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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Aluminiumindustrie

Flucht nach vorne

Von Iestyn Hartbrich | 4. Mai 2017 | Ausgabe 18

Im Wettbewerb der automobilen Leichtbauwerkstoffe baut der Aluminiumhersteller Hydro massiv Kapazitäten auf.

18-Alu (2)
Foto: Axel Hartmann/pbr

Neue Blechlinie: Der Aluminiumhersteller Hydro vervierfacht in Grevenbroich seine Kapazitäten für Autobleche.

Grevenbroich im Rheinland, der norwegische Aluminiumhersteller Hydro hat hier gestern seine neueste Linie in Betrieb genommen. Noch stehen die Anlagen – typisch Anlaufphase – immer wieder still, aber das turmartige Hochregallager nebenan lässt keinen Zweifel dran, dass bald die Hütte brummt. Vom Boden bis zur Decke stapeln sich hier die Aluminium-Coils.

Mit der neuen Anlage, der Automobillinie 3 (AL3) drückt Hydro im Wettbewerb der automobilen Leichtbaumaterialien aufs Gaspedal. Das Unternehmen hat rund 130 Mio. € investiert und seine Kapazität mit einem Schlag von jährlich 50 000 t auf 200 000 t vervierfacht.

Hydro will Bleche – hauptsächlich Legierungen vom Typ 6XXX – für die Fahrzeugaußenhaut liefern, konkret für flächige, von außen sichtbare Teile wie das Dach und die Motorhaube (hang-on-parts). In diesem Segment gehen die Verkäufer von einem jährlichen Nachfragewachstum von 15 % bis 2022 aus. „Die Automobilindustrie wird unsere größte Kundenbranche“, sagt Christoph Budde, der Leiter des Grevenbroicher Werks.

Zu den Kunden zählen vor allem die Automobilhersteller im Premiumsegment: Audi, Daimler, BMW, Porsche und Jaguar Land Rover, der größte Aluminiumverbraucher unter Europas Automobilkonzernen. Hydro beliefert aber auch Peugeot und Citroën. Die Einkäufer weiterer Automobilbauer haben Grevenbroich bereits besucht – darunter auch Volkswagen.

Die AL3 besteht aus drei Teillinien. Auf der ersten wird die Oberfläche der Coils mit einer Textur versehen. Nach dem Walzen weist das Material typischerweise eine direktionale Struktur auf: Rillen laufen quer zur Walzrichtung. Erwünscht ist eine stochastische, isotrope Textur. „Wir können die Oberfläche nun gezielt einstellen“, sagt Stefan Knabben, Vertriebsleiter Automobil. Der Effekt: Das Tiefziehöl, das während der Verarbeitung des Bleches in der Pressenstraße des Automobilherstellers verwendet wird, haftet besser am Blech.

In der zweiten Linie wird das Material im kontinuierlichen Betrieb geglüht. „Das Aluminium ist vom Walzen hart. Indem wir Nachglühen, geben wir ihm seine Formbarkeit zurück“, sagt der Hydro-Projektingenieur Lutz Kaufmann.

Auf der dritten und letzten Linie wird das Aluminiumband beschichtet. Auf diese Weise ist es vor Korrosion geschützt. Schließlich wird das Tiefziehöl aufgebracht. Von der Intralogistik bis zur Beschichtung ist die komplette neue Linie voll automatisiert. „Kein Mensch berührt hier die Coils“, sagt Kaufmann.

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