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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Informationstechnik

Die Public Cloud wird hoffähig

Von Ariane Rüdiger | 2. März 2017 | Ausgabe 09

Trotz Zweifeln an Sicherheit und Stabilität nutzen immer mehr Unternehmen Cloud-Technologien. Einige Anbieter werben mit entsprechenden Garantien.

Public Cloud BU
Foto: J. D. Billerbeck

Dienste aus der Cloud: In Westeuropa wurden laut IDC in der Public Cloud im letzten Jahr 20 Mrd. $ umgesetzt.

Cloud setzt sich durch. Nur noch 13 % der Unternehmen haben nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens IDC noch keine Cloud-Strategie. Sicherheit ist nach wie vor der wichtigste Knackpunkt: 47 % der Befragten sehen das Thema als Tophürde gegen den Einsatz der Technologie. Auf den Plätzen zwei und drei rangieren Stabilität und Verfügbarkeit sowie Compliance.

Matthias Zacher, der die aktuelle IDC-Studie zu Cloud-Computing in Deutschland präsentierte, kommentierte dieses Resultat optimistisch: „Die Unternehmen sehen die wichtigsten Hindernisse jetzt nicht mehr innerhalb ihrer Firmen, sondern extern.“ Mit anderen Worten: Es liegt an den Cloud-Anbietern, Bedenken entgegenzutreten.

Microsoft ist ein gutes Beispiel dafür: Im Januar kündigte der Provider, der bisher nur eine in Deutschland betriebene Version seiner Cloud-Umgebung Azure speziell für sicherheitsbewusste deutsche Kunden im Angebot hatte, seine Produkte Office 365 Deutschland und Power BI (Business Intelligence) Deutschland an.

Bei beiden Dienste garantiert Microsoft, dass die Daten, die vom Datentreuhänder T-Systems in dessen Rechenzentren in Biere bei Magdeburg und Berlin gelagert werden, die Landesgrenzen nicht überschreiten. Nach und nach sollen die meisten Microsoft-Softwarepakete in einer Cloud-Version für Deutschland folgen.

Dieses Mehr an Sicherheit lässt sich Microsoft gut bezahlen: Rund ein Drittel mehr kosten die Softwaredienste mit Standortgarantie für die Daten, verglichen mit ihren internationalen Pendants. „Wir mussten eigens eine Infrastruktur und einen speziellen Support dafür aufbauen, zudem haben unsere Untersuchungen ergeben, dass der Markt das hergibt“, rechtfertigte Alain Genevaux, verantwortlich für das Office-Geschäft in Deutschland, die Preisgestaltung vor der Presse.

Tatsächlich scheint das Angebot einen Nerv zu treffen, der Saal der Berliner Microsoft-Dependance jedenfalls war anlässlich der öffentlichen Vorstellung des neuen Diensteangebots bis auf den letzten Platz gefüllt. Sogar Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder war gekommen, um die Anwesenden einzuschwören: Ohne Cloud-Services und an die Cloud-angepasste Technologien wie die agile App-Entwicklung sei die digitale Transformation schlicht nicht zu bewältigen. Wer sich davor drücke, sich damit zu beschäftigen, werde im Wettbewerb dank fehlender neuer Geschäftsmodelle schlicht das Nachsehen haben, ermahnte Rohleder vom Podium herab die versammelte potenzielle Kundschaft.

Den Erfolg des Cloud-Modells bestätigen auch aktuelle Marktzahlen. So assistierte IDC dem westeuropäischen Cloud-Markt in den vergangenen zwölf Monaten ein Wachstum von 27 %. Er umfasst inzwischen mehr als 37 Mrd. $ Volumen, von dem knapp 20 Mrd. $ auf die Public Cloud und hiervon wiederum nur 2,6 Mrd. $ auf Hardware entfallen – für den Rest sorgen die Services.

Sie sind – professionell gehandhabt und von der zentralen IT bestellt sowie kontrolliert – ein Gegenmittel gegen Dienste, die unkontrolliert bestellt werden. Diese sogenannte Schatten-IT entsteht, wenn die eigene IT-Abteilung nichts Passendes für die Fachabteilungen im Programm hat. Ein typisches Beispiel ist der unkomplizierte Austausch größerer Dateien mit räumlich weit entfernten Mitarbeitern.

In einer aktuellen weltweiten Umfrage von VMware befürchteten knapp zwei Drittel der deutschen Befragten, die zentrale IT werde ihre strategische Führungsposition verlieren, weil Fachabteilungen eigenständig aktiv werden. Diese Führungsrolle wollen aber 72 % der befragten IT-Verantwortlichen gerne behalten. Annette Maier, VMware-Deutschland-Chefin: „Die Schatten-IT von heute ist die Mainstream-IT von morgen.“

Das ist auch kein Wunder, glaubt man den Zahlen von VMware. Danach bringen die an der Zentral-IT vorbei erworbenen Services geschäftliche Vorteile – jeweils über 60 % der Befragten meinten, sie ermöglichten schneller neue Produkte und Dienste, böten mehr Freiraum für Innovationen und erleichterten die Reaktion auf veränderliche Märkte.

Gleichzeitig moniert jeweils mindestens die Hälfte der Befragten, dass immer mehr sicherheitsrelevante Applikationen so eingekauft werden, Zuständigkeiten unklar sind und die Kosten für IT-Services sich verdoppeln. Nämlich dann, wenn sie einmal von der Zentral-IT und zusätzlich von Fachabteilungen, insgesamt also doppelt oder mehrfach, beschafft werden, weil man nicht miteinander redet.

VMwares aktuelle Produkte verbreitern deshalb den Spielraum der Zentral-IT auf diesem Gebiet. Verbesserungen der Netzwerkvirtualisierungssoftware NSX und von Horizon, einer Fernzugriffslösung für die Bereitstellung virtueller Desktops aus der Cloud, erleichtern jetzt die Einbindung externer Clouds in eine NSX-Umgebung und steigern so die Flexibilität der IT.

Eine Welt, in der IT-Leiter munter von einem zum anderen Cloud-Service switchen und sich dabei in erster Linie von Preiserwägungen leiten lassen, scheint freilich noch in weiter Ferne zu liegen. Stefan Maier vom Cloud-Provider OVH: „Die Diskussion über Preise steht bei Verhandlungen mit Kunden nur anfangs im Mittelpunkt. Ziemlich schnell geht es darum, ob die interne und die Cloud-Infrastruktur gut zusammenpassen, und um andere technische Fragen.“jdb

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