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Mittwoch, 13. Dezember 2017

TV-Displays

Kaum Durchblick bei Fernsehdisplays

Von Jens D. Billerbeck | 28. September 2017 | Ausgabe 39

LCD, LED, Oled, Qled – das Namenswirrwarr bei den flachen Nachfolgern der guten alten Bildröhre ist schon fast babylonisch. Dazu verwirren verschiedene Techniken zur Bildverbesserung den Verbraucher.

Displays (2)
Foto: R. Bücken

Viermal 4K: So könnte ein großer Oled-Bildschirm mit 8K-Auflösung aussehen, wenn es ihn denn schon gäbe. Der japanische Fernsehsender NHK setzt ihn in dieser Demo aus vier Einzeldisplays zusammen.

Gehste zur IFA – weißte Bescheid“ – mit diesem Slogan warb die vor wenigen Wochen zu Ende gegangene Konsumelektronikmesse IFA um ihr Publikum. 253 000 Besucher sind ihm gefolgt, doch längst nicht alle waren anschließend viel schlauer. Vor allem in der Displaytechnik haben die Marketingstrategen das Sagen und scheuen auch vor Übertreibungen und Schönrednereien nicht zurück.

Über 7 Mio. Fernsehgeräte werden nach Einschätzung des IFA-Veranstalters gfu und des Marktforschungsinstituts GfK in diesem Jahr hierzulande gekauft. Während die Mehrzahl davon immer noch einzig für den HDTV-Empfang mit 1920 x 1080 Pixel ausgerüstet ist, verstehen immerhin schon 2,65 Mio., also 37 %, die höhere Auflösung von 3840 x 2160 Pixel, auch UHD-1 bzw. 4K genannt. Dabei gewinnt laut Hans-Joachim Kamp, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der gfu Consumer & Home Electronics, die Bildtechnik Oled (organische Leuchtdioden) kräftig an Bedeutung – 90 000 Oled-Empfänger dürften dieses Jahr in Deutschland gekauft werden, weltweit immerhin 1,2 Mio. Die Panels hierfür kommen alle von LG Display.

Auch Samsung hat eine lange Oled-Historie, bei kleinen Formaten für Smartphones und Tablets dürfte das Unternehmen Spitzenreiter sein, große Displays werden seit fünf Jahren nicht mehr produziert. Der Grund: Samsung entschied sich für RGB-Oleds, für jedes rote, blaue oder grüne Subpixel braucht das eine eigene farbige Oled-Zelle. Hier mit überschaubarem Aufwand die nötige Ausbeute zu erzielen, ist kaum möglich.

Konkurrent LG hat es da einfacher, hat mit weißen Oled-Pixeln und darüber liegenden Farbfiltern einen großen Erfolg und beglückt damit auch andere Anbieter. Neben LG bieten u. a. Panasonic, Philips, Grundig, Loewe, Metz, Sony, Toshiba, Vestel und B&O Geräte mit Oled-Displays an. Vor allem überzeugen die Werte für Kontrast, sprich für die Wiedergabe von hellen und dunklen Bilddetails. Da Oleds selbstleuchtend sind, kann jedes Pixel für sich heller bzw. auch ganz dunkel geschaltet werden.

Auch hier werden größere Bildschirmdiagonalen immer stärker nachgefragt. 2016 hatten Fernseher im Durchschnitt laut Kamp noch eine Diagonale von 42,2 Zoll (107 cm), in diesem Jahr sind es 43,7 Zoll (111 cm). Dabei ist der Durchschnittspreis gerade bei 576 € angekommen. Dafür sind die Topmodelle natürlich nicht zu haben, die können durchaus das Fünf- bis Zehnfache und mehr kosten.

Eled, Dled, Uled, Qled, Oled: Prinzipiell stehen drei Panel-Techniken zur Wahl. Die klassische LCD-Technik (Liquid Crystal Display) wurde in den letzten Jahren in Bezug auf Auflösung, Farbwiedergabe, Helligkeit, Kontrast und Blickwinkelunabhängigkeit deutlich weiterentwickelt und stellt das bildtechnische Brot- und Buttergeschäft dar. Auch wenn die aufgrund der Hintergrundbeleuchtung mit Leuchtdioden (LED) auch als LED-Fernseher bezeichnet werden, so bleiben sie doch LCD-Fernseher. Je nachdem, wo die LEDs stecken, ob ganzflächig hinter der eigentlichen Flüssigkristallschicht oder an den Seiten, ist von Direct LED oder Edge LED die Rede, auch Dled oder Eled genannt. Hisense nennt seine Technik mit „intelligenter LED-Backlight-Steuerung“ und größerem Farbraum Ultra-LED, kurz Uled.

Das Thema Qled oder Quantum Dot ist vor allem als Gegenmaßnahme zur Oled-Technik zu sehen. Samsung fährt hier eine Gegenstrategie, hat mit dem Einsatz von Nanopartikeln die LCD-Technik noch mal tüchtig aufgebrezelt und will nicht nur mit einer extrem guten Farbwiedergabe überzeugen, sondern – je nach Backlight – auch mit einer hohen Helligkeit von 1000 Nits und mehr (Candela/m²). Werden Nanopartikel oder Quantenpunkte angestrahlt, geben sie eine definierte Farbe ab – je nach Größe der Teilchen, die einen Durchmesser von 1 nm bis 10 nm haben.

Doch Samsung hat mit dieser Technik keine Alleinstellung. Auch LG, Philips (TP Vision), Grundig, TCL, Skyworth, Hisense, Haier und Vestel setzen auf Nano-Teilchen, meist ist die Technik qualitäts- und preismäßig zwischen LED-LCDs und Oleds angesiedelt. Um sich im Markt zu differenzieren, haben z. B. TCL und Philips den PPI (Picture Performance Index) eingeführt, einen Zahlenwert, der Auflösung, Kontrast, Farbraum, Bildwechselrate und Art des Displays bewertet.

Höhere Kontraste durch HDR und HLG: Bessere Bilder zeichnen sich nicht zuletzt durch höhere Kontraste aus, also ein weißeres Weiß und ein schwärzeres Schwarz. Die Basis hierfür ist eine Empfindlichkeitskurve, die dem menschlichen Auge nachempfunden ist. Darauf setzt die HDR-Technik (High Dynamic Range) auf, mit der Displays natürlichere Bilder liefern sollen.

Allerdings gibt es hier ein munteres Durcheinander: Es stehen gleich mehrere Varianten für die Bildverbesserung parat, die wichtigsten sind HDR10, HDR10+, Dolby Vision, HLG (Hybrid Log-Gamma) und Technicolor-Philips. Während HLG von der BBC und NHK für den Broadcast-Betrieb entwickelt wurde, sind die anderen Techniken vor allem für Streaming-Dienste und Ultra HD Blu-ray vorgesehen.

Insgesamt gibt es hier heftige Grabenkämpfe, Samsung hat mit HDR10+ ganz bewusst eine Alternative zu Dolby Vision aufgelegt: Beide Verfahren nutzen dynamische Metadaten, mit denen jeder Film eine Szene für Szene entsprechende optimale lichttechnische Bearbeitung erfahren kann. Während schon etliche TV-Anbieter Dolby-Vision-Lizenzen erworben haben, konnte Samsung mit seinem lizenzfreien HDR10+ u. a. bei Panasonic, Philips und 20th Century Film punkten. 2018 soll diese Technik den Segen eines Etsi-Standards bekommen.

Noch mehr Auflösung: Seit Jahren wird auf Messen auch schon die nächste TV-Generation mit 7680 x 4320 Pixel, auch 8K genannt, präsentiert. Auf der IBC in Amsterdam stellte vergangene Woche die japanische Fernsehanstalt NHK das Wohnzimmer der Zukunft vor – mit einem 130-Zoll-Oled-Fernseher (entspricht einer Diagonalen von 3,30 m). Ein solches Großdisplay gibt es noch gar nicht, deswegen wurde es aus vier 65-Zoll-Oled-Geräten zusammengesetzt. Der optimale Betrachtungsabstand dieses 162 cm hohen Bildes soll laut NHK nur noch rund 125 cm betragen. Da muss beim Betrachten der riesigen Bilder auch der Kopf heftig bewegt werden. Ende nächsten Jahres beginnt in Japan der 8K-Regelbetrieb – und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio stehen dann ganz im Zeichen von 8K.jdb

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