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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Parkettnotizen

Die Mutter aller Spekulationsblasen

Von Stefan Wolff | 7. Dezember 2017 | Ausgabe 49

Auf dem Höhepunkt der Tulpenspekulation tauschte ein Brauereibesitzer aus Utrecht seine Brauerei gegen drei als besonders wertvoll geltende Tulpenzwiebeln ein. Seinen Wetteinsatz hat er nicht wiedergesehen: Die Spekulationsblase platzte.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Wer nun glaubt, die Menschen hätten seit dem 17. Jahrhundert dazugelernt, muss bloß auf den Bitcoin schauen, um sich eines Besseren belehren zu lassen.

Die Cyberwährung springt von Rekord zu Rekord. Fernsehwerbung soll nun auch Privatanleger für das Spekulationsobjekt begeistern. Und als wäre nicht schon genug Druck auf dem Kessel, führt die Chicagoer Terminbörse CME Terminkontrakte auf den Bitcoin an. Damit kann auf Kursgewinne und -verluste gewettet werden, ohne den Bitcoin anfassen zu müssen. Noch heftigere Kursschwankungen sind damit noch ein Stück wahrscheinlicher.

Ein Blick auf den steilen Aufstieg des Kryptogeldes reicht aus, um zu wissen, dass sich hier die Mutter aller Spekulationsblasen aufbläht. Viele Menschen werden sich an dem Hype bereichern können, bis dann den letzten die Hunde beißen. Das war schon immer so.

Zu Zeiten des Neuen Marktes wunderte sich kaum einer darüber, wie es sein kann, dass eine vergleichsweise kleine Filmrechtebutze wie EM-TV an der Börse genauso hoch bewertet wurde, wie der gesamte Disney-Konzern. Den Knall, der dieses und andere Kartenhäuser zum Einsturz brachte, haben viele Anleger noch deutlich im Ohr.

All die Börsenhypes und geplatzten Anlegerträume haben etwas Gutes. Ohne die Internetblase hätten wir vermutlich heute kein internetfähiges Fernsehen oder Onlineshopping. Die Ideen wurden damals geboren und konnten durch jetzt erhältliche Hochgeschwindigkeitsverbindungen verwirklicht werden. Ohne Eisenbahnhype im 19. Jahrhundert hätte es nicht den Investitionsschub in die Infrastruktur gegeben.

Auch Internetwährungen werden in Zukunft eine bedeutsame Rolle einnehmen. Die Vorteile liegen einfach auf der Hand. Bei Geldtransfers zwischen zwei Parteien muss niemand (auch keine Bank) zwischengeschaltet werden. Überweisungen können so minutenschnell erfolgen. Ein (je nach Perspektive) positiver und negativer Aspekt ist, dass sich der Zahlungsverkehr staatlicher Kontrolle entzieht. Die Transfers sind zwar für die Nutzer transparent, von außen aber anonym, weil durch Zahlencodes ausgewiesen.

Je mehr die Währungen genutzt werden, desto größer wird die Akzeptanz sein. Schon jetzt gibt es Automatismen. Die Konvertibilität in große Währungen ist weitgehend gewährleistet. Erste Onlineshops akzeptieren den Bitcoin und andere Cyberdevisen. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass ein bedeutsamer Teil des internationalen Zahlungsverkehrs irgendwann einmal mit Cyberwährungen abgewickelt werden wird.

Das ist fast so sicher wie die Vorfreude auf schöne, bunte Tulpen im Frühjahr. Nur die Preise von damals wird keiner mehr zahlen wollen.

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