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Montag, 11. Dezember 2017

Erneuerbare Energien

Grünstrom im Minus

Von Ralf Roman Rossberg | 12. Januar 2017 | Ausgabe 01

Die Schweizer Wasserkraft, Rückgrat der eidgenössischen Energiewirtschaft, schreibt rote Zahlen. Die Branche ruft nach dem Staat; zu vertrackt ist die Lage.

w - Wasserkraft CH BU
Foto: Fotowerder/Axpo

Technisches Meisterwerk: die Maschinenkaverne des schweizerischen Pumpspeicherkraftwerks Linth-Limmern, das Mitte 2017 den kommerziellen Betrieb aufnehmen soll. Für die Betreiber Axpo und den Kanton Glarus stehen die Rahmenbedingungen derzeit jedoch schlecht.

Energiepolitisch hat der Wasserreichtum enormes Gewicht für die Schweiz: Fast 60 % des Bruttostrombedarfs lassen sich so decken. Doch was jahrzehntelang auch wirtschaftlichen Erfolg bedeutete, hat sich inzwischen ins Gegenteil verkehrt.

Strommix der Schweiz

Nicht weniger als drei Viertel der Schweizer Wasserkraft seien heute nicht wettbewerbsfähig, erklärte kürzlich Walter Steinmann, bis vor Kurzem Chef des Berner Bundesamts für Energie (BfE). Die Ursachen sind zum Teil hausgemacht. Im Wesentlichen liegen sie aber beim europäischen Energiemarkt, nachdem die Preise immer weiter unter die Gestehungskosten von Strom aus der Wasserkraft gefallen sind.

Als Ursache für die Schwierigkeiten gelten in erster Linie die Überkapazität an Kraftwerksleistung und die starke Förderung von Wind- und Solarenergie in der EU. Hinzu kommt noch die Stromerzeugung mit billiger Importkohle aus den USA, eine zu geringe Bewertung des CO2-Ausstoßes bei der Stromerzeugung aus fossilen Energien, die Kostenrechnung in Schweizer Franken gegenüber den Marktpreisen in Euro, aber auch die aufwendige Instandhaltung der Anlagen im Gebirge.

Hausgemacht als Strombestandteil in der Schweiz ist der „Wasserzins“, der an die Gemeinden als Inhaber der Gewässerhoheit für die Nutzung des Wassers als „öffentliches Gut“ zu bezahlen ist. Weil diese Abgabe nach der Kraftwerksleistung bemessen wird, muss sie unabhängig vom Wirtschaftsergebnis bezahlt werden. Sie beträgt heute bis zur Hälfte der Gestehungskosten und verteuert damit die inländische Stromerzeugung ganz wesentlich.

Gewinnbringend betreiben lassen sich in diesem Umfeld nur noch ältere, bereits abgeschriebene Werke. Die meisten neueren, bei denen die Abschreibung noch zu Buche schlägt, erzeugen den Strom zu Kosten mehr oder weniger über dem Marktpreis.

Investitionen in den Ausbau der Wasserkraft bleiben unter diesen Bedingungen aus, obwohl sie langfristig für dringend notwendig gehalten werden. Die früher oder später bevorstehende Abschaltung der Kernkraftwerke in der Schweiz (ein konkretes Ausstiegsdatum ist nicht festgesetzt, Anm. d. Red.) gefährdet die Versorgungssicherheit, wenn keine hinreichenden Ersatzkapazitäten zur Verfügung stehen.

Diskutiert wird bei den Eidgenossen zwar eine Bemessung nach dem Ertrag der Anlagen, doch das würde zum Verlust einer bedeutenden Einnahmequelle der Gemeinden führen und dürfte gegen deren Widerstand schwer durchsetzbar sein.

Die Folgen der unwirtschaftlichen Stromerzeugung aus der Wasserkraft sind schon länger sichtbar. So erhielten zunächst die Hochrhein-Laufwasserkraftwerke Laufenburg, Rheinfelden und Wyhlen eine Erlaubnis, zeitweise Wasser an den Turbinen vorbeileiten zu dürfen und so auf die Stromerzeugung zu verzichten.

Weil die alten Konzessionen das ausschlossen, war eine besondere Genehmigung nötig. Auch wenn vorhandene erneuerbare Energie „buchstäblich den Bach hinuntergelassen“ würde, begrüßte Direktor Roger Pfammatter vom Schweizerischen Wasserwirtschaftsverband die Regelung, weil sie für die Netzstabilität unverzichtbar sei.

Das im September 2016 eingeweihte Pumpspeicherwerk Linth-Limmern im Nordosten der Schweiz erzeugt vom ersten Tag an rote Zahlen, die den Energiekonzern Axpo, aber auch den kleinen Kanton Glarus als Minderheitsaktionär belasten. Solange die Verzerrungen am internationalen Strommarkt anhalten, ist Jahr für Jahr mit Millionenverlusten zu rechnen.

Das Gleiche droht einem zweiten, fast gleich großen Pumpspeicherwerk, das im Kanton Wallis vor der Fertigstellung steht: Nant de Drance mit den Hauptaktionären Alpiq und den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Beide Milliardenprojekte waren begonnen worden, als sich der Preisverfall an den Strommärkten noch nicht absehen ließ.

Hinter Limmern wie auch Nant de Drance stehen ingenieurtechnische Meisterleistungen, die nun drohen, zu Investitionsruinen zu werden.

Um die Ressource Wasserkraft zu erhalten, stehen jetzt staatliche Hilfen auf der Agenda. Kritik dazu folgte umgehend: In den goldenen Zeiten seien keine Rücklagen gebildet worden, jetzt ertöne der Ruf nach dem Staat. Doch eine zeitlich befristete Kompensation sei eine Notmaßnahme zur Erhaltung der heimischen Stromproduktion und keine Forderung verwöhnter Strombarone, die sich nicht von ihrem Goldesel verabschieden können, so David Thiel, Chef der Industriellen Werke Basel, die auch am Pumpspeicherprojekt Nant de Drance beteiligt sind.

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