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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

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Wohnungsbau

Hoch hinaus mit Holz

Von Kristina Simons | 18. Mai 2017 | Ausgabe 20

Schweden baut mittlerweile verstärkt aus Holz, sogar Hochhäuser. Auch in Österreich und Deutschland hat der Baustoff Freunde.

BU Holzhochhäuser
Foto: Petra Bindel/Folkhem

Mit Holzbauten wie diesem kommen Mehrfamilienhäuser aus Holz zurück in die schwedischen Städte. Neben diesem „Strandparken“ genannten sind in Sundbyberg 18 weitere Projekte geplant.

Die schwedische Wohnungsbaugesellschaft Folkhem (zu Deutsch: Volksheim) will Holz durch den Neubau von Mehrfamilienhäuser zurück in die Städte bringen. In Sundbyberg, etwa 8 km nördlich von Stockholm, hat sie ihr erstes Projekt verwirklichen lassen. „Strandparken“ heißen die beiden achtgeschossigen Häuser mit insgesamt 31 Wohnungen, die – und das ist bislang einzigartig – komplett aus Holz bestehen. Ihre Baukörper sind aus vorfabrizierten Massivholzmodulen zusammengesetzt, die außen mit Holzschindeln verkleidet sind. Auch Böden, Decken, Wände sowie die Balkone bestehen aus Holz.

Die Häuser kommen ohne Stahl oder Beton aus, und durch den nachwachsenden Rohstoff fällt die CO2-Bilanz der Gebäude – zumindest rechnerisch – sogar mit -1000 t CO2 negativ aus. Zwar wurden auch durch den Bau der beiden Strandparken-Häuser je 600 t CO2 ausgestoßen. „Doch das entspricht nur etwa der Hälfte eines vergleichbaren Betonbaus“, sagt Folkhems Geschäftsführer Arne Olsson. „Zudem bindet Holz während seines Wachstums CO2, umgerechnet auf den Strandparken pro Haus 1600 t.“

In Schweden werden für jeden gefällten Baum drei bis vier neue gepflanzt. „Die rund 1000 m3 Holz, die für jedes unserer Häuser verbaut wurden, produziert der schwedische Wald in nur 1 min“, sagt Olsson.

Foto: Christopher Johnsson/Folkhem

Alles Holz: Neben den Balkonmöbeln sind auch der Balkon selbst, die Fassade und die Tragstruktur des Achtgeschössers aus Holz.

Er bewohnt seit Ende 2016 mit seiner Frau eine Wohnung im Strandparken. Das hölzerne Treppenhaus schluckt Tritte und andere Geräusche stärker als im Betonbau. Das Raumklima der Wohnung ist behaglich. „Das kommt durch die dicken Holzschichten“, erklärt der Schwede. „Sie regulieren die Luftfeuchte und sorgen für die gute Dämmung.“ Und machen die Fußbodenheizung oft überflüssig: Sie springt erst bei -10 °C Außentemperatur an.

Erst seit wenigen Jahren setzt man wieder auf Holz. Vor allem rechtliche Gründe haben Architekten und Bauherren trotz vieler Vorzüge bisher im mehrgeschossigen Bau von Holz Abstand nehmen lassen: So durften Holzhäuser in Schweden bis 1994 nur maximal zwei Geschosse haben, in Deutschland änderte sich die Rechtslage sogar erst 2002. Verheerende Stadtbrände hatten Ängste vor mangelndem Feuerschutz geschürt. Inzwischen reicht in Schweden ein Brandschutznachweis. „Unser Holz ist geschichtet und wird gepresst, dadurch enthält es kaum anfeuernde Sauerstoffporen und brennt nicht schneller als herkömmliche Baumaterialien“, erläutert der Folkhem-Geschäftsführer. Die Stockholmer Feuerwehr hat das Projekt deshalb unterstützt. Jeder Raum ist mit einer Sprinkleranlage ausgestattet.

 Folkhem lässt inzwischen nur noch in Holz bauen. „Wir planen im Umkreis der schwedischen Hauptstadt bereits 18 weitere Projekte mit sechs bis 22 Geschossen.“ Damit begegnet die Wohnungsbaugesellschaft jenseits der Klimafrage noch einem weiteren Problem: In Städten wie Stockholm wächst die Bevölkerung rasant und der Wohnraum wird immer knapper. Mit Holz lässt sich schnell bauen, gerade mal sieben Monate betrug die Bauzeit der Strandparken-Häuser. Holzwände sind zudem sehr viel dünner als Steinwände, entsprechend größer ist die Wohnfläche.

Auch in Deutschland erlebt Holz seit einigen Jahren beim urbanen Hausbau ein Revival, selbst an Mehrgeschosser wagen sich immer mehr Architekten heran. Sie werden allerdings normalerweise in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet, also aus Holz plus Beton und/oder Stahl.

Der Berliner Architekt Tom Kaden leistete 2008 Pionierarbeit und stellte damals mit seinem Wohnhaus in der deutschen Hauptstadt das höchste Holzhaus Europas fertig. Die Geschossdecken bestehen hier aus einem Holz-Beton-Verbund. Nachdem in Deutschland die strengen Höhenbeschränkungen im Jahr 2002 fielen, sind hierzulande fünf Geschosse in Holzbauweise erlaubt; höher geht es nur mit Sonderauflagen. „Ein ausgeklügeltes Brandschutzkonzept und die frühzeitige Abstimmung mit der Bauaufsichtsbehörde machten den Bau des 22 m hohen Gebäudes möglich“, erläutert Kaden. So wurden zum Beispiel die Wandelemente und Pfeiler mit Gipsfaserplatten eingekapselt.

In Österreich wachsen Holzbauten mittlerweile ebenfalls in die Höhe. Im neuen Wiener Stadtteil Aspern entsteht mit dem „HoHo Wien“ das höchste Holzhaus der Welt: 84 m soll es in die Höhe ragen und 24 Stockwerke beherbergen. Spatenstich war im letzten Oktober, inzwischen liegt das Fundament, 2018 soll das Mammutprojekt fertig sein. Auch das HoHo Wien wird in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet: mit einem Erschließungskern aus Stahlbeton, auf den ab dem Erdgeschoss eine Holztragekonstruktion aufsetzt. Die gesamte Konstruktion wird zu rund 75 % aus Holz bestehen, insgesamt werden etwa 3600 m3 davon verbaut, etwa 0,6 Promille des jährlichen österreichischen Holzüberschusses. Gegenüber einem vergleichbaren Stahlbetonbau spart das nach Angaben des Investors Kerbler Holding rund 2800 t CO2-Äquivalente.

Die Brandschutzvorschriften für Holz sind auch in unserem Nachbarland deutlich strenger als die für Stahl oder Beton; Holzhäuser dürfen da maximal fünf Geschosse oder 22 m hoch sein. „Das Konzept für das HoHo Wien entstand deshalb von Anfang an in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden“, sagt Romana Hoffmann von der Kerbler Holding. „Der behördliche Brandschutztest im Jahr 2015 hat alle überrascht.“ Die Simulation zeigte, dass das Haus mindestens 90 min lang stabil bleibt und das Feuer nicht auf andere Gebäude übergreift.

Möglich wird das unter anderem durch sehr klein gehaltene Brandabschnitte, eine Sprinkleranlage sowie eine flächendeckende Brandmeldeanlage. „Die Brandlast, also die beim Verbrennen entstehende Wärme, ist zwar eine höhere, da die hölzerne Tragstruktur zu brennen beginnt. Aber durch Bildung einer Oxidations- oder Verkohlungsschicht wird der Abbrand verzögert und kontrollierbar“, erläutert Hoffmann.

Stahl sei zwar nicht brennbar, aber es verliere unter Hitzeeinfluss seine Festigkeit schlagartig, auch in Stahlbetonträgern. Unter Sicherheitsaspekten spricht heute also nichts mehr gegen das Bauen mit Holz.kur

http://www.folkhem.se/strandparkenhttp://www.hoho-wien.at

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