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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Luftfahrt

Ein brasilianischer Überflieger

Von Peter Odrich | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Embraer liefert Kurzstreckenmaschinen an Fluglinien in aller Welt.

Embarer-Bu
Foto: Embraer

Modellvergleich: Die Flugzeugfamilie E-Jet ist für Kurzstrecken ausgelegt. Bis zu 124 Passagiere transportiert das Modell E195 (oben).

Brasilien ist nicht nur bekannt für seine Fußballkünstler und Samba-Gruppen. Mit Embraer kommt der nach Boeing und Airbus weltweit drittgrößte Hersteller von Verkehrsflugzeugen aus dem südamerikanischen Land. Unzählige Deutsche sind schon in Embraer-Jets geflogen – etwa bei Lufthansa oder British Airways.

Embraer ist eine Abkürzung des Firmennamens Empresa Brasileira de Aeronáutica S. A. Das Unternehmen wurde im Sommer 1969 mithilfe der Regierung gegründet, um im Lande erarbeitete wissenschaftlich-technische Erkenntnisse zu marktfähigen Produkten für die Luftfahrt zu machen.

Der erste Entwicklungsauftrag betraf das zweimotorige Turbopropflugzeug „Bandeirante“ für Fluggesellschaften sowie das brasilianische Militär. Diese Maschine konnte bis zu 21 Passagiere befördern und wurde 494-mal gebaut. Kurze Zeit später beauftragte die Regierung Embraer mit dem Bau des Düsen-Trainers EMB-326 Xavante in Lizenz des italienischen Herstellers Aermacchi.

Parallel wurden in den 1970er-Jahren sowohl Hochleistungssegelflugzeuge als auch Maschinen für den Agrareinsatz entwickelt. Auffällig ist, dass sich die meisten Entwicklungen, so auch das leichte Erdkampfflugzeug Tucano, relativ schnell als Erfolge erwiesen und sich gut in alle Welt exportieren ließen.

Als Hersteller von Verkehrsflugzeugen wurde Embraer mit kleineren Turbopropflugzeugen mit maximal 50 Sitzen zum wichtigen Anbieter. Heute sind zweistrahlige Flugzeuge der E-Jet-Baureihe des Unternehmens bei 30 Fluggesellschaften in aller Welt im Einsatz. Mehr als 1100 dieser Düsenmaschinen sind bisher verkauft worden. Neuestes Produkt ist die 195-E2 mit bis zu 146 Sitzen. Bereits vor der ersten Auslieferung liegen laut Hersteller rund 300 Aufträge vor. Embraer setzt in seinen Flugzeugen vor allem amerikanische Triebwerke ein.

Der Flugzeugbauer profitiert davon, dass Brasilien über gut ausgebildete Fachkräfte verfügt. So bekommt das Unternehmen von den Hochschulen ausreichend Entwicklungs- und Fertigungsingenieure. Gleichzeitig ist Embraer längst auch für ausländische Ingenieure interessant.

Durch eine hohe Disziplin in den Terminzusagen für die Abnehmer, eine leistungsstarke, schnelle Ersatzteilversorgung in aller Welt sowie durch vergleichsweise günstige Produktionskosten in Brasilien hat Embraer die meisten Konkurrenten weit hinter sich gelassen. Dafür investiert das Unternehmen seit neun Jahren jährlich deutlich mehr in Forschung und Entwicklung als in Sachanlagen.

Zum Erfolg trägt auch der Bereich der Geschäftsflugzeuge bei. Seit dem Jahr 2000 werden diese bei Embraer entwickelt und gebaut. 850 dieser Flugzeuge wurden nach Unternehmensangaben bisher verkauft. Unter Einschluss der Business-Maschinen wurden damit bisher mehr als 5000 Flugzeuge abgesetzt.

Auch im militärischen Flugzeugbau mischt das Unternehmen mit. Dafür liefert Embraer mit dem KC-390 einen zweimotorigen Transportjet, der auch als fliegender Tanker eingesetzt werden kann. Die KC-390 ist ein mittelschwerer Transporter, der maximal 29 t laden kann. Wie Anfang April auf der Latin America Aero & Defence, einer internationalen Ausstellung und Konferenz für Luft- und Raumfahrt und Verteidigungstechnologie in Rio de Janeiro, von Embraer zu hören war, geht das Interesse speziell europäischer Länder an der KC-390 weit über die Erwartungen des Herstellers hinaus. Daher wurde dieses Flugzeug im Juni auch auf der Luftfahrtmesse in Paris Le Bourget gezeigt.

Dass das technisch anspruchsvolle Flugzeug relativ schnell entwickelt werden konnte, hängt damit zusammen, dass die brasilianische Luftwaffe zunächst die Entwicklungskosten übernahm. Inzwischen gibt es aber mehrere Programmpartner sowohl aus Südamerika als auch aus Portugal und den Vereinigten Staaten, wo Boeing eng mit Embraer zusammenarbeitet. Die Zulieferer kommen aus aller Welt. Die Jetmotoren des Typs V2500 stammen z. B. von International Aero Engine (IAE), an der die MTU aus Deutschland beteiligt ist. Die Avionik kommt von Rockwell Collins und die Fly-by-wire-Technik von BAE Systems. Über die Entwicklungspartnerschaft hinaus fungiert Boeing als Vertriebspartner für den nordamerikanischen und den britischen Markt sowie für den Nahen Osten.

Mit einem Vorführungsflug rund um die Welt sollen nun Kunden für den KC-390 gewonnen werden. Die mit Abstand besten Verkaufsaussichten für das Modell sieht Embraer gegenwärtig in Portugal und Neuseeland.ciu

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