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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Detroit Motor Show

Dieselmotor und zehn Gänge

Von Johannes Winterhagen | 12. Januar 2017 | Ausgabe 01

Pick-ups und schwere Geländefahrzeuge erreichen in den USA immer größere Marktanteile. Das bringt die Hersteller in Zugzwang, weil sie strengere Verbrauchsstandards erfüllen müssen.

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Foto: J. Winterhagen

Attacke auf den Range Rover. Mit dem Q8 und dem sportlicheren SQ8 möchte Audi im erlauchten Kreis der Luxus-SUVs wildern. 2018 soll er auf den Markt kommen.

Ein Lieferwagen mit offener Ladefläche ist seit 35 Jahren das bestverkaufte Auto in den Vereinigten Staaten: der Ford F150. Zur Automesse in Detroit steht eine neue Generation des Bestsellers im Rampenlicht, deren Produktion im Herbst 2017 beginnen soll.

Sie demonstriert den Spagat, den Autohersteller bewältigen müssen, um in den USA erfolgreich zu sein: Einerseits ordern US-Kunden am liebsten Pick-ups oder SUVs (Sport Utility Vehicle) – mit steigender Tendenz. 2016 überschritt der Marktanteil der ausschließlich für den Privatgebrauch gedachten leichten Nutzfahrzeuge erstmals die 60 %-Marke. Andererseits gelten bis auf weiteres von der Obama-Regierung verschärfte Vorschriften, die eine stufenweise Absenkung des Kraftstoffverbrauchs vorsehen.

Ford stattet den F150 deshalb erstmals in der Geschichte des Modells mit einem Dieselmotor aus. Das Aggregat mit drei Liter Hubraum wird mit einem neuen Zehn- gangautomatikgetriebe kombiniert, das Ford gemeinsam mit dem Wettbewerber General Motors entwickelt hat. Die Karosserie besteht auch künftig aus Aluminium, eine Leichtbaumaßnahme, die Ford vor drei Jahren eingeführt hat.

Auch andere Hersteller versuchen mit großen Fahrzeugen zu punkten. So präsentiert Audi mit dem Q8 eine Studie, die zwar die Größe eines SUV hat, durch ein fließendes Heck jedoch die Form eines Coupés übernimmt. Schon 2018 soll das Modell in Serie produziert werden.

Generell gelten Hybridantriebe vielen Herstellern als einziger Ausweg, um den Verbrauch signifikant zu senken und trotzdem marktfähige Autos anzubieten. Davon profitieren deutsche Zulieferer wie Schaeffler. Das Unternehmen entwickelt derzeit für einen US-Kunden ein Hybridmodul, das anstelle einer Kupplung zwischen elektrischer Maschine und Automatikgetriebe einen kompakten hydrodynamischen Wandler einsetzt. Da der Wandler eine Drehmomentüberhöhung bietet, könnte das System den US-Kunden sogar als Anfahrhilfe – etwa für den Anhängerbetrieb – verkauft werden.

Rein elektrische Fahrzeuge sind auf der Messe nur wenige zu sehen. Selbst Chevrolet stellt das Modell „Bolt EV“, das den Preis „Nordamerikanisches Auto des Jahres“ erhielt, ganz hinten auf dem Stand aus und rückt den F150-Konkurrenten Silverado nach vorne.

Volkswagen orientiert sich an den US-Wettbewerbern: Im Zentrum des Auftritts steht der Atlas, ein für den US-Markt entwickeltes SUV. Künftig sollen jeweils zwei US-spezifische Modelle pro Jahr an den Start gehen, darunter allein vier Pick-ups. Markenchef Herbert Diess: „Innerhalb der kommenden zehn Jahre werden wir in den USA zu einem Volumenanbieter. Wir sind hier, um zu bleiben.“

Mit der Studie „I.D. Buzz“ zeigt der deutsche Hersteller, wie eine elektrische Zukunft für den in den USA einst sehr beliebten VW-Bus aussehen kann. Das futuristisch gestaltete Fahrzeug gleicht einem rollenden Wohnzimmer. Technisch basiert es auf dem derzeit entwickelten „Modularen Elektrobaukasten“ (MEB). Unter der Fahrgastzelle befindet sich ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 110 kWh, der für eine Reichweite von 600 km sorgen soll.

Foto: J. Winterhagen

Skurril: In den USA ist es ein Marketing- und ein verkaufsförderndes Instrument, wenn ein Fahrzeug nicht den strengen US-Emissions- und Verbrauchsrichtlinien unterliegt.

Einen Schritt weiter in die Zukunft gerichtet ist die Studie „Oasis“ der Schweizer Ideenschmiede Rinspeed. Es handelt sich um ein kleines Stadtfahrzeug, das konsequent auf Carsharing-Systeme ausgerichtet ist. Elektroantrieb und Fahrwerk des Oasis bilden eine Einheit – Zulieferer ZF spricht von einem „Rolling Chassis“. Die Hinterachse umfasst zwei radnah angeordnete Elektromotoren, die jeweils über eine Nennleistung von 40 kW verfügen. Die Lenkung an der nicht angetriebenen Vorderachse erlaubt Radeinschlagwinkel von bis zu 75 Grad und somit einen sehr kleinen Wendekreis.

Mit dem I.D. Buzz teilt der Oasis die Idee, dass das Auto der Zukunft nicht mehr von einem Fahrer gelenkt wird, sondern autonom zum Ziel findet. In den Vereinigten Staaten wird das hochautomatisierte Fahren im urbanen Umfeld nicht mehr als Vision betrachtet. Der Bürgermeister von Atlanta, Kasim Reed, berichtete, dass die Investitionen in neue Parkhäuser im Vorgriff auf autonomes Fahren halbiert worden seien: „Künftige Autos werden die Insassen zu ihrem Arbeitsplatz fahren und dann die Innenstadt wieder verlassen. Das ist eine Frage von fünf bis zehn Jahren.“

Wie schnell sich Automatisierung und Elektrifizierung durchsetzen, wird in Detroit vor allem unter einem Aspekt diskutiert: Was ändert sich durch die Präsidentschaft von Donald Trump? Zu den wenigen, die sich offen äußern, gehört Richard Wallace, Direktor des Center for Automotive Research. Er glaubt nicht, dass die existierenden Vorschriften der nationalen Verkehrssicherheitsbehörde NHSTA aufgeweicht werden. „Aber es könnte durchaus sein, dass es schwieriger wird, neue Standards verbindlich vorzuschreiben“, so Wallace.

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