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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Wertschöpfungsspezialist

Hightech für die Kochprofis

Von Simone Fasse, Peter Steinmüller | 9. Februar 2017 | Ausgabe 06

Die Rational AG ist weltweiter Marktführer für Kombidämpfer in Profiküchen. Gerade wurde das Unternehmen für seine Produktionsprozesse ausgezeichnet.

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Foto: Rational AG

Durchdachte Logistik: 99 % der Bauteile für die Kombi- Küchengeräte werden automatisch nachgeliefert, sobald ein bestimmter Bestand unterschritten wird.

Sowohl im Buckingham Palace in London als auch auf dem Oktoberfest in München – mit den Kombidämpfern der Rational AG wird auf der ganzen Welt gedünstet, gegrillt, gebacken, gebraten und pochiert. Mehr als 120 Mio. Essen bereiten Kochprofis täglich mit den Geräten aus Deutschland zu.

Rational AG

Der Marktanteil beträgt global rund 54 %, und die Vorstände des Unternehmens aus Landsberg am Lech sehen noch viel Luft nach oben für ihre Nische. Schließlich sei erst ein Drittel aller Groß- und Gewerbeküchen mit den Kombidämpfern und multifunktionalen Kochzentren des Unternehmens ausgerüstet, erläutern CEO Peter Stadelmann und CTO Peter Wiedemann im Gespräch mit den VDI nachrichten.

„Wir bieten den Menschen, die in Groß- und Gewerbeküchen thermische Speisen zubereiten, den höchstmöglichen Nutzen“, beschreibt Stadelmann das Leitbild. Was wie Werbung klingt, wird bei einem Besuch am Stammsitz schnell mit Leben gefüllt. Vitrinen mit Preisen von Medien, Kunden und Lieferanten reihen sich in der „Hall of Fame“ im Werk 3 aneinander, Urkunden zieren die hohe Wand. Gerade kam erneut der MX-Award (Manufacturing Excellence) in der Kategorie Logistik- und Netzwerkmanagement hinzu. Und nicht nur das: „Wir waren schon oft Kategoriesieger, aber wir wollten unbedingt auch den Gesamtsieg holen. Das ist uns 2016 gelungen“, freut sich Peter Wiedemann. Warum ist dieser Preis interessant für die Rational AG? „Wir wollen uns ständig verbessern. Der MX-Award bietet uns die Möglichkeit, sehr exaktes Feedback aus Industrie und Lehre zu erhalten“, sagt der CTO.

Foto: Rational AG

Mitarbeiter übernehmen bei Rational nach dem Motto „ein Mann, ein Gerät“ Verantwortung für ihre Produkte und beteiligen sich an Verbesserungsprozessen.

Rational setzt an ihrem Hauptsitz bereits seit den 1990er-Jahren das um, was derzeit im Zuge von Industrie 4.0 viele Unternehmen versuchen: Eine schlanke Produktion, Agilität, Arbeit in gemischten Teams, kontinuierliche Prozessverbesserung sowie eine hohe Eigenverantwortung der Mitarbeiter ziehen sich durch den gesamten Betrieb. Eine Krise gab den Anlass, den 1973 gegründeten Hersteller für Kombidämpfer radikal umzubauen. Firmengründer Siegfried Meister und Peter Wiedemann fanden damals heraus, dass es für einen einzigen Auftrag allein 17 Schnittstellen gab. Hier setzten sie an: Sie schafften Abteilungen und Hierarchiestufen ab, reduzierten Schnittstellen und bauten die Abläufe konsequent um. „Wir haben das Unternehmen entlang der Geschäftsprozesse organisiert.“

Konkret heißt das: Ein Mitarbeiter ist für ein Gerät verantwortlich. Auf Inseln mit je 20 bis 30 Beschäftigten wird ein Modell gebaut. Dabei hat jede Insel ihre eigene Logistik und ihren eigenen Wareneingang, in der Lieferkette wird nach dem Kanban-Prinzip gearbeitet – wird ein bestimmter Bauteilbestand unterschritten, wird automatisch nachgeliefert. „Das garantiert kürzeste Durchlaufzeiten, sichert höchste Qualität und ermöglicht eine große Flexibilität“, sagt Wiedemann.

Außerdem identifizieren sich die Mitarbeiter mit den Produkten und ihrer Firma. „Die gesamte Wertschöpfung findet auf 45 m statt.“ Rund 300 Geräte werden täglich in Landsberg produziert. Schon einen Tag nach der Bestellung wird versendet. Die Mitarbeiter, die als „Unternehmer im Unternehmen“ gelten, werden zudem ermutigt, sich für ihr Team an Programmen für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) zu beteiligen und die Maßnahmen dafür selbst zu verwirklichen. Für jeden umgesetzten KVP gibt Rational 10 € in die Teamkasse. Ist die gut genug gefüllt, können die Teams das Geld für gemeinsame Reisen oder andere Aktivitäten einsetzen.

Rational sieht sich nicht als Maschinenbauer, sondern als Lösungsanbieter. „Alle reden vom autonomen Fahren – wir kochen schon seit 2004 autonom“, sagt Stadelmann. An der weiteren Vernetzung und Digitalisierung wird gearbeitet. Die Rückmeldungen der Nutzer sowie die Erfahrungen, die mehr als 1000 Köche im Auftrag von Rational von Südamerika bis Asien sammeln, fließen dabei in alle Produkte ein. Prototypen werden mit langjährigen Kunden getestet. „Unsere Unternehmensphilosophie spiegelt sich im Aufbau unserer Forschung und Entwicklung wider. Dort arbeiten Physiker, Lebensmittelwissenschaftler, Entwicklungsingenieure und Küchenmeister eng zusammen“, so Wiedemann. Auch mit den Lieferanten besteht ein enger Austausch. Die Ansprüche sind hoch: Die Leistung der Anbieter wird in regelmäßigen Rankings transparent gemacht. 99 % des Materials kommt nach dem Kanban-Prinzip. „Jeder Lieferant muss Kanban können.“

Den Großteil des Geschäfts macht Rational im Export, 15 % des Absatzes gehen nach Nordamerika. 2016 stiegen die Umsatzerlöse um 9 % auf 613 Mio. €. „Wir werden mit unserem Geschäft auch weiterhin nur die Nische ‚thermische Küche’ bedienen. Weil wir nur das eine tun, werden wir schneller besser.“ Im Konsumgütersegment werden Geräte von Rational also vorerst nicht zu finden sein.

Zahlen wie Umsatz und Gewinn sind als Ergebnis laut Aussage von CEO Stadelmann ohnehin nicht das oberste Ziel. „Sicherlich wäre ein Ausbau des Vertriebs möglich, aber das holt uns an anderer Stelle wieder ein.“ In der täglichen Arbeit bedeute dies, dass der Vertrieb nicht immer das größte und teuerste Gerät empfehle, sondern eben das, das wirklich zu den Bedürfnissen der Kunden passe. „Unser Außendienst geht mit der Kochjacke zum Kunden“, beschreibt es Stadelmann. „Er kommt als einer von ihnen und will nicht in erster Linie verkaufen, sondern unterstützen. Das stärkt die Kundenbindung.“ Wie hoch diese Bindung ist, zeigt sich im „Club Rational“. Allein über Facebook tauschen sich hier knapp 160 000 Follower über Neuheiten oder Rezeptideen aus.

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