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Dienstag, 12. Dezember 2017

Parkettnotizen

Die kleine Zinswende

Von Christoph Böckmann | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Es ist das wohl erstaunlichste Comeback, das Finanzkrise und Niedrigzinsphase hervorbringen konnten. Die Lebensversicherung feiert fröhliche Urständ.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Das berichtete vor Kurzem die Allianz Deutschland AG bei Vorlage der Jahresbilanz. Die Makler des Versicherers haben fast 30 % mehr Verträge abgeschlossen als im Jahr 2015. Über die Bankschalter seien fast 17 % mehr Lebensversicherungen gegangen, hieß es.

Gleichzeitig rechnet die Allianz vor, dass jeder Dritte Euro, der heute in Deutschland in die Altersvorsorge investierte werde, in die Konzernkassen fließe. Diesen Umstand bezeichnet nicht nur die Allianz als „spektakulär“. Er ist es auch. Die Lebensversicherung galt als totes Anlagevehikel. Wer wollte schon sein Geld für den zuletzt auf 0,9 % abgesenkten Garantiezins für 20 oder 30 Jahre festlegen?

Die Versicherer machen aus der Schwäche eine Stärke, indem sie ganz auf Zinsgarantien verzichten. Sparer bekommen lediglich den Erhalt der eingezahlten Summe garantiert. Darüber hinaus können sie je nach Risikobereitschaft wählen, in welche Anlageklasse ihr Produkt vornehmlich investieren soll. Dadurch soll die mögliche Höhe des Gewinns bestimmt werden.

Die Bereitschaft der Versicherten auf ein festes Zinsversprechen zu verzichten, spiegelt deutlich die berechtigten Erwartungen, dass es nicht ewig bei Mini- und Minuszinsen bleiben wird. In den USA sind die Leitzinsen bereits gestiegen. Damit klafft die Zinsschere zwischen den USA und dem Euroraum weiter auseinander. Die EZB ist zwar bereit zu handeln, wenn sie dies als notwendig erachtet, doch auf absehbare Zeit wird erst einmal nichts geschehen.

Trotzdem kommt Bewegung in die Zinslandschaft. Bundesanleihen verabschieden sich langsam aber sicher aus dem Minuszinssumpf. Zu sehen ist dies bei deutschen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit. Da sind die Renditen in den vergangenen sechs Monaten gestiegen. Hier zahlt der Staat wieder 0,44 % Zinsen.

Ein auskömmlicher Zins ist das natürlich noch lange nicht. Und wer sein Geld nicht zehn Jahre festlegen will, sondern nur zwei oder fünf oder auch acht Jahre, der zahlt als Anleger weiter drauf. Dennoch liefert die Entwicklung einen Hoffnungsschimmer. Zinsanlage kann sich auf absehbare Zeit wieder lohnen. Diese Hoffnung trägt aber nur, wenn die Inflationsrate mitspielt. Unterm Strich gilt eben nur, was am Ende steht. Solange die Teuerung den Guthabenzins überflügelt, herrscht Ebbe in der Kasse. Erspartes verliert Substanz.

Und so bleibt es dabei: Wer Erträge will, darf das Risiko nicht scheuen, sonst wird es teuer. Wie teuer es schon wurde, hat die DZ Bank in einer Studie errechnet. In den Jahren zwischen 2010 und 2016 sind demzufolge den Deutschen 343 Mrd. € an Zinseinnahmen entgangen. Auf der anderen Seite haben sie natürlich gespart. Wer Kredite abgezahlt hat, musste im gleichen Zeitraum 144 Mrd. € weniger an Zinsen leisten. Unterm Strich bleibt aber ein „Schaden“, was nicht wirklich eine Überraschung ist. 

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