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Freitag, 15. Dezember 2017

Kommentar

Klare Kante

Von Regine Bönsch | 9. Februar 2017 | Ausgabe 06

Donald Trump hat schon seit Monaten deutsche Automobilbauer auf dem Kieker. Die Androhung von Strafzöllen in Höhe von 35 % auf Importe stehen im Raum.

Regine Bönsch, Ressortleiterin: Aktionen einzelner Automobilbauer reichen nicht gegen Trump.

Namentlich hat sich der frischgebackene US-Präsident BMW vorgeknöpft und will verhindern, dass die Münchener ein neues Werk in Mexiko in Betrieb nehmen. Dabei dürfte gerade der Premiumhersteller ein wahrer Musterschüler von Trump sein. In Spartanberg, South Carolina, hat BMW sein weltweit größtes Werk. Hier arbeiten 70 000 Menschen, wurden im vergangenen Jahr 411 000 Geländewagen gebaut, 70 % davon gingen in den Export. Was könnte den USA Besseres passieren? Dennoch war BMW-Chef Harald Krüger auf dem Carsymposium letzte Woche in Bochum auf Deeskalation bedacht. Man sei bereit, weiter in den USA zu investieren, klang es beinahe devot. Die Produktion in Mexiko sei ohnehin nur für den Weltmarkt gedacht.

Aber kann man mit so viel Logik einem Trump etwas entgegensetzen? Einem Präsidenten, der zu viele Fahrzeuge von Mercedes vor US-Häusern anmahnt und zu wenige Chevrolets auf deutschen Straßen – eine Marke, die GM seit 2015 gar nicht mehr in Europa verkauft?

Gut, dass kaum ein Industriezweig so perfekt auf hohe Strafzölle vorbereitet ist wie die Automobilindustrie. CKD (Completely Knocked Down) und SKD (Semi Knocked Down) heißen die Waffen, mit denen Hersteller schon heute Strafzölle umgehen – in Indien und anderswo. Dabei werden mehr oder weniger große Einzelteile in das betroffene Land geliefert und erst dort zu fahrfähigen Automobilen zusammengesetzt. Absurdität am Rande: So manches fertige Fahrzeug wird zerlegt, um es vor Ort erneut zusammenzubauen.

Aber reicht das? Aktionen einzelner Industrieunternehmen können nur partiell helfen. Auch Siemens-Chef Joe Kaeser warnte Trump auf der Hauptversammlung letzte Woche vor zu viel Protektionismus. Längst ist die Silicon-Valley-Branche alarmiert. Wäre es jetzt nicht an der Zeit, Allianzen der besonderen Art zwischen Amerikanern und Europäern zu schnüren? Diesmal nicht für autonome Fahrzeuge oder Industrie 4.0., sondern um zusammen klare Kante zu zeigen. An dieser gemeinsamen Marktmacht könnte auch ein Trump nicht einfach vorbeiregieren.

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