Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Windkraft

Japaner im Aachener Teststand

Von Dierk Jensen | 27. Juli 2017 | Ausgabe 30

Die Aerodyn Engineering errichtet 2018 in Japan eine schwimmende Offshore-Windmühle.

w - aerodyn BU
Foto: Jan Oelker

Im 4-MW-Systemprüfstand des Center for Wind Power Drives an der RWTH Aachen werden auch Anlagen für den Offshore-Einsatz getestet.

Der mehrwöchige Testlauf hier ist schon ideal“, sagt Jörg Zeumer von der Firma Recase, die das Team von Aerodyn bei Entwicklung und Bau der schwimmenden SCD 3 MW unterstützt. Wenn alles nach Plan läuft, soll der extra für das schwimmende Fundament modifizierte Zweiflügler, finanziert von der japanischen Agentur New Energy and Industrial Technology Development, im Frühjahr 2018 in japanischen Gewässern errichtet sein.

Elektrotechniker Zeumer, der früher beim einstigen Anlagenhersteller Repower den Bereich Systemtechnik leitete, wundert sich, dass bisher nur relativ wenig Windkraftanlagenhersteller das Equipment der Aachener CWD nutzen. Neben der Volllastmessung aller Dreh- und Biegemomente, Zeitreihensimulationen sowie der Simulation netzseitiger Spannungsabfälle ist auch ein Test bei einer Netzfrequenz von 60 Hz möglich. Diese ist auch im Süden Japans im Offshore-Testfeld von Kitakyushu anzutreffen. „Das ist natürlich ein großer Vorteil, den uns die CWD hier bietet“, freut sich Sönke Siegfriedsen, Chef-Konstrukteur und Geschäftsführer der in Büdelsdorf ansässigen Aerodyn Engineering.

„Wir wollen schon in fünf Jahren so weit sein, dass wir 50 schwimmende Zweiflügler pro Jahr aufstellen“, gab Seiichiro Okuhara, Vorstandschef des japanischen Unternehmens Glocal, in Aachen einen Einblick in die Zukunftspläne. Die in Hiroshima beheimatete Glocal ist erst seit Kurzem in der Windenergie engagiert und hat von der Aerodyn Engineering GmbH die Rechte für den Bau von SCD-Maschinen mit 3 MW, 6 MW und 8 MW Leistung erworben.

Zu diesem Paket gehört auch die Lizenz zum Bau der schwimmenden Offshore-Plattform Nezzy. „Wir müssen das Meer erobern, ansonsten kommt der Ausbau der erneuerbaren Energien in unserem Land nicht entscheidend weiter“, postuliert Okuhara. Aktuell liegt der Anteil erneuerbarer Energien in Japan bei 5 %; ihn will die japanische Energiepolitik aber bis 2025 auf 25 % erhöhen. Okuhara ist optimistisch: Schon im Jahr 2025 werde man dem japanischen Verbraucher die Kilowattstunde Offshore-Windstrom für umgerechnet 12 Cent anbieten können.

„Wir haben eine Auslastung unseres Teststandes bis Ende 2018“, sagt CWD-Direktor Ralf Schelenz. Hauptsächlich geht es dabei um Forschungsvorhaben von Studenten der RWTH AAchen, die dafür eine extra für diese Zwecke erworbene und leicht modifizierte 2,7-MW-NEG-Micon benutzen.

Aufträge aus der Windenergieindustrie – wie die in Rendsburg gefertigte SCD 3 MW – sind indessen noch rar. „Die Branche ist noch sehr verhalten“, räumt Schelenz ein. Doch ist er davon überzeugt, dass sich das in Zukunft ändern wird: „Wenngleich unser Teststand relativ teuer ist, verhält es sich mit Tests im Feld bei variierenden Windverhältnissen wesentlich komplizierter; zudem muss man draußen ständig Rücksicht auf den Netzbetrieb nehmen, bei uns nicht.“

stellenangebote

mehr