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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

Braunkohlenindustrie

„Gute Chancen für die nächsten Jahren“

Von Eckart Pasche | 11. Mai 2017 | Ausgabe 19

Die Branche sieht sich als Garant für Versorgungssicherheit.

w - Braunkohlentag BU
Foto: Debriv

Braunkohlentagebau im Rheinland: Die Landesregierungen der deutschen Reviere stellen sich hinter die Kumpels und die Industrie.

Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen im Braunkohlenland Nordrhein-Westfalen (NRW) hatte der Deutsche Braunkohlen-Industrie-Verein (Debriv) auf seinem Branchentreff in Köln letzte Woche bewusst keinen Politiker auf die Rednerliste gesetzt. Politische Entscheidungen und gesetzliche Rahmenbedingungen sind dennoch das, was die Industrie derzeit umtreibt.

Im Bergbau hat die enge Verbundenheit zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft Tradition. Eine Delegation des Bezirks Alsdorf der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) machte deutlich, wo die Kumpels der Schuh drückt: IGBCE-Bezirksleiter Manfred Maresch betonte den Zusammenhang zwischen dem Wahlausgang und dem Weiterbetrieb der Tagebaue: „Unser Revier an Rur und Erft ist unsere Zukunft.“ Auch der Weltklimagipfel, der im November in Bonn stattfinden wird, bereite ihm „Sorgenfalten“.

Veränderungen dürften der Industrie bevorstehen, auch im Rheinland, nachdem schon im Lausitzer Revier – im Anschluss an den Braunkohlentag 2016 dort – der Wandel einzog. So übertrug die schwedische Vattenfall ihre Braunkohlenaktivitäten an die tschechische EPH-Gruppe, zu der bereits die Mibrag in Mitteldeutschland gehört. Die Mibrag ist das erste Unternehmen, das mit Buschhaus eine Anlage aufgrund des Beschlusses der Bundesregierung für vier Jahre in die Sicherheitsbereitschaft für Braunkohlenkraftwerke überführt hat. Das bedeutet: Der 352-MW-Block wird nur auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers angefahren.

„Diese Fahrweise kostet Arbeitsplätze und schwächt die Braunkohlenregionen wirtschaftlich“, kritisierte Matthias Hartung, Vorsitzender des Debriv-Vorstands. Doch er weiß die Politik durchaus hinter den Standorten: „Positiv bleibt, dass das Bekenntnis der Politik auf Landesebene und in den Bergbauregionen in Sachsen-Anhalt und in Sachsen Mut macht und dem mitteldeutschen Bergbau weiter gute Chancen für die nächsten Jahre gibt.“

Auch im rheinischen Revier habe die Leitentscheidung der NRW-Landesregierung zu Garzweiler ein Stück Planungs- und Investitionssicherheit gebracht, betonte Hartung. Schließlich sei für alle Tagebaue die energiewirtschaftliche Notwendigkeit für die Zeit nach 2030 bestätigt worden.

Hartung hob hervor, dass Kohlegewinnung und -nutzung im Einklang mit den europäischen und deutschen Klimaschutzzielen stünden. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen aus der Braunkohle um 40 % bis 50 % reduziert werden. Dazu würden Kraftwerke in die Sicherheitsbereitschaft überführt bzw. stillgelegt. Effizienzsteigerung und der Bau von sogenannten BoAplus-Kraftwerken, wie sie RWE am Standort Niederaußem plant, seien weitere Optionen zur CO2-Senkung. BoA steht für „Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik“, das „plus“ zum Beispiel für den Einsatz von Hybrid-Kühltürmen oder für eine Braunkohlenvortrocknung.

Georg Erdmann vom Institut für Energietechnik an der TU Berlin setzt sich mit dem Monitoring der Energiewende auseinander. Die erneuerbaren Energien existierten nur wegen des „Buhmanns“ Kernenergie, konstatierte der Professor. Er hält es für fraglich, ob es genügend Versorgungssicherheit für Deutschland gebe, wenn noch mehr Braunkohlenkraftwerke abgeschaltet würden.

Erdmann kritisierte die klimapolitischen Szenarien, weil deren Annahmen oft falsch seien, auch fehle die gesellschaftliche Legitimation der Ziele. Der Klimaschutz könne nicht erreicht werden, wenn so weitergemacht würde wie bisher. Und für langfristige Potenziale von 2030 bis 2050 fehle das technische Wissen. Es würden neue Basisinvestitionen, die 2030 ausgegeben werden müssten, benötigt.

Der Debriv plädiert dafür, anstelle immer neuer nationaler Klimaziele das funktionierende europäische Emissionshandelssystem (ETS) sinnvoll zu nutzen und fortzuentwickeln. Mit dem ETS stehe ein wirkungsvolles, kosteneffizientes Instrument mit einer gerechten Lastenverteilung im Klimaschutz zur Verfügung.

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