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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

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Maschinenbau

Gut abgefüllt

Von Matilda Jordanova-Duda | 11. Mai 2017 | Ausgabe 19

Fest verankert im Ruhrgebiet, hat sich der Dortmunder Abfüll- und Verpackungsspezialist KHS zum internationalen Player entwickelt.

KHS BU
Foto: Jochen Tack

Große KHS-Maschinen für kleine Flaschen. Die Säuberungsanlagen des Dortmunder Abfüll- und Verpackungsspezialisten erreichen enorme Dimensionen.

Wer weiß schon, dass seine Cola in einer KHS-Anlage abgefüllt wurde? Der Maschinen- und Anlagenbauer aus Dortmund ist einer der drei Großen, die den Weltmarkt mit Abfüll- und Verpackungsanlagen beliefern. Für alles, was flüssig ist: Wasser, Bier, Saft, Öl oder Shampoo. In Flaschen aus Glas oder PET wie auch in Dosen und Fässern, mit Etikett oder direkt bedruckt, als Pack eingeschweißt, im Kasten, Karton und auf Palette.

Die KHS GmbH

Die Anlagen füllen bis zu 75 000 Glasflaschen und 81 000 PET-Flaschen pro Stunde ab. Die Reinigungsanlagen, die das Unternehmen herstellt, säubern in derselben Zeit mehrere Tausend Flaschen. In Körbchen gereiht, laufen die Behälter durch verschiedene Bäder und werden von Etiketten- und Flüssigkeitsrückständen einschließlich unsichtbarer feinster Partikel befreit. Solche Maschinen aus dem Dortmunder Werk sind oft so groß wie ein Haus. Klein kann KHS aber auch: Für den wachsenden Markt der Craft-Beer-Brauer entwickelt die 100 %ige Tochter der Salzgitter AG Basismodule für die Reinigung und Abfüllung von Fässern (Kegs). Der Brauer könne sich aus den Modulen zusammenstellen, was er brauche, und schnell erweitern, wann immer es nötig ist, verspricht Produktmanager Roger Daum.

Foto: Jochen Tack

„Hier entwickeln wir noch nah am Produkt.“ Für den Verfahrenstechniker Patrick Niehoff ein wesentlicher Grund, sich für KHS entschieden zu haben.

Eine moderne Keg-Anlage stellte die Firma dem Institut für Lebensmitteltechnologie und Lebensmittelchemie der TU Berlin zur Verfügung. Sie befüllt und reinigt Fässer aus Kunststoff wie auch aus Stahl halbautomatisch, Prozessdaten werden dabei über Smartphone, Tablet oder PC vorgegeben bzw. erfasst und ausgewertet. Die Studierenden sollen die Anlage mit verschiedenen Mengen, Medien und Reinigungszyklen testen und dadurch lernen. KHS wiederum profitiert von den gesammelten Erfahrungen. Bundesweit gibt es zahlreiche weitere Kooperationen mit Hochschulen und Instituten, so an der TU und der FH in Dortmund, der TU München und der Universität Bochum. Acht Studenten schreiben aktuell ihre Abschlussarbeiten über Themen aus der Betriebspraxis. Und 20 junge Männer und Frauen studieren bei KHS Ingenieurwissenschaften in verschiedenen dualen Studiengängen.

Seit 2008 wachsen der Umsatz und die Mitarbeiterzahl beständig. Die rund 500 Ingenieure machen ungefähr 10 % der Belegschaft aus. Hochschulabsolventen können über eines der sechs Trainee-Programme einsteigen. Patrick Niehoff durchläuft das Programm „Engineer4Future“. Der promovierte Ingenieur für Energie- und Verfahrenstechnik kommt vom Forschungszentrum Jülich und ist in der Entwicklung von Etikettiermaschinen tätig. Als Trainee lernt er verschiedene Abteilungen und Standorte kennen. Etwa das Werk im indischen Ahmedabad, in dem wie in Dortmund auch Etikettiermaschinen hergestellt werden.

„Die Internationalität ist ein Grund, warum ich mich bei KHS beworben habe“, sagt Niehoff. „Ich habe eine Weile in den USA verbracht, aber das ist nicht signifikant anders als in Deutschland. Die Unternehmenskultur in Indien ist jedoch grundsätzlich unterschiedlich.“ Obwohl die Kollegen dort schon ein gutes Global-Engineering-Team aufgebaut hätten, sei das Verständnis für Prozesse und Organisation bei den Indern doch ganz anders. „Das ist das Schwierige bei solchen Projekten, aber man erfährt auch eine große Gastfreundschaft.“

90 % der Produktion sind für den Export bestimmt. Das Unternehmen hat neben dem Stammsitz im Ruhrgebiet und vier weiteren Produktionsstätten in Deutschland Fertigungs- und Servicestandorte auf allen Kontinenten und erwirtschaftet allein mit dem globalen Servicegeschäft ein Drittel des Umsatzes. „Wir setzen auf Mitarbeiter, die bereit sind, international tätig zu sein“, erklärt Personalleiterin Heike Strott. Kein Wunder, dass gutes Englisch selbst bei der Aufnahme von Auszubildenden ein Kriterium ist und weitere Fremdsprachenkenntnisse ebenso willkommen sind.

Die Besonderheiten der Märkte sind auch für die Produktentwicklung von Bedeutung. Ein Beispiel sind tief sitzende Verschmutzungen. In manchen Ländern finden sich vermehrt Zigarettenkippen in den leeren Flaschen, in anderen hinterlassen die Kronkorken Rostspuren. Moderne Inspektionstechnik stellt sicher, dass nur einwandfreie Flaschen wieder in den Markt gelangen.

„Hier entwickeln wir noch nah am Produkt“, sagt Trainee Patrick Niehoff. Für ihn auch ein Reiz, sich für den Mittelständler entschieden zu haben: „Man kann hier noch mal schnell in die Fertigungshalle gehen.“ Mit den Kollegen aus den anderen Trainee-Programmen ist er befreundet. Das kommt auch der Arbeit zugute. „Wir haben viele Überschneidungen, z. B. bei den Software-, Antriebs- und Wartungslösungen.“

2015 gehörte KHS zu den Top-100 der innovationsfreudigsten deutschen Mittelständler. Das Unternehmen nennt keine Zahlen, welcher Umsatzanteil mit neuen Produkten gemacht und wie viel in F&E investiert wird. 2017 wie schon 2016 belegte es einen Spitzenplatz unter den Maschinen- und Anlagenbauern im „Focus“-Ranking der besten Arbeitgeber. Auch hier wurde das innovationsfördernde Arbeitsklima hervorgehoben. Mitarbeiter dürfen ein Zehntel ihrer Arbeitszeit für die Entwicklung eigener Ideen nutzen: Die Zeit wird als „Innovationspuffer“ einberechnet. Im firmeneigenen Weiterbildungs-Campus werden neben Fachseminaren auch solche zu Kreativitätstechniken und Methodenkompetenz angeboten.

Ein Projektteam aus Trainees und erfahrenen Führungskräften ist dabei, ein internes Crowdsourcing-System für Innovationen einzuführen. Technische Problemstellungen in den Entwicklungsabteilungen werden allen Mitarbeitern im In- und Ausland über eine IT-Plattform vorgestellt. Die Beschäftigten sollen ihre Ideen in Form eines „Geistesblitzes“ kurz und ohne viele Details formulieren. Die Lösungsvorschläge werden dann auf ihre Machbarkeit geprüft.

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