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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Parkettnotizen

Die US-Notenbank dreht an der Schraube

Von Christoph Böckmann | 22. Juni 2017 | Ausgabe 25

Die Zeiten ultraniedriger Zinsen sind – zumindest in den USA – vorbei. Zum vierten Mal hat die US-Notenbank (Federal Reserve/Fed) nunmehr die Leitzinsen angehoben, seit sie vor eineinhalb Jahren die Zinswende eingeläutet hat. Die Federal Fund Rate liegt nunmehr in einer Spanne zwischen 1,0 % und 1,25 %.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Der Schritt war so weit erwartet worden, doch ein bisschen Unsicherheit schwang schon mit. Schließlich hat US-Präsident Trump vor zu schnellen Zinsschritten gewarnt, da diese die Konjunktur abwürgen könnten. Trump hatte übrigens während seines Wahlkampfes noch die Niedrigzinspolitik der Fed kritisiert. Beide Standpunkte (so weit sie auch auseinanderliegen) lassen die Chancen von Fed-Chefin Janet Yellen auf eine weitere Amtszeit schwinden. Das Weiße Haus muss in diesem Jahr entscheiden, ob Yellen die Notenbank verlassen wird oder nicht.

Derweil hält die Fed-Chefin trotzig am eingeschlagenen Kurs fest. Es wird wohl in diesem Jahr noch einen weiteren Zinsschritt geben. Warum auch nicht? Die Wirtschaft in den USA läuft recht rund. Die Beschäftigungslage hat sich deutlich entspannt. An einigen Stellen ist schon von Vollbeschäftigung die Rede. Den meisten Unternehmen dürften die leicht gestiegenen Zinsen nicht weiter zu schaffen machen.

Wohl aber der US-Regierung. Denn höhere Leitzinsen machen natürlich auch die Finanzierung der Staatsschulden teurer. Ein Prozentpunkt bedeutet, dass der US-Finanzminister 650 Mrd. $ mehr aufbringen muss. Pro Jahr. Die Schulden werden somit schwerer zu schultern.

Die Zinswende in den USA bleibt auch sonst nicht folgenlos. Der Dollar gerät damit an den Devisenmärkten in die Favoritenrolle. Geld wird aus anderen Märkten, wie z. B. den Schwellenländern, abgepumpt. Der potenziell schwächere Euro stärkt die Exportwirtschaft der EU. Auch dieser Effekt dürfte Trump ein Dorn im Auge sein. Vor allem der deutsche Außenhandelsüberschuss ist häufig kritisiert worden.

Grundsätzlich könnte auch der Euroraum höhere Zinsen vertragen. Zumindest in den starken Regionen wären sie kein Problem. Doch der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, sieht den Finanzsektor nicht als stabil genug an. Viele Banken in Südeuropa würden bei steigenden Zinsen ins Wanken geraten.

Die Schere zwischen den USA und Europa dürfte so weiter auseinandergehen. Das hat es nicht so oft gegeben, ist aber kein Beinbruch. Die Finanzmärkte in Europa profitieren gerade von einer gewissen Trump-Müdigkeit in den USA. Fondsmanager und Analysten entdecken gerade die alte Welt für sich, weil die großen Versprechen von Steuerreform bis zu Konjunkturprogrammen bislang nicht eingelöst wurden. Der aufkeimende Protektionismus wird dagegen als eher schädlich für die USA gesehen.  

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