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Donnerstag, 12. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 41

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Parkettnotizen

Eine Branche in der Schattenwelt

Von Stefan Wolff | 18. Mai 2017 | Ausgabe 20

An Superlativen herrschte zu Hochzeiten der Solarbranche in Deutschland kein Mangel; und Frank Asbeck, Gründer und Chef von Solarworld, galt als der „Sonnenkönig“. Zumindest bezeichnete ihn die Presse als solchen.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Sie stieß nicht auf Gegenwehr. Jetzt hat Asbeck den Stecker gezogen, Solarworld, einst das größte Unternehmen seiner Art hierzulande, hat Insolvenz angemeldet.

Damit beginnt das große Zittern für 3000 Mitarbeiter und die dazugehörigen Familien. Wie viel und – falls überhaupt – welche Teile von Solarworld überleben werden, muss das Insolvenzverfahren ergeben. Grund zum Optimismus gibt es wohl wenig. Der Vorstand habe „keine positive Fortbestehensprognose mehr“, hieß es in der entsprechenden Mitteilung.

Die gesamte Branche hat die Nachricht von der Zahlungsunfähigkeit alarmiert, was kein großes Wunder ist. Schließlich ist der Niedergang von Solarworld exemplarisch. Sonnenenergie war ein Boommarkt. Vor allem die üppigen Fördergelder des Bundes überzeugten viele Verbraucher zu Kauf von Solarzellen. Doch Subventionen entstammen keinem Füllhorn. Auch die Gelder für alternative Stromerzeugung wurden zurückgefahren.

Mächtige Konkurrenz wuchs gleichzeitig in China heran. Diese konnte ohnehin wegen des niedrigeren Lohngefüges günstiger produzieren. Zusätzlich wurde die Branche vom chinesischen Staat gepampert. Dabei gab es einen entscheidenden Unterschied zur deutschen Förderpolitik. Während der Bund den Verbraucher mit Steuererleichterungen unterstützte, pumpte Peking die Gelder direkt in die Firmen. Chinas Industrie bekam also seine in Deutschland angebotenen Produkte gleich doppelt subventioniert.

Für den Boom war das die Bremse. Zwischenzeitlich hatten Solaraktien die Börse dominiert. Der Technologieindex Tec-Dax bestand einmal zu mehr als einem Drittel aus Unternehmen der Branche, und deutsche Anleger mutierten zu Sonnenanbetern. Mit der Pleite des Berliner Solon-Konzerns im Jahr 2011 wurde die erste Duftmarke für den Niedergang gesetzt. Einst illustre Namen, wie Q-Cells, Conergy oder Sunways folgten.

Ganz sicher wird das drohende Ende von Solarworld nicht das Ende vom Sonnenstrom „Made in Germany“ bedeuten. Dennoch markiert der Fall den Tiefpunkt des Niedergangs und ist gleichzeitig Wegmarke für die gesamte Branche, ihr Geschäftsgebaren zu hinterfragen. Ein Beispiel dafür ist SMA Solar aus Niestetal bei Kassel. Das Unternehmen hinterfragt nach deutlichen Umsatzeinbußen gerade seine Spezialisierung auf Wechselrichter.

Auf die derzeit brummende Nachfrage nach Solaranlagen in Deutschland verweist der Solarverband BSW. Die Befürchtung ist nur, dass deutsche Unternehmen bei dem weiter erwarteten Aufschwung keine beherrschende Rolle mehr spielen werden können.  

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