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Dienstag, 12. Dezember 2017

Parkettnotizen

Heimat für Start-ups und Mittelständler

Von Stefan Wolff | 16. Februar 2017 | Ausgabe 07

Das neue Börsenkind hat einen Namen: „Scale“ wird das Segment heißen, das vom 1. März an kleinen und mittelständischen Unternehmen, KMU genannt, eine Heimat bieten wird.

Foto: Miguletz

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Übersetzt heißt „Scale“ Größenordnung oder Maßstab, es kann aber auch die Tonleiter meinen – oder eben den Finanzierungsrahmen für junge Unternehmen schaffen. An Zahnsteinentfernung oder das Schuppen eines Fisches werden die Namenspaten hingegen kaum im Sinn gehabt haben. Doch auch das kann das Verb „to scale“ bedeuten.

Mit der neuen Börsenabteilung, die den „Entry Standard“ ersetzt, soll den Unternehmen der Zugang zur Börse erleichtert werden. Etwa 40 schon gelistete Firmen werden nach Einschätzung der Börse zu Scale wechseln. Ansonsten erhofft sich die Börse einen Schub an Börsengängen. Vor allem Start-ups sollen an die Börse gelockt werden.

Welche das sein werden, ist noch nicht bekannt. Der IPO-Kalender auf der Homepage der Frankfurter Börse ist leer.

Auch sonst herrscht eher Ebbe. Erst kürzlich hat der Spezialchemiekonzern Alzchem seinen Börsengang abgeblasen. Andere Kandidaten halten sich die Option offen, nennen aber keinen konkreten Termin. Oder sie werden – wie der Batteriehersteller Duracell – anderweitig übernommen. Im konkreten Fall hat Anlegerlegende Warren Buffet zugegriffen.

Börseneuphorie sieht anders aus. Trotzdem kommen die Pläne für „Scale“ durchaus bekannt vor. Parallelen zum „Neuen Markt“, der um den Jahrtausendwechsel eine historische Spekulationsblase erzeugte, will die Börse aber nicht ziehen. Sie spricht lieber von „erprobten Geschäftsmodellen“, die zu den Investoren gebracht werden sollen. Bei den Kennzahlen wird es Mindestgrößen geben. Die Betreuung durch die Börse soll nach dem Börsengang durch einen Capital Market Partner weitergehen. Auch dürften die Transparenzanforderungen deutlich höher ausfallen. Die Geschichte des „Neuen Marktes“, als das Zocken an den Börsen Einzug hielt und die maßlose Übertreibung mit einem Knall platzte, soll sich nicht wiederholen.

Einige Akteure am Finanzmarkt sehen das allerdings anders. Sie wittern das große Geschäft und sprechen jetzt schon von kommenden „heißen Start-up-Spekulationen“. Die Richtung ist klar. Es wird wieder jede Menge selbst ernannter Börsengurus geben, die in ihren Anlegerbriefen vermeintliche Kursraketen anpreisen.

Anleger sollten sich hüten, auf solch windige Versprechen zu bauen. Das neue Börsensegment wird Fachwissen erfordern. Wer hier investiert, muss sich sehr ausführlich mit der jeweiligen Materie auseinandersetzen. Und selbst danach dürften die Risiken ebenso hoch sein wie die Chancen.

Unterm Strich ist „Scale” ein gutes Projekt, das einigen Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern dürfte. Vor einiger Zeit hat die Börse mit dem Fintech-Hub einen Tummelplatz für Unternehmensgründer und Geldgeber aus der Taufe gehoben. Das neue KMU-Segment denkt diese Idee konsequent weiter.ps

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