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Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

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Automation

GE will in Europa durchstarten

Von Ariane Rüdiger | 29. Juni 2017 | Ausgabe 26

Auf seiner Kongressmesse Minds + Machines in Berlin stellte der US-Konzern GE vor, wie seine digitale Plattformstrategie dazu beitragen soll, Marktanteile in Europa auszubauen.

GE-BU
Foto: GE

Vernetzt: Sensoren in Produktionsanlagen sollen immer öfter wichtige Informationen liefern, um Prozesse künftig effizienter steuern zu können.

Wie konsequent der US-Konzern GE den Weg der Digitalisierung gehen will, wurde anlässlich der Kongressmesse Minds+Machines Mitte Juni in Berlin deutlich. Vize-Chefin Beth Comstock war anstelle von CEO Jeff Immelt angereist. Der hatte kurz zuvor seinen Rücktritt angekündigt.

Comstock betonte, dass auch GE noch nicht abschätzen könne, welche Effekte ein voll entwickeltes Internet of Things (IoT) haben werde, in dem unzählige Dinge miteinander vernetzt sind und Algorithmen automatisiert handeln. „Es wird zu neuartigen Phänomenen spontaner Selbstorganisation kommen, von denen viele nützlich und positiv, einige aber auch unerfreulich sein werden“, sagte sie.

Comstock forderte daher: „Wir müssen offen, flexibel und kommunikationsbereit sein, um die Chancen bestmöglich zu nutzen und Probleme rechtzeitig zu erkennen.“ Gebraucht würden dafür auch kommunikations- und kritikfähige Manager.

Technisch setzt GE Digital mit seiner IoT-Plattform Predix konsequent auf eine offene Plattform auf Basis modifizierter Software von der Apache-Foundation sowie auf Cloud-Foundry, dem derzeitigen de-facto-Standard bei der Entwicklung von Applikationen für die Cloud.

Laut GE gibt es für Predix bereits 700 Partner und 30 000 Entwickler. „Allein können wir das Internet of Things nicht entwickeln“, betonte Steve Martin, der Chief Digital Officer. Programmierlaien sollen mithilfe der in Berlin vorgestellten Lösung Predix Studio schnell kleine Programme (Apps) für die Plattform entwickeln können, indem sie Vorlagen in sechs Schritten verknüpfen und für den individuellen Bedarf parametrisieren. Predix läuft auch in der öffentlichen Cloud, etwa der von Amazon Web Services (AWS).

Im maschinennahen Bereich der IoT-Lösungen, dem Edge, sollen abgespeckte Versionen derselben analytischen Software wie in der Cloud laufen (Edge-to-Cloud-Analytics). Die Edge-Hardware wird dann in Form von Edgeline-Servern bereitgestellt – insbesondere vom strategischen Partner Hewlett-Packard-Enterprise (HPE).

Die Digitaltochter GE Digital entstand vor sechs Jahren aus der IT-Abteilung von General Electric. Das Unternehmen stellt den übrigen GE-Bereichen, die neun industrielle Branchen bedienen, über den Onlineshop GE Store digitale Technologien zur Verfügung. Darüber hinaus verkauft es seine Lösungen an externe Kunden.

Allein in Europa beschäftigt GE Digital 5600 Mitarbeiter, davon 1100 in Deutschland. In München gibt es ein Forschungs-, in Augsburg ein Servicecentrum. Die Europazentrale liegt in Paris.

Größter Rivale ist Siemens, der ähnlich wie General Electric Industriebranchen mit Produkten beliefern, die längst mit zahlreichen Sensoren ausgerüstet sind. Die Daten werden anschließend auf der IoT-Plattform – bei Siemens heißt sie Mindsphere – gesammelt und analysiert. Die Informationen fließen in digitale Produktabbilder ein. Man spricht auch vom digitalen Zwilling.

Die darin abgelegten Informationen überlagern den gesamten Lebenszyklus zwischen Design und Entsorgung mit einer durchgängigen Datenschicht. Dadurch gewinnt man vertiefte Erkenntnisse über jedes einzelne Gerät und auch das Nutzungsverhalten der Kunden. Ziel sind neue und bessere Services sowie verbesserte, individualisierte Produkte.

Traditionell ist GE bisher besonders breit auf den englischsprachigen Märkten der Welt vertreten, während Siemens auf dem europäischen Markt vorne liegt. Nun will man in Europa aufholen. Deborah Sherry, Europachefin von GE Digital: „Wir müssen uns hier einfach bekannter machen, dann kommen die Kunden von selbst.“

Dass das Werben Anklang findet, belegen Bosch und DB Cargo, der Logistikzweig der Deutschen Bahn. Bosch verwendet Predix für IoT-Aufgaben im Automotivebereich, deren maschinennahe Komponenten, also Sensoren und Gateways, Bosch selbst beisteuert. DB Cargo wertet mit Predix die Daten von 250 sensorgespickten Lokomotiven aus, um durch verbesserten Service konkurrenzfähiger zum mächtigen Straßentransport zu werden.

Darüber hinaus ist GE dabei, zusätzliche Kompetenzen für seine Plattform aufzubauen. So wurde in Berlin mit GE Additive ein Tochterunternehmen für die additive Fertigung mit Elektronenstrahlschmelzen vorgestellt. Damit soll Predix eng verzahnt werden. Ein weiteres neues GE-Tochterunternehmen beschäftigt sich mit der drohnengestützen Überwachung geografisch verteilter Infrastrukturen, etwa Strom- oder Schienennetze.

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