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Dienstag, 12. Dezember 2017

Mobilfunk

Gigabit-LTE bleibt vielerorts noch ein leeres Versprechen

Von Frank Erdle | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Neuerdings wirbt der erste deutsche Anbieter mit einem halben Gigabit Bandbreite im Mobilfunknetz. Aber vorerst nur in zehn Städten und mit wenigen Endgeräten.

Erdle BU
Foto: dpa Picture Alliance/Jens Kalaene

Videostreams über das Mobilfunknetz erfordern hohe Datenraten. Daher rüsten Mobilfunkunternehmen auf, um das bestehende LTE-Netz schneller zu machen.

Vergangenes Jahr wurden laut Bundesnetzagentur 918 Mio. GByte Daten über deutsche Mobilfunknetze übertragen – etwa 60 % mehr als 2015. Besonders die LTE-Versorgung, die den schnellen Datenaustausch in Industrie und Forschung sowie den nahezu verzögerungsfreien Abruf von Videoinhalten ermöglicht, ist eine immense Herausforderung für die Netzinfrastruktur. Und es kommt noch dicker: Die aktuelle Ausgabe der jährlich erscheinenden Cisco-Studie zum weltweiten Datenverkehr („Visual Networking Index“) prognostiziert: Bis 2021 wird das Smartphone den PC als wichtigstes Zugangsgerät ins Internet ablösen.

Das Rennen um den schnellsten LTE-Chip

Der weitere Ausbau der Infrastruktur ist also nötig, wenn die Bundesrepublik ihre Stärke als Wirtschaftsstandort behaupten will. Bis zur Einführung des künftigen Mobilfunkstandards 5G, der mit Übertragungsraten von maximal 10 Gbit/s die großflächige Echtzeitkommunikation im Internet der Dinge gewährleisten soll, werden noch mindestens drei Jahre vergehen.

Die Lücke schließen soll die 4G-Weiterentwicklung LTE-Advanced, deren Ausbau aktuell vor allem von Vodafone forciert wird. In zehn deutschen Städten von Cottbus bis Stuttgart realisiert das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits mobile Datenraten von bis zu 500 Mbit/s. Zum Ende dieses Jahres sollen es bereits 30 Städte sein.

Um diesen hohen Datendurchsatz zu erreichen, bündeln die Düsseldorfer die Frequenzbänder aus den Bereichen 800 MHz, 1800 MHz und 2600 MHz. Um die genannten Frequenzbänder noch besser für die Datenübertragung nutzbar zu machen, ist außerdem eine spezielle Antennenausrichtung in den Smartphones und an den Basisstationen erforderlich.

Mit diesen Maßnahmen geben die Düsseldorfer aktuell am auffälligsten Gas, wenn es um die Performance geht: Im Netz der Deutschen Telekom ist offiziell bei 300 Mbit/s Schluss – und beim Marktführer Telefónica bei 225 Mbit/s. Die Kunden von Discount-Marken in den D-Netzen wie Congstar (Telekom) oder Otelo (Vodafone) bleiben in puncto LTE ohnehin außen vor und müssen sich mit dem deutlich langsameren UMTS-Zugang ins mobile Web zufriedengeben. Einzig Telefónica öffnet sein Highspeed-Netz auch für Billigmarken wie Aldi Talk, Blau und Tchibo Mobil – doch besonders in ländlichen Gebieten ist die LTE-Versorgung von O2 im Vergleich zu Wettbewerbern schwach. Der weitere Ausbau ist beschlossene Sache: In seinem Münchner Labor „TechCity“ arbeitet der Betreiber mit dem chinesischen Netzwerkpartner Huawei an der Zusammenlegung von mehreren LTE-Frequenzbändern und erreicht unter Laborbedingungen Download-Geschwindigkeiten von bis zu 1,65 Gbit/s.

Bei einer Präsentation von Sony und Qualcomm wurden in der letzten Woche im Londoner Wembley-Stadion im LTE-Netz des Betreibers EE Upload-Geschwindigkeiten von 110 Mbit/s und Download-Geschwindigkeiten von 750 Mbit/s erreicht.

Das medienwirksame Wetteifern um höchstmögliche Übertragungsraten bringe die Mobilfunkanbieter aber nicht weiter, erklärte Telefónica-CTO Cayetano Carbajo Martín unlängst auf einer Konferenz des Telekommunikationsmagazins „connect“. Wesentlich wichtiger sei die optimale „User Experience“: Datenintensive Dienste müssten auch verfügbar sein, wo das Netz keine hohen Bandbreiten zulässt.

Viele deutsche Nutzer erleben tagtäglich, dass so eine Performance derzeit vielerorts mehr Wunsch als Wirklichkeit ist: Selbst in größeren Städten dauern Dokumenten-Downloads oft quälend lange, Videostreams geraten ins Stocken und Sucheingaben landen im Nichts. Dennoch geht das Aufrüstungsrennen unter den Endgeräteherstellern unvermindert weiter: Die Prozessoren der neuen Samsung-Smartphones Galaxy S8 und S8 Plus unterstützen ebenso Gigabit-LTE wie die jüngsten Sony-Modelle Xperia XZ und Xperia XZ Premium.

Anders sieht es voraussichtlich beim nächsten Apple iPhone aus, dessen Markteinführung für den Herbst erwartet wird: Intel hat noch keinen massenmarkttauglichen Gigabit-Chip parat, das Bauteil, das Samsung einsetzt, stammt von Qualcomm. Doch ausgerechnet dieses Unternehmen hat Apple auf 1 Mrd. $ Schadenersatz verklagt: Qualcomm soll dem iPhone-Hersteller für die Funkchips zu viel Geld in Rechnung gestellt und damit seine Monopolstellung missbraucht haben.

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