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Dienstag, 12. Dezember 2017

Parkettnotizen

Die nicht enden wollende Geschichte vom kippenden Ölpreis

Von Stefan Wolff | 30. März 2017 | Ausgabe 13

Sind niedrige Ölpreise gut oder schlecht? Diese Glaubensfrage hat vor allem im vergangenen Jahr die Börse geprägt. Galt der fallende Preis anfangs als wahrer Segen und willkommenes Konjunkturprogramm, so entfaltete Öl später im Angesicht drohender Pleiten von Ölförderfirmen und Zulieferern seine bedrohliche Wirkung.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Auch diverse Staaten gerieten in Schieflage, weshalb das Ölkartell Opec darum gerungen hatte, die Förderquote zu drosseln. Es war ein Kraftakt gewesen, doch dann hatte man sich endlich geeinigt. Es war damals sogar gelungen, Russland mit ins Boot zu holen. So groß ist der Leidensdruck gewesen. Seit Januar fließt weniger Öl aus vielen Quellen dieser Welt.

Anfänglich hatten die Ölpreise sogar kräftig angezogen und sich zügig von ihren Tiefständen entfernt. Doch der Aufschwung ist ins Stocken geraten. Öl der US-Sorte WTI ist auf unter 50 $ je Barrel gefallen. Der Fasspreis der Nordseesorte Brent liegt leicht darüber. Der Preisrutsch hat sich sogar noch beschleunigt, weil die US-Lager prall gefüllt sind. Der Bedarf an Rohöl und den sogenannten „Derivaten“ (Benzin, Diesel) ist also nicht so hoch wie veranschlagt.

Es geht aber nicht nur um möglicherweise geringere Nachfrage, die ein Ausweis einer schwächeren Wirtschaft wäre. Die Opec hat ein ganz anderes Problem. Einer der größten Förderer ist nicht Mitglied im Kartell. Die USA halten sich denn auch nicht an die Begrenzungen. Ganz im Gegenteil, es lohnt sich für US-Fracking-Unternehmen bei Preisen um 50 $ wieder, die Arbeit aufzunehmen.

Jedes Mal also, wenn der Ölpreis steigt, steigt automatisch auch die Fördermenge, weil die USA die Pumpen aufdrehen. Das bremst den Preisauftrieb und geschieht auf einem Preisniveau, das nicht einmal ansatzweise die Produktionskosten in Förderländern wie Venezuela oder Russland deckt. Für die angeschlagenen Förderländer ist das ein Dilemma. Es steht aus ihrer Perspektive zu befürchten, dass sie mit ihren Maßnahmen keine Wirkung erzielen, selbst wenn das ansonsten heillos zerstrittene Kartell unerwartete Einigkeit demonstriert hat.

Für die Wirtschaft vor allem im Euroraum ist es aber eine gute Nachricht. Unternehmen können sich immer noch verhältnismäßig günstig mit dem schwarzen Gold eindecken. Der Preisauftrieb des US-Dollars wird durch sinkende Rohölpreise abgefedert. Das hält die Produktionskosten auf einem erträglichen Niveau. Auch die Verbraucher profitieren davon. Sie werden an den Zapfsäulen nicht zu stark zur Ader gelassen. Da bleibt mehr Geld für andere Ausgaben übrig. Der Konsum hat also weiter Luft nach oben.

Die Aktienmärkte reagieren dennoch angespannt auf den wieder gefallenen Ölpreis. Steigende Notierungen gelten immer noch als Ausweis einer robusten Weltwirtschaft, auch wenn die Lage in den vergangenen Jahren sehr viel komplexer geworden ist.    

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