Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

Automobil

Eifeler Visionen

Von Heike Freimann | 11. Mai 2017 | Ausgabe 19

Fahrzeughersteller Tesla steigt mit der Übernahme des Mittelständlers Grohmann aus Prüm in die hochautomatisierte Massenfertigung ein.

Tesla-BU
Foto: Tesla

Automation ist im Tesla-Werk in Freemond ein Muss. Bei künftigen Produktionskonzepten setzt der Elektroautohersteller auf Automatisierungstechnik aus der Eifel.

Es wirkt wie der Stoff für großes Kino: Seit Anfang 2017 sind der schillernde Star der E-Fahrzeugbranche Tesla und der Hidden Champion der Automatisierungstechnik Grohmann aus der spröden Westeifel ein Paar. Grohmann entwickelte und produzierte im kleinen Eifelstädtchen Prüm mit rund 700 Mitarbeitern zuletzt Produktionsanlagen für die Halbleiter- und Elektronikindustrie, für die Bio- und Medizintechnik und nicht zuletzt für die großen der deutschen Automobilindustrie wie Daimler und BMW.

Und das mit bemerkenswerter Diskretion, auf die jetzt auch Tesla Grohmann Automation setzt. Woran hinter unscheinbaren Fassaden genau gearbeitet wird, möchte das Unternehmen auf Anfrage nicht erläutern. Einblick ins Grohmann-Portfolio gibt die Deutsche Beteiligungs AG, die vor der Übernahme durch Tesla rund 25 % der Anteile an der Automatisierungsschmiede hielt. Danach setzten die Eifeler als Zulieferer der Automobilindustrie früh auf den Wachstumsmarkt Elektromobilität und gehörten 2015 zu den „Technologieführern für Produktionsanlagen zur industriellen Fertigung von Batteriezellen“. Außerdem sei man in Prüm auf die Prozessoptimierung bei der „hochproduktiven Massenherstellung technisch anspruchsvoller Güter“ spezialisiert.

Beides kann Tesla gerade mehr als gut gebrauchen. Ab Mitte 2017 soll mit dem neuen Modell 3 ein Volumenprodukt produziert werden. Dafür muss CEO Elon Musk seine Fertigung im kalifornischen Freemont dringend hochschrauben. Von seinen Luxusfahrzeugen der S-, X- und Roadster-Serie hat Tesla nach eigenen Angaben 2016 rund 84 000 Fahrzeuge ausgeliefert und die Produktion gegenüber 2015 um 64 % gesteigert. Für Modell 3 sollen schon 400 000 Vorbestellungen vorliegen. Das ehrgeizige Produktionsziel der Amerikaner: 2018 soll der Output auf 500 000 Fahrzeuge steigen.

Auch in der Batteriefertigung hat man sich Großes vorgenommen. In der 2016 eröffneten Gigafactory in Sparks, Nevada, soll eine hochautomatisierte Massenproduktion die Kosten für die Lithium-Ionen-Speicher der Tesla-Modelle um rund 30 % senken. Ab 2020 soll eine geplante jährliche Batteriekapazität von satten 35 GWh erreicht werden. Auch hier könnte das Know-how von Grohmann gefragt sein.

Da passte es gar nicht ins Konzept, dass die Tesla-Welt in Prüm im April erstmal kräftig aus dem Tritt geriet. Der Betriebsrat von Grohmann und die Gewerkschaft IG Metall fordern einen Tarifvertrag für die rund 700 Mitarbeiter und die Anpassung der Grohmann-Gehälter an den branchenüblichen Tariflohn. Es gehe um eine Erhöhung von rund 25 % bis 30 %. Ende April zeigte sich auch der neue Eigner „davon überzeugt, dass die bestehende Vergütung nicht angemessen ist“, so Tesla in einer Stellungnahme gegenüber den VDI nachrichten. Man habe mit einer monatlichen Erhöhung von 150 €, einer Einmalzahlung und der Zusage eines Aktienpaketes im Wert von 10 000 € nachgebessert. Außerdem hat Tesla betriebsbedingte Kündigungen der deutschen Mitarbeiter bis 2022 ausgeschlossen. Tarifverhandlungen möchte man nicht eingehen. „Wir sehen daher keine grundsätzliche Notwendigkeit einer formalen Einbeziehung Dritter“, erklärt das Unternehmen. Der Betriebsrat hat bilateralen Verhandlungen jetzt erst einmal zugestimmt.

Bei der IG Metall hat man die Verhandlungen aus der Ferne im Blick. „Wir müssen jetzt gucken, was für die Mitarbeiter dabei herauskommt“, sagt Christian Schmitz, erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft in Trier und ist überzeugt: „Wir haben schon viel erreicht.“

Aufregung gab es Ende April dennoch: Grohmann-Gründer Karl Grohmann verließ überraschend und mutmaßlich im Streit das Unternehmen. Seit Anfang Mai steht plötzlich der Vorwurf im Raum, Tesla habe laufende Aufträge für weitere Grohmann-Kunden wie die Automobilindustrie auf Eis gelegt. Es gebe in Prüm nicht genug Mitarbeiter für die anstehende Arbeit, hatte der Betriebsratsvorsitzende Uwe Herzig bereits im Januar dem SWR Fernsehen berichtet. Dabei soll es um rund 300 zusätzlich notwendige Arbeitsplätze gehen.

Den Vorwurf, dass Kundenbeziehungen einfach abgebrochen wurden, wies ein Tesla-Sprecher gegenüber den VDI nachrichten am Freitag letzter Woche energisch zurück. „Wir sind mit jedem Kunden seit Wochen im Gespräch und auf dem Weg, individuelle Lösungen zu finden.” 

Wenn sich Amerikaner und Deutsche dann auch im kleinen Eifelstädtchen weiter zusammenraufen, könnte sich die Verbindung von visionärer Elektromobilität und deutscher Ingenieurskunst vielleicht doch noch als Traumhochzeit erweisen. Denn es geht um weit mehr als nur Automobile: „In der Zukunft wird die Fertigungstechnologie eine größere Bedeutung haben, als die Produkte, die durch sie hergestellt werden“, erklärt Teslaciu

stellenangebote

mehr