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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Geldanlage

Grüne Welle an den Börsen

Von Peter Schwarz | 16. Februar 2017 | Ausgabe 07

Öko ist in. In Supermärkten sind immer mehr Bio-Lebensmittel zu finden und auch an der Börse blüht das Geschäft mit Green Bonds.

Öko-Bonds BU
Foto: Reuters/Brandan McDermid

Buffett goes green: Der Starinvestor emittierte kürzlich erstmals eine grüne Anleihe, mit der zwei Windparks in Iowa finanziert werden sollen.

Als erster Eurostaat brachte Frankreich im Januar eine Öko-anleihe auf den Markt und auch Starinvestor Warren Buffett mischt mit. Noch bleibt es ein Nischenmarkt. Aber Experten sagen voraus, dass das Emissionsvolumen dieses Jahr einen neuen Rekord markiert – selbst mit einem US-Präsidenten an der Macht, der den Klimawandel als „Schwindel“ bezeichnet. „Mit dem Schwung aus dem Klimaabkommen von Paris und einer steigenden Nachfrage von Investoren wird der Markt für Green Bonds 2017 einen neuen Meilenstein erreichen“, schreiben Experten der Ratingagentur Moody‘s in einer Studie.

„Anleger haben ein steigendes Bewusstsein dafür, was mit ihrem Geld passiert und Unternehmen können mit grünen Anleihen zeigen, dass sie ökologisch unterwegs sind“, sagt Ulf Moslener, Professor für nachhaltige Energiefinanzierung an der Frankfurt School of Finance and Management.

Das Emissionsvolumen von grünen Bonds wird sich 2017 Moody‘s zufolge auf gut 200 Mrd. $ mehr als verdoppeln. Seit 2011 hat die noch junge Anleihesparte im Schnitt jährlich rund 150 % zugelegt und eilt von einem Rekord zum nächsten.

Der Weltmarktanteil ist dennoch vergleichsweise klein: Laut Moody‘s entfiel 2016 gerade einmal 1,4 % des Emissionsvolumens auf Green Bonds. Dass mit einem bedeutenden Staat wie Frankreich nun ein weiterer Emittent hinzugekommen ist, bringe neuen Schwung in den Markt, betont Analyst Nicholas Pfaff vom Investmentverband ICMA. „Green Bonds sind auf gutem Weg, ein neuer Trend zu werden.“ Auch Buffett sprang vor Kurzem auf den Zug auf und emittierte erstmals eine grüne Anleihe, mit der zwei Windparks im Bundesstaat Iowa finanziert werden sollen.

Solche Angebote stoßen bei Investoren auf riesige Nachfrage: Das 2039 fällig werdende Papier aus Frankreich, mit dessen Einnahmen energieeffiziente Immobilien und CO2-arme Transportmittel gebaut werden, war nach Angaben von Banken mehrfach überzeichnet und kam schließlich auf ein Volumen von 7 Mrd. € – die mit Abstand größte Emission in dem Sektor.

„Es gibt immer mehr Anleger, die explizit in Green Bonds investieren wollen. Sie haben das Problem, dass es zu wenig unterschiedliche Anbieter gibt“, sagt die Leiterin Investmentstrategien bei der KfW Bank, Doris Kramer.

Bislang sind es vor allem Förderinstitute wie die KfW und die Europäische Investitionsbank (EIB) sowie private Unternehmen, die über solche Anleihen Ökoprojekte finanzieren. Die KfW hat gut 9 Mrd. € an Green Bonds ausstehen, bei der EIB sind es etwa 15 Mrd. €. Groß im Geschäft sind auch chinesische Banken und der französische Energiekonzern EdF. Polen, das kein Mitglied der Eurozone ist, legte 2016 als weltweit erster Staat eine Ökoanleihe auf. Als heiße Kandidaten für vergleichbare Emissionen werden auch Schweden, Japan und afrikanische Länder gehandelt.

Auf grüne Bundesanleihen müssen Anleger dagegen wohl noch länger warten, sagt Anleihespezialist Dirk Gojny von der Nationalbank. „Der Bund ist sehr traditionell und konservativ veranlagt, was die Refinanzierung angeht.“

Für Staaten ist es nach Meinung von Fachleuten viel schwerer als für Firmen, den Anleihen die Auszeichnung „grün“ zu verleihen. Bei den Papieren muss genau nachgewiesen werden, wie viel Geld für welches Projekt ausgegeben wurde. Ministerien sind eingebunden, zudem müssen oft erst haushaltsrechtliche Hürden genommen werden. Der Mehraufwand wird am Markt noch nicht honoriert. „Anleger sind nicht bereit, für Geldanlagen in ökologische Projekte Einbußen bei der Rendite in Kauf zu nehmen“, betont Hochschulprofessor Moslener.

Der neue US-Präsident Donald Trump könnte Anlegern allerdings ein bisschen die Suppe versalzen, wenn sich die USA wie angekündigt aus dem Pariser Klimaabkommen zurückziehen und stattdessen lieber die Öl- und Gasindustrie fördern.

„Trumps Politik wird sicher kein Show-Stopper werden, aber Anbieter und Sparer werden künftig vielleicht länger abwägen, bevor sie aktiv werden“, sagt Abteilungsleiter Christopher Flensborg von der schwedischen Bank SEB. Professor Moslener ist zuversichtlicher: „Der Markt für nachhaltige Anlagen hat sich in den vergangenen Jahren gut etabliert. Diesen Trend wird ein Herr Trump nicht großartig umdrehen können.“

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