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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

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Kommentar

Kleines Zahnrad, große Wirkung

Von Peter Kellerhoff | 1. Juni 2017 | Ausgabe 22

BMW macht es gerade durch, VW hat es hinter sich und überall in der Fertigung – egal ob im Automobil- oder im Maschinenbau – ist es möglich: Produktionsausfall durch ein kleines „Zahnrädchen“, das im umfangreichen Räderwerk der Just-in-time-Produktion ins Stocken gerät. Bei BMW ist es ein fehlendes Teil eines Zulieferers, im Fall VW wurde daraus ein Machtkampf mit dem Zulieferer.

Peter Kellerhoff, Redakteur: Die Beschränkung auf einzelne Zulieferer für bestimmte Bauteile birgt Risiken.

Dabei sprach bisher vieles für die Just-in-time-Produktion: kaum Lagerkosten, bedarfsgerechte Lieferungen, effizientere Produktionsabläufe.

Was in der Theorie ebenso einfach wie logisch klingt, wird in der Praxis oft erschwert. Allein die Staubilanz auf deutschen Straßen aus dem Jahr 2016 verdeutlicht die Unwägbarkeiten einer Produktion, die minutiös orchestriert ist: rund 694 000 Staus, über 1,3 Mio. km Staulänge und 419 000 Staustunden bundesweit. Hinzu kommen mögliche Streiks bei Zulieferern oder schlicht Materialknappheit. Wenn mal was schiefläuft, zuckt das gesamte Nervengeflecht auf allen Ebenen.

Das alles ist in gewissem Maße einkalkuliert und damit Teil des großen Ganzen, dessen Dirigent der Hersteller ist. Doch wenn einmal richtig der Wurm drin ist wie gerade bei BMW, dann zieht sich das Fehlen eines kleinen Bauteils durch alle Prozessketten. Am Ende trifft es die Mitarbeiter des Herstellers sowie die Kunden, die länger auf die Auslieferung ihres Wunschproduktes warten müssen. Für die Mitarbeiter bedeutet das Gleitzeit, Arbeitszeitkonten oder Urlaubstage nutzen zu müssen. Oder wie im Fall VW sogar in Kurzarbeit geschickt zu werden. Ist das Ende der Just-in-time-Produktion damit eingeläutet? Mitnichten, dafür bietet sie zu viele Vorteile. Aber die Abhängigkeiten, sich an einzelne Zulieferer zu binden, sollten zumindest selbstkritisch hinterfragt werden.

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