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Donnerstag, 14. Dezember 2017

E-Mobilität

Kampf um die Reichweite

Von Notker Blechner | 9. März 2017 | Ausgabe 10

Noch sind Elektroautos ein Ladenhüter. Das soll sich bald ändern. Auf dem Autosalon in Genf sorgen einige Concept Cars für Furore.

BU Genf
Foto: Adam Opel AG

Der neue Opel Ampera-e soll ab Frühjahr neben dem Tesla das reichweitenstärkste Auto hierzulande sein.

Die Zukunft des Automobils ist elektrisch – langfristig führt an der Elektromobilität kein Weg mehr vorbei. Auf dem Automobilsalon in Genf (9. bis 19. März) zeigen viele Autobauer, wie sie sich diesen Weg vorstellen.

VW gab mit der Designstudie I.D. bereits einen Ausblick auf den vollelektrischen Nachfolger des Golf. In Genf feiert das zweite Modell der I.D.-Reihe seine Europa-Premiere: die Studie I.D. Buzz. Die neue Elektro-Van-Studie zeigt zugleich, dass sich der Modulare Elektrifizierungsbaukasten (MEB) auch für Großraumfahrzeuge eignet: Batterien und Antrieb sind im Boden untergebracht. „Unsere Zukunft wird elektrisch und völlig vernetzt sein“, kündigt Markenchef Herbert Diess an. 3 Mio. E-Autos wollen die Wolfsburger bis 2025 verkaufen und damit zur Nummer eins bei batteriebetriebenen Fahrzeugen werden.

VW, BMW und Daimler bereiten eine große Elektroauto-Offensive vor. „Jetzt legen wir den Schalter um“, lässt sich Daimler-Chef Jürgen Zetsche zitieren. Daimler will bis 2025 mehr als zehn reine E-Fahrzeuge unter der neuen Marke „EQ“ anbieten und Tesla als Marktführer bei Premium-Elektrofahrzeugen ablösen. 10 Mrd. € nehmen die Schwaben dafür in die Hand.

BMW nimmt nach der Einführung des i3 und i8 vor drei Jahren den nächsten Anlauf mit dem iNext. Das neue Modell aus der i-Familie soll nicht nur rein elektrisch, sondern auch über weite Strecken ohne Fahrer auskommen. In Genf setzen die Münchner jedoch eher auf Plug-in-Hybridfahrzeuge wie den BMW 530e iPerformance. Der Verbrauch des 530e liegt nach BMW-Angaben bei 1,9 l/100 km und der CO2-Ausstoß bei 44 g/km. Schritt für Schritt will BMW-Chef Harald Krüger in Zukunft die Technologien der BMW-i-Modelle auf alle Konzernmarken, Baureihen und Modelle übertragen.

Die neuen, reinen E-Mobile bieten bis zu 300 km Reichweite mehr als die bisherigen Modelle. Der Kompaktwagen von VW soll bis zu 600 km weit kommen, und auch der Gelände-Elektrowagen GLC von Daimler soll 500 km schaffen. „Wir wollen den Käufern die Reichweitenangst nehmen“, erklärt Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber dazu.

Möglich wird der Reichweitensprung durch die leistungsfähigeren Batterien mit größerer Akku-Kapazität. Beim künftigen Elektro-SUV von Daimler bringen es die skalierbaren Batteriekomponenten auf eine Kapazität von 70 kWh und sorgen für eine Leistung von bis zu 300 kW.

Auch andere Hersteller haben bei den Batterien aufgerüstet: Beim neuen Nissan Leaf konnte die Akku-Kapazität von 24 kWh auf 30 kWh gesteigert werden. Der Renault Zoé mit einer Reichweite von 400 km kommt auf 41 kWh. Auf dem Autosalon in Genf werden die Franzosen eine neue, angeblich noch revolutionärere Elektroauto-Studie enthüllen. Renault spricht selbstbewusst von einer „batteriebetriebenen Überraschung“.

Der Opel Ampera-e, der 500 km Normreichweite anpeilt, verfügt über eine Akku-Kapazität von 60 kWh. Damit liegen die Rüsselsheimer auf derselben Leistungsstufe wie Tesla. Der Elektroflitzer von Opel soll bereits im Frühjahr auf deutschen Straßen rollen – und dann neben dem Tesla das reichweitenstärkste Auto hierzulande sein.

Mit dem lang erhofften Durchbruch für den umweltfreundlicheren Antrieb rechnen die Autohersteller etwa Mitte des nächsten Jahrzehnts. Stark sinkende Batteriekosten, größere Reichweiten und eine bessere Ladeinfrastruktur sollen bis dahin den Nachteil von Elektroautos gegenüber solchen mit Verbrennungsmotoren ausmerzen. Neben einer Mindestreichweite von 500 km müsse es Schnellladesysteme für unterwegs und Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz und zu Hause geben, meint Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Außerdem seien einfache Stromabrechnungssysteme, emotionales Design und Carsharing-Systeme zum Austesten notwendig.

Das Problem der Infrastruktur haben die Autohersteller erkannt. BMW, Daimler, VW und Ford planen mit Versorgern und Industriekonzernen ein Konsortium für Schnellladestationen mit einer Leistung von 350 kW. In diesem Jahr wollen sie damit beginnen, 400 Ladesäulen der neuen Generation in Europa aufzustellen.

Die staatlichen Elektroautoprämien reichten bislang nicht aus, um einen Nachfrageboom auszulösen. Das sieht man in Deutschland, wo trotz einer Prämie von 4000 € der Markt für Elektroautos ein Nischenmarkt bleibt. 2016 wurden gerade einmal 12 000 Stromer verkauft – bei über 3 Mio. Neuzulassungen.

Der eigentliche Quantensprung in der Elektromobilität könnte mit einer neuen Batterietechnik passieren. Die Autobauer tüfteln an Lithium-Schwefel- und Lithium-Luft-Batterien, die die bisherigen Lithium-Ionen-Batterien ablösen sollen. „Dann ist die gleiche Reichweite mit der Hälfte des Batterievolumens möglich“, meint Daimler-Entwickler Weber.

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