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Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

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Parkettnotizen

Immer noch nichts für schwache Nerven

Von Stefan Wolff | 29. Juni 2017 | Ausgabe 26

An den Finanzmärkten ist von einem Ritterschlag die Rede, der der Volksrepublik China zuteil werden soll. Der Finanzdienstleister MSCI wird künftig chinesische Aktien, die an den Festlandbörsen in Schanghai und Schenzen gehandelten werden, in seinem Index für Schwellenländer berücksichtigen.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Bis August sollen die Papiere von 222 dort gelisteten Unternehmen aufgenommen werden. Sie kommen damit auf einen Anteil von 0,75 % im Aktienindex „MSCI Emerging Markets“.

Das klingt erst einmal nach wenig, ist aber ein Meilenstein. Die an den Festlandbörsen notierten sogenannten A-Aktien werden in der chinesischen Landeswährung Renminbi gehandelt und konnten bislang nur von Chinesen erworben werden. Ausländische Anleger mussten auf H-Shares ausweichen, also auf in Hongkong in Fremdwährung gehandelte Wertpapiere. In Zukunft müssen sich Fondsmanager, die den Index abbilden, mit den entsprechenden Aktien eindecken. Größere Kurssprünge sind deshalb nicht zu erwarten. Wohl aber können sich chinesische Unternehmen einer wachsenden Aufmerksamkeit erfreuen.

Damit dürften auch die Investitionen in China einen weiteren Schub erfahren. Die Bedeutung der chinesischen Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. China steckt im Wandel, will nicht mehr die verlängerte Werkbank der Welt sein, sondern selbst Technologie- und Hightech-Standort. Einige Firmen gehören bereits zu den größten Konzernen der Welt.

In einem ersten Schritt bedeutet das, dass sich Unternehmen und Anleger auf kleinere Wachstumsraten einstellen müssen. Die Zeiten, in denen das chinesische Bruttoinlandsprodukt um 10 % und mehr wuchs, sind vorbei. Dafür wird aber – wenn alles gut läuft – das Wachstum auf ein breiteres Fundament gestellt. Ziel ist es, in China einen kaufkräftigen Mittelstand zu etablieren.

Diesen Wandel in Chinas Wirtschaft und Gesellschaft spiegelt nun auch MSCI. Der Indexanbieter hatte noch vor einigen Monaten abgelehnt, A-Aktien aufzunehmen. Beobachter erwarten nun, dass die Gewichtung chinesischer Aktien kontinuierlich steigt und dass gleichzeitig auch die Transparenz des chinesischen Marktes zunimmt. Anleger sollten trotz der wachsenden Bedeutung China mit äußerster Vorsicht genießen. Die Aktienkurse fallen (wie die in anderen Schwellenländern auch) durch große Kursschwankungen auf. So ist der MSCI China Index (der ausschließlich H-Aktien beinhaltet) seit Jahresbeginn um ein Viertel gestiegen. Es hat aber auch schon zum Teil kräftige Kursstürze gegeben. Viel vom China-Boom ist auf Pump gekauft. Die letzten großen Crashs hat es in den Jahren 2015 und 2016 gegeben. Das war nichts für schwache Nerven.

Die Entwicklung zeigt aber auch noch etwas anderes. Aktienmärkte spiegeln nicht unbedingt die weltweite Realität wieder. So ist beispielsweise das G-20-Mitglied Saudi Arabien nicht auf dem MSCI-Radar. Auch das dürfte sich mittelfristig ändern.  

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