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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Energiewirtschaft

Immer teurer

Von Stefan Schroeter | 19. Oktober 2017 | Ausgabe 42

Der Ausbau der deutschen Übertragungs- und Verteilnetze bedeutet für Haushalts- und Gewerbekunden weiter wachsende Belastungen.

w - Netzentwicklungsplan BU
Foto: dpa Picture-Alliance/Martin Schutt

Der Stromnetzausbau bringt manche Bürger, die um die heimische Umwelt fürchten, in Deutschland auf die Straße. Dass auch die Stromnetzentgelte steigen werden, wird so breit noch nicht debattiert.

Der geplante Ausbau des deutschen Stromübertragungsnetzes bis zum Jahr 2030 führt zu stark steigenden Übertragungsnetzentgelten. Sie fließen in die Strompreise der Endkunden ein und verursachen dort einen weiteren Anstieg. Das geht aus Antworten der Bundesnetzagentur auf eine Anfrage der VDI nachrichten hervor: Die Behörde rechnet bis 2030 für den Netzausbau im Übertragungsnetz mit Investitionskosten von 30 Mrd. € bis 33 Mrd. €.

Diese Investitionen verursachen jährliche Abschreibungen und Kosten für Betrieb und Instandhaltung. Die daraus abgeleiteten entgeltwirksamen jährlichen Zusatzkosten schätzt die Bundesnetzagentur auf bis zu 2,8 Mrd. €. Damit würden die Kosten für das gesamte deutsche Übertragungsnetz, die in Netzentgelte einfließen, von 3,84 Mrd. € im Jahr 2016 um bis zu 73 % auf bis zu 6,64 Mrd. € im Jahr 2030 steigen.

„Den Kostensteigerungen stehen allerdings in mindestens gleicher Höhe ersparte Kosten für Einspeisemanagement, Redispatch und Reservekraftwerke gegenüber, die ohne den Netzausbau in zunehmendem Maße erforderlich würden“, so die Regulierungsbehörde.

Diese Maßnahmen sind derzeit erforderlich, um die erheblichen innerdeutschen Engpässe beim Stromtransport und die großen regionalen Ungleichgewichte bei Stromangebot und -nachfrage auszugleichen. Die jährlichen Kosten dafür hatten 2015 mit 1,14 Mrd. € ihren bisherigen Höhepunkt erreicht, sie können künftig aber noch kräftig steigen. Offizielle, finale Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor.

Im Prinzip wäre es denkbar, den Stromgroßhandel an Engpässe und Ungleichgewichte anzupassen, um die zunehmend starken überregionalen Stromflüsse abzuschwächen und so den Netzausbau zumindest in Teilen zu vermeiden. Bisher gilt im Großhandel ein einheitliches Strombörsen-Marktgebiet für Deutschland und Österreich, in dem gleiche Preise für Stromlieferungen ermittelt werden.

Die dadurch entstehenden Widersprüche zur technischen Wirklichkeit werden derzeit mit Einspeisemanagement, Redispatch und Reservekraftwerken gelöst; langfristig soll der Netzausbau helfen. Dabei wird in Fachkreisen schon lange die Alternative diskutiert, kleinere Marktgebiete mit weniger widersprüchlichen Preisen einzuführen. Darauf ist die Bundesnetzagentur bisher nur teilweise eingegangen: Ab Oktober 2018 soll das österreichische Marktgebiet vom deutschen Marktgebiet getrennt werden.

Ein weiterer Schritt in dieser Richtung könnte sein, das dann verbleibende deutsche Marktgebiet weiter aufzuteilen. Doch das kommt für die Behörde derzeit nicht in Betracht. Daher hat sie bisher nach eigenen Angaben auch noch keine Untersuchungen darüber angestellt, in welchem Umfang eine solche Aufteilung dazu beitragen könnte, Kosten für den Ausbau der Übertragungsnetze zu vermeiden.

Möglicherweise will sie sich diesem Gedanken aber auch nicht verschließen. Das deutete Achim Zerres, Abteilungsleiter Energieregulierung bei der Bundesnetzagentur, im September auf einer Veranstaltung in Leipzig an. Über regionale Preissignale an der Strombörse könne man einmal sehr ernsthaft nachdenken, sagte er dort.

Die Netzentgelte der Stromkunden steigen allerdings nicht nur wegen des Netzausbaus im Übertragungsnetz. In den regionalen Verteilnetzen ist ein Ausbau nötig, damit sie die wachsenden Mengen des dezentral erzeugten Solar- und Windstroms transportieren können.

Nach einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) aus dem Jahr 2014 müssen die Verteilnetzbetreiber dafür bis 2032 zusätzlich 28 Mrd. € investieren. Wie sich das genau auf die Netzentgelte auswirkt, wurde nicht ermittelt.

Steigende Netzentgelte wirken sich vor allem auf Haushalts- und Gewerbekunden aus. Große Stromverbraucher sind dagegen schon weitgehend von Netzentgelten befreit worden. Daher ist es vor allem interessant, mit welchem weiteren Netzentgeltanstieg kleine Stromverbraucher zu rechnen haben. Beispiel: Ein Leipziger Haushaltskunde mit 1800 kWh Jahresverbrauch zahlt derzeit für Stromnetzentgelte einen Preis von netto 8,45 Cent/kWh. Darin enthalten sind anteilig Übertragungsnetzentgelte (1,17 Cent/kWh) und Verteilnetzentgelte (2,14 Cent/kWh). Stiegen die Übertragungsnetzentgelte bis 2030 so stark wie dessen Kosten, die die Bundesnetzagentur annimmt, also um 73 %, dann lägen sie 2030 bei 2,02 Cent/kWh. Das macht im Jahr 18 € mehr als heute.

Für die Verteilnetzentgelte gilt: Sie dürften auf Dauer steigen. Studien, wie die des BMWi, nennen Investitionssummen, aber keine Entgeltberechnungen bis 2030. Die in Leipzig zuständigen Netzbetreiber nennen keine Zahlen. Stiegen die Verteilnetzentgelte aber so wie die für die Übertragungsnetze, müsste der Leipziger Stromkunde 2030 noch einmal gut 33 € im Jahr drauflegen.

Alle Weichen scheinen bereits für den Netzausbau gestellt zu sein. Übertragungsnetzbetreiber und Bundesnetzagentur legen seit 2012 ihre Netzentwicklungspläne vor. Darin sind vor allem vier große Starkstromtrassen enthalten, die Wind- und Solarstrom von Norden und Osten nach Süden transportieren sollen.

Hinzu kommen Ergänzungsprojekte. Derzeit ist ein weiterer Netzentwicklungsplan in Arbeit, der bis zum Jahr 2030 reicht. Er passt die schon beschlossenen Projekte an aktuelle Entwicklungen an und enthält auch neue Projekte. Bis 2019 oder 2020 soll er in ein neues Bundesbedarfsplangesetz münden.

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