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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

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Produktion

Fahrzeugbau bei BMW stockt wegen fehlender Teile

Von Peter Kellerhoff | 1. Juni 2017 | Ausgabe 22

Der bayerische Autokonzern BMW muss an drei Standorten die Produktion stark einschränken, weil es an Lenkgetrieben für viele Modelle mangelt. „Bosch ist zurzeit nicht in der Lage, uns mit einer ausreichenden Zahl von Lenkgetrieben für die BMW 1er-, 2er-, 3er- und 4er-Reihe zu beliefern.

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Foto: BMW AG

Im Werk Leipzig leidet die Produktion des 1er und 2er BMW unter Lieferengpässen von Zulieferer Bosch. Auch andere BMW-Werke sind betroffen.

 An der Situation wird sich diese Woche wahrscheinlich nichts ändern“, sagte dann auch BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann am Montag vor der Presse.

Konkret geht es um ein fehlendes Druckgussteil eines italienischen Lieferanten, das Bosch in Schwäbisch Gmünd für die Fertigung der Lenkgetriebe benötigt. Für BMW bedeutet das, dass in München, Leipzig sowie in Tiexi im chinesischen Shenyang die Produktion stark eingeschränkt ist. In Rosslyn in Südafrika seien durch den Engpass eigentlich für den Herbst geplante Wartungsarbeiten vorgezogen worden.

In Leipzig ist die Fertigung des 1er und 2er BMW betroffen, im Stammwerk München die des 3er und 4er. In China und Südafrika muss der 3er BMW auf Lenkgetriebe warten. Die Fertigung aller anderen Baureihen sei nicht beeinträchtigt.

An Bosch schickte der BMW-Vorstand die unmissverständliche Botschaft: „Wir gehen davon aus, dass Bosch als der verantwortliche Lieferant für den uns entstandenen Schaden einstehen wird.“ Derzeit befinden sich sowohl Mitarbeiter von Bosch als auch von BMW in Italien vor Ort, um den Lieferengpass zu beheben. Zum Namen des Lieferanten sowie den genauen Umständen des Lieferengpasses wollten sich beide Unternehmen nicht äußern.

Über die Höhe des Schadens, der BMW bislang entstanden ist, herrscht Unklarheit. Fakt ist, dass mehrere tausend Fahrzeuge nicht wie geplant gebaut werden konnten. Ein BMW-Sprecher sagte, ein Großteil der ausgefallenen Produktion lasse sich nachholen. Die Mitarbeiter des Münchener Konzerns nutzten nun Gleitzeit und Arbeitszeitkonten, nähmen Urlaubstage oder zögen Wartungsarbeiten vor. Duesmann erklärte dazu: „Wir nutzen die Flexibilität, die wir in unseren Prozessen haben, um den wirtschaftlichen Schaden zu minimieren.“

Das Problem in den Logistik- und Zuliefererketten ist kein Neues. Die meisten Teile würden laut Duesmann punktgenau „just in time“ für das jeweilige Fahrzeug auf dem Fließband bereitgestellt. Deshalb könne es passieren, dass ein fehlendes Kleinteil die gesamte Wertschöpfungskette unterbricht – ein Risiko der Just-in-time-Produktion, das BMW mt den meisten Automobilherstellern teilt. Daher gibt sich der BMW-Einkaufschef auch verhalten versöhnlich: „Ich bin zuversichtlich, dass die Firma Bosch die aktuellen Lieferprobleme zügig in den Griff bekommt. Als einer unserer langjährigsten, größten und grundsätzlich zuverlässigsten Lieferanten ist das Unternehmen zweifellos in der Lage, auch diese schwierige Situation zu bewältigen.“

UPDATE vom 2. Juni 2017
Bosch plant, Zulieferer aus Italien zu übernehmen

Automobilzulieferer Bosch brachte BMW in die Bredouille, da Lenkgetriebe für verschiedene Modelle des Münchner Autokonzerns zeitweise nicht geliefert werden konnten. Die Ursache lag bei dem italienischen Zulieferer Albertini Cesare S.p.A., der mit den dafür notwendigen Druckgussteilen im Rückstand war.

Nun plant Bosch plant offenbar die vollständige Übernahme der Firma Albertini Cesare S.p.A. Sie ist Spezialist für Aluminiumguss und produziert Gussgehäuse hauptsächlich für die Automobilindustrie, beispielsweise für elektrische Lenkungen. Das Unternehmen aus Villasanta in der Nähe von Mailand beschäftigt derzeit mehr als 400 Mitarbeiter an zwei Standorten in Norditalien. Mit dem Erwerb von Albertini will Bosch künftig eine zuverlässige Versorgung von Gussteilen für seine elektrischen Lenkungen sicherstellen.

„Wir sind zuversichtlich, dass die Produktion vor Ort schnell wieder Fahrt aufnimmt. Unser Ziel ist es, alle Kunden in hoher Qualität und wieder in vollem Umfang beliefern zu können“, sagte Dirk Hoheisel, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, am Freitag.

Es ist geplant, dass Albertini in den Bosch-Geschäftsbereich Automotive Steering integriert wird. Der Bereich beschäftigt ca. 15 000 Mitarbeiter in zwölf Ländern und entwickelt Lösungen auf dem Gebiet der Lenksysteme für Pkw und Lkw.

Das Vorhaben muss von den zuständigen Kartellbehörden noch genehmigt werden. Ungewohnt scharf ist die Formulierung, mit der Bosch Stellung zur Zukunft des jetzigen Besitzers nimmt: „Der bisherige Eigentümer scheidet zeitnah aus dem Unternehmen aus.“ Über Vertragsdetails wurde Stillschweigen vereinbart, aber es ist anzunehmen, dass die Schadensersatzforderungen, die BMW Bosch bereits ankündigte, Bestandteil der Preisverhandlungen sein werden.

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