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Dienstag, 12. Dezember 2017

Parkettnotizen

Es drohen Kratzer im glänzenden Lack

Von Stefan Wolff | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Europas Automarkt brummt. Im vergangenen März ist die Zahl der Neuzulassungen in der EU um 11,2 % gestiegen.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Nach dem eher verhaltenen Auftreten der Verbraucher im Februar sind die Zahlen des europäischen Automobilherstellerverbandes (ACEA) eine handfeste Überraschung gewesen. Das mit Abstand kräftigste Wachstum wurde in vielen osteuropäischen Ländern erzielt. In Ungarn und Bulgarien stiegen die Neuwagenverkäufe um über 30 % an.

Das robuste Wachstum wurde zusätzlich durch die hohe Nachfrage in den großen Märkten auf breitere Füße gestellt. Italien (+18.2 %), Spanien (+12.6 %) und Deutschland (+11.4 %) konnten zweistellige Raten vermelden. Deutschland bleibt der mit Abstand wichtigste (weil größte) Absatzmarkt für die Autobranche. Hier wurden im vergangenen März fast 360 000 Einheiten abgesetzt.

Für die Hersteller sind das durchgehend gute Nachrichten. Die Delle am Automarkt scheint ausgebügelt zu sein. Immerhin summierten sich die Autoverkäufe auf fast 1,9 Mio. Wagen. Das ist der höchste Märzwert, seit die Verkäufe gezählt werden.

Allerdings gibt es auch dunkle Wolken am Firmament. So hat Europas Marktführer VW erneut Marktanteile verloren. Die Dieselaffäre schwingt also noch nach, was sich übrigens auch bei anderen Herstellern bemerkbar macht. Der Anteil an Selbstzündern bei den Neuwagenverkäufen geht kontinuierlich zurück. Ein Erfolgsmodell befindet sich auf dem absteigenden Ast. Zu groß sind die Unsicherheiten, was Fahrverbote in den Städten anbelangt. Zwar sind die „saubersten“ Schadstoffklassen von diesen Verboten ausgenommen, doch das Vertrauen in die Politik ist nicht sonderlich hoch. In den vergangenen Jahren haben nicht nur Autofahrer so manch unliebsame Überraschung erlebt.

Weitere Probleme zu sehen bekommt, wer den Blick weitet. Chinas Automarkt hat an Dynamik eingebüßt, wächst nicht mehr so rasant wie gewohnt, und in den USA sind Verkäufe nur noch für den Preis hoher Rabatte zu steigern. An dieser Stelle drohen weitere Kratzer im Lack. Denn so langsam aber sicher bringt sich die neue US-Regierung mit ihren Steuerplänen in Stellung. Strafzölle für deutsche Hersteller gelten dabei schon als ausgemacht. Dabei ist die Bilanz fast ausgeglichen. Die deutschen Hersteller exportierten zuletzt 815 000 Fahrzeuge in die USA, während sie in den USA 810 000 Fahrzeuge produziert haben. Daraus sollte sich eigentlich eine gute Verhandlungsposition für die Deutschen ergeben. Wenn denn verhandelt wird.

Für den Fall von Strafzöllen drohen Autos in den USA teurer zu werden. Das dürfte vielen Käufern die Lust auf einen Neuwagen vergällen. Die Schweizer Großbank UBS schätzt, dass der US-Automarkt um 3 Mio. neu verkaufte Fahrzeuge im Jahr schrumpfen könnte.   

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