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Dienstag, 12. Dezember 2017

Automation

„Höchstens 5 % der Sensordaten werden bisher genutzt“

Von Martin Ciupek | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Wie der Maschinenbau von sicheren Cloud-Lösungen profitieren kann, erklärt Myriam Jahn, Vorstand der Ifm-Tochter Tisc AG aus Essen.

VDI nachrichten: Warum beschäftigt sich der Sensorspezialist Ifm nun mit seiner Tochter TiSC AG so intensiv mit Cloud-Lösungen?

Jahn: Die Cloud ist für den Maschinenbau und die Automatisierungstechnik das richtige Thema, weil sie die Datenverarbeitung und -visualisierung effizient macht. Höchstens 5 % der Sensordaten aus einer Maschine werden bisher genutzt. Der Rest ist verloren. Man spricht auch von Dark Data. Da wir selbst ein mittelständisches Unternehmen sind, sehe ich uns aber auch in der Verantwortung Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn unser mittelständisch geprägter Maschinenbau ist das Herz unserer deutschen Wirtschaft.

 

Können Sie das bitte näher erklären.

 Dass sich Unternehmen mit der Datenverarbeitung in der Cloud so schwer tun, liegt einmal an der Datensicherheit – NSA und Co. Aber es liegt noch viel mehr an der Datenhoheit. Das Bundesdatenschutzgesetz schützt nur Persönlichkeitsrechte, nicht Maschinenrechte. Das bedeutet, dass Daten, die heute so „einfach“ auf Clouds geschoben werden, genauso einfach weiterverkauft werden können. Bei US-amerikanischen Cloud-Anbietern gibt es sogar Unterverträge, bei denen Daten schon verkauft sind, bevor sie die überhaupt haben. Bei der Frage nach Datensicherheit verweisen die Cloud-Anbieter dann darauf, dass ihr Datencenter sicher ist. Das stimmt sogar. Aber das hilft nichts, wenn die Daten weiterverkauft werden – selbst wenn sie dazu anonymisiert werden.

 

Was bedeutet das konkret für den Maschinenbau?

Wir wissen, dass das Know-how der Maschinenbauer hauptsächlich in der Steuerung steckt. Auf der anderen Seite hat z. B. Google sich Robotikexperten eingekauft und damit Deep-Learning-Algorithmen entwickelt. Deswegen sollte der Maschinenbau ein Interesse haben, seine Steuerungsdaten nicht öffentlich zu machen. Wir bieten hier eine Lösung, die nicht nur sicher ist, sondern bei der die Datenhoheit auch garantiert bei unseren Kunden verbleibt. 

 

Wie sieht ihre Lösung aus?

Unsere Lösung ist es, Daten, die aus den Sensoren der Maschine kommen, auf der Cloud in immer neuen Applikationszusammenhängen darzustellen und auszuwerten. Die TiSC AG bietet damit individuell zusammenstellbare Softwaremodule in Form von Apps auf der Cloud an. Sie profitiert dabei ganz klar von dem Applikations-Know-how des Mehrheitsgesellschafters und Automatisierers ifm.

 

Woher kommen die Rechenkapazitäten dafür?

Nach langer Analyse unterschiedlicher Cloud-Anbieter haben wir Verträge mit SAP geschlossen. Mit US-Unternehmen konnten wir uns bezüglich des Datenbesitzes nicht einigen. 

 

Sie sprachen Anfangs von Effizienz. Was bringt die Umstellung auf Cloud-Technologien?

Daraus ergeben sich z. B. Einsparungen bei Softwarelizenzkosten von mindestens 10 % bis 20 %. Üblicherweise kommen bisher zudem gut 20 %/a Wartungskosten auf die Softwarelizenzkosten drauf.

Auch der Beratungs- und Implementierungsaufwand ist bei Cloud-Lösungen um bis zu 80 % geringer. Das liegt daran, dass die Lösungen sonst üblicherweise in ein bestehendes IT-Umfeld integriert werden müssen, das jedes Mal anders ist. In der Cloud gibt es ein einheitliches Umfeld.

 

Können Sie einen Eindruck geben, über welche Datenmengen Sie in ihren Anwendungsfeldern sprechen?

Es geht meistens um die Datenmenge pro Zeiteinheit. In einer Stahlwalzanlage gibt es etwa 20 000 Sensoren. Wäre jeder davon ein IO-Link-Sensor, also Industrie-4.0-ready, dann würden pro Jahr etwa 3600 Terabyte an Daten produziert. Wenn ich versuche, diese Daten im Millisekundentakt an die IT zu geben, kommt nichts Vernünftiges dabei raus. Also muss ich das mindestens auf den Sekundenbereich herunterbrechen und vor Ort z. B. Durchschnittswerte ermitteln. Auf der anderen Seite benötige ich z. B. in der Schwingungssensorik millisekundengenaue Informationen zu einem Ereignis. Nur so kann ich den Schadenseintritt analysieren. Diese Unterschiede zwischen der Überwachung betriebswirtschaftlicher Prozesse im ERP-System und technischer Abläufe in der Anlagenüberwachung gilt es mit individuellen App-Programmen und von der Cloud verwalteter Rechenkapazität vor Ort zu managen. Dazu setzen wir unsere LR Box ein. 

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