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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Cebit

IT-Festival unterm Expo-Dach

Von Jens D. Billerbeck | 30. März 2017 | Ausgabe 13

Mehr Event, mehr Jugend, mehr Dialog – die Deutsche Messe verkündet den Radikalumbau der Cebit.

Cebit BU
Foto: J. D. Billerbeck

Kompakt: Die einzelnen Ausstellungsbereiche der neuen Cebit sind rund um den Campus angeordnet. Das verspricht kurze Wege.

Nervosität war dem Cebit-Chef Oliver Frese durchaus anzumerken, ging es doch darum, auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Mittwoch vergangener Woche die „größten Veränderungen der Cebit seit Ausgründung aus der Hannover Messe“ bekannt zu geben.

Angekündigt war die Konferenz relativ unspektakulär als Halbzeitbilanz der gerade laufenden Cebit 2017, doch schnell machten Gerüchte die Runde, per Twitter hieß es, dass die Messe künftig im Juni stattfinden werde. Und richtig: Es fehlten auf dem Messegelände alle sonst üblichen groß plakatierten Hinweise auf die Cebit 2018. Im Haus der Nationen löste sich dann das Rätsel: „Vergessen Sie alles, was Sie bisher über die Cebit wussten“ stand auf bunten Flyern und darunter: Cebit 2018, 11. bis 15. Juni 2018.

Foto: J. D. Billerbeck

Zentraler Platz: Unter dem hölzernen Expo-Dach wird die neue Cebit auch als Freiluft-Event zu erleben sein. Im Juni hofft man dafür auf gutes Wetter.

Messechef Frese ließ die Katze aus dem Sack: Rund um das Freigelände unter dem Expo-Holzdach wird die neue Cebit ihren Platz finden. Er hatte die nicht ganz dankbare Aufgabe, einen neuen Aufbruch zu verkünden, ohne die bisherige Entwicklung der Cebit schlechtzureden. Denn natürlich zog er eine positive Bilanz der laufenden Messe: mehr Aussteller, mehr Fläche, mehr Besucher, und alle seien hochzufrieden.

Tatsache ist aber auch, dass die in den vergangenen vier Jahren stattgefundene Fokussierung unter dem Schlagwort D!conomy und die Beschränkung der Messe auf Fachbesucher immer wieder kritisiert wurde – allen Erfolgsmeldungen der Messeverantwortlichen zum Trotz.

Jetzt also heißt es Revolution statt Evolution – jedenfalls ein bisschen. Frese will Bewährtes erhalten und Neues dazutun. „Natürlich muss hier auch künftig Geschäft passieren“, sagte er. „Gutes Geschäft auf internationalem Niveau.“ Auch die politische Relevanz der Messe will er weiter ausbauen: „Mehr Minister, mehr europäische Union, mehr politisches Agendasetting.“

Dazu wird rund um das zentrale Freigelände, das nun D!campus heißt, eine dreigeteilte Messe organisiert. Unter dem bewährten Label D!conomy werden Zielgruppen und Angebote zu allen Themen der Digitalisierung von Unternehmen und öffentlichen Auftraggebern vereint. Das ist praktisch der Kern der „alten“ Cebit. D!tec nennt sich der Ausstellungsschwerpunkt rund um disruptive Technologien, Forschung und Start-ups. Und zu guter Letzt fasst D!talk Konferenzen, Workshops und Keynotes zusammen und soll Raum für Diskussion und Wissensvermittlung bieten.

Einhergehen wird das Ganze mit einer Verkürzung der Kernmesse, denn der erste Tag (Montag) soll Medien und Politik vorbehalten werden. Dienstag bis Donnerstag ist dann „normales“ Cebit-Geschäft angesagt, ab Donnerstagabend soll der Festivalcharakter in den Vordergrund rücken und am Freitag ist dann auch das breite Publikum wieder auf der Messe erwünscht. Frese: „Die Digitalisierung muss für die Menschen erlebbar, anfassbar werden und wir müssen uns neuen Zielgruppen öffnen.“

Heiko Meyer, Deutschlandchef von HP Enterprise und Vorsitzender des Messeausschusses, lobte: „Das neue Konzept der Cebit ist kein einfaches ‚Weiter so‘, es wird überraschen und begeistern. Der neue Termin im Juni eröffnet viele Chancen auf gelungene Inszenierungen digitaler Technologien.“ Und Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder meinte: „Ein Facelift der Cebit ist nicht mehr ausreichend. So, wie sich die Branche weiterentwickelt, muss sich auch ihre Eventplattform weiterentwickeln.“

Auch die Deutsche Telekom sieht das Konzept positiv. „Die Cebit präsentiert innovative digitale Produkte und Dienstleistungen und steht damit für Transformation und Disruption. Deshalb ist es richtig und konsequent, neue Wege zu gehen“, sagte Vorstandsmitglied Reinhard Clemens. Ein Sprecher sagte, man werde aktiv an der Ausgestaltung der neuen Cebit mitarbeiten und dann auf dieser Basis über das Messeengagement in Hannover entscheiden.

Auch der deutsche Netzwerkausrüster Lancom begrüßt das neue Cebit-Konzept: „Wir sind gespannt auf die konkreten Umsetzungspläne“, sagte Lancom-Chef Ralf Koenzen den VDI nachrichten. „Die radikale Neuausrichtung verspricht schon jetzt jede Menge frischen Wind. Zudem bringt die Verlagerung in den Frühsommer für uns eine willkommene Entzerrung des bislang sehr dicht getakteten Messekalenders im ersten Quartal mit sich.“

Negativ reagierten andere Aussteller, vor allem im brummenden Schwerpunktbereich IT-Security. Hier waren die Informationen im Vorfeld offensichtlich nicht sprudelnd geflossen, wie verschiedene Unternehmen erklärten. Stefan Rojacher von Kaspersky Lab sagte laut dpa: „Die starke rückläufige Entwicklung der vergangenen Jahre und eine Verwässerung eines eindeutigen Messekonzepts machen es derzeit schwer, an einen erfolgreichen Neustart der Cebit zu glauben.“

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