl weiter so unter Druck stehen, könnte das mögliche Investoren und Anleger abschrecken. Dass ausgerechnet fallende Ölpreise die Energiewende verhindern könnten, ist dabei ein interessanter Randaspekt. Saudi-Arabien plant (wie die meisten Staaten in der Region) für die Zeit nach dem Öl. Der Börsengang soll Mittel für nötige Infrastrukturmaßnahmen freisetzen. Sollte also Aramco nicht durchstarten können oder zu wenig einbringen, wäre der Umbau in Richtung alternativer Energieerzeugung in Gefahr.  

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