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Dienstag, 12. Dezember 2017

Patente

Eine Hand an der Erfinderkrone

Von Stefan Asche | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Am Mittwoch hat das Europäische Patentamt die Finalisten im Wettbewerb um den Europäischen Erfinderpreis bekannt gegeben. Darunter sind drei Deutsche.

BU Hufschmid
Foto: EPA

Günter Hufschmid aus Sachsen-Anhalt hat eine Watte entwickelt, die Ölteppiche schnell und effektiv von Wasseroberflächen entfernen kann.

Großartige Ideen basieren oft auf Zufällen. Oder gar auf Missgeschicken. Günter Hufschmid, ein Unternehmer aus Sachsen-Anhalt, kann ein Lied davon singen. Die von ihm produzierte Wachswatte war ursprünglich ein Produktionsfehler. Nun bringt sie ihm vielleicht den Europäischen Erfinderpreis 2017 ein. Denn das Material hat großes Potenzial im Kampf gegen Ölverschmutzungen auf Gewässern.

Europäischer Erfinderpreis

Hufschmid ist Vorstandschef der Deurex AG, Elsteraue. Die Firma produziert eigentlich Wachse für Farben und Lacke. Im Jahr 2010 stellte jedoch ein Mitarbeiter eine Maschine falsch ein. Über Nacht entstanden so mehr als 10 t weiße Wachswolle, mit der zunächst niemand etwas anzufangen wusste.

 Erst vier Wochen später brachte der Zufall das Potenzial des scheinbar unbrauchbaren Abfalls zum Vorschein. In dieser Zeit gingen die Bilder vom Untergang der Bohrplattform Deepwater Horizon um die Welt: 774 Mio. l Öl strömten in den Golf von Mexiko – weltweit die viertgrößte Ölkatastrophe überhaupt, und die größte im Meer. Beim Fernsehen mit den Kindern kam Hufschmid auf die Idee, den Chemiker Ernst Krendlinger versuchen zu lassen, ob die weiße Wachswolle Öl aufsaugt. Schließlich hat sie in ihrer Form Ähnlichkeit mit einem Schwamm.

Eine gute Idee, wie sich zeigte: Schon bei ersten Tests nahm die Watte einen Ölteppich restlos auf – schneller als bisherige Bindemittel. Übrig blieb sauberes Wasser. Das war der Startschuss für ein bahnbrechendes Produkt mit dem Namen „Deurex Pure“ – und für die Patentanmeldung, mit der Hufschmid die Erfindung schützen ließ.

 Hufschmid ist in der Kategorie „Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)“ für den Europäischen Erfinderpreis nominiert. 1 kg der Watte bindet gut 6,5 l Öl und schwimmt auch im gesättigten Zustand an der Oberfläche. Die entstehenden Klumpen lassen sich gut und rückstandsfrei „abfischen“, während die bislang üblichen Granulate viel schwieriger zu entfernen sind. Der besondere Clou und ein weiterer Pluspunkt für die Umwelt: Die Watte kann ausgewrungen und wiederverwendet werden. Für den realen Einsatz in der Wasseraufbereitung, im Katastrophen- und Gewässerschutz hat das Unternehmen unterschiedliche Produktformen entwickelt, etwa Schläuche und Matten.

Beim Hochwasser der Elbe 2013 hat die Watte ihre Tauglichkeit erstmals eindrücklich bewiesen und Wasser von Verschmutzungen mit Heizöl befreit. Auch die Umweltorganisation One Earth – One Ocean arbeitet erfolgreich mit dem Produkt.

In der Kategorie „Industrie“ ist u. a. Lars Liljeryd nominiert. Die von ihm entwickelte Spektralbandreplikation (SBR) kommt zum Einsatz, wenn es darum geht, mit möglichst geringen Datenmengen Töne in höchster Qualität digital zu übertragen. Grundlage ist ein raffinierter Trick: Bei seiner Methode überträgt der Schwede hohe Töne mit großem Datenvolumen nicht direkt mit. Vielmehr rekonstruiert er diese auf der Empfängerseite über Steuersignale aus einem direkt kodierten niederfrequenten Teil der Töne.

Foto: EPA

Günter W. Hein aus Bayern hat die Signaltechnik von Galileo, dem Herzstück des globalen Satellitennavigationssystems Europas, entwickelt.

In der Kategorie „Forschung“ zählt Geodäsie-Professor Günter W. Hein aus Bayern zu den Finalisten. Gemeinsam mit einem Team europäischer Ingenieure hat er die Signaltechnik von Galileo, dem Herzstück des globalen Satellitennavigationssystems Europas, erfunden. Geht es um Navigation, zählt Hein zu den weltweit gefragtesten Experten. 1983 übernahm er als damals jüngster Professor an der Universität der Bundeswehr München das Institut für Erdmessung und Navigation. 2015 wurde ihm der Status eines exzellenten Emeritus verliehen, womit er erst der dritte Wissenschaftler an der Bundeswehr-Hochschule ist, der diesen Ehrentitel erhält.

Foto: EPA

Waleed Hassanein aus den USA hat ein Fahrzeug entwickelt, mit dem Organe vom Spender zum Empfänger transportiert werden können – ohne dabei Schaden zu nehmen.

In der Kategorie „Außereuropäische Staaten“ ist u. a. Waleed Hassanein aus den USA nominiert. Er hat das einzige medizinische Gerät entwickelt, das Spenderorgane außerhalb des menschlichen Körpers nahezu im ursprünglichen physiologischen und funktionierenden Zustand halten kann, und zwar von dem Zeitpunkt der Entnahme des Organs bis zu dem Zeitpunkt seiner Einpflanzung in einen geeigneten Empfänger. Die sonst üblichen Schädigungen des Organs durch starke Kühlung bleiben dadurch aus.

In der Kategorie „Lebenswerk“ steht der Münchener Axel Ullrich im Finale. Pionier in der Erforschung der Signalübertragung in Zellen. Er hat mit seinen Forschungsarbeiten die grundlegenden molekularen Mechanismen aufgeklärt, welche die Physiologie von gesunden Zellen steuern. Seine Ergebnisse haben dazu beigetragen, Krankheitsabläufe von wichtigen Erkrankungen wie Diabetes oder Krebs zu verstehen. Zudem hat er seine Ergebnisse dazu eingesetzt, um neue Therapien gegen Krebs und anderen Krankheiten zu entwickeln, etwas das Anti-Krebs-Medikament Herceptin, das von Axel Ullrich und seinem Team entwickelt wurde.

Am 15. Juni wird die Auszeichnung in Venedig zum zwölften Mal verliehen.

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