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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Parkettnotizen

Kontinuität mit Fragezeichen

Von Stefan Wolff | 9. November 2017 | Ausgabe 45

Die Taube in der Hand ist besser als der Falke auf dem Dach. Zumindest sieht man das an der Börse so, denn die Finanzwelt ist vom kommenden Chef der US-Notenbank, Federal Reserve (Fed), durchaus angetan.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Von Februar kommenden Jahres an wird Jerome Powell die Geschicke der US-amerikanischen Geldpolitik lenken. Powell gilt als „Taube“, was im Notenbank-Jargon für einen zurückhaltenden Zinspolitiker spricht, also für einen Verfechter einer eher lockeren Geldpolitik. Die schärferen Vertreter werden als „Falken“ bezeichnet.

Dass sich US-Präsident Trump für Powell entschieden hat, lässt also auf Kontinuität schließen. Hinzu kommt, dass der Notenbanker bereits seit 2012 im Direktoren-Board der Fed sitzt. Er ist also durchaus erfahren.

Gleichzeitig ist Powell der erste Jurist, der es auf diesen Spitzenposten schafft. Zudem hat er Karriere unter anderem bei der Investmentbank Dillon Read & Co gemacht und ist damit ein Vertreter jener Kaste, die die US-Notenbank streng beaufsichtigen will. Und so befürchten nicht wenige Beobachter, dass Donald Trump einen willigen Helfer an der Fed-Spitze installieren wird, wenn es um die Deregulierung der Bankbranche geht. Dabei ist das sogenannte Dodd-Frank-Gesetz erst im Zuge der jüngsten Finanzkrise aus der Taufe gehoben worden. Unter anderem sieht es regelmäßige Stresstests für die Finanzhäuser vor. Kritiker bezeichnen diese Tests, die eigentlich die Resistenz gegen Krisen abklopfen sollen, als Hemmnis für die Bankgeschäfte.

Die noch amtierende Fed-Chefin Janet Yellen hatte häufiger für eine scharfe Regulierung des Finanzwesens plädiert und davor gewarnt, diese zu lockern. Ein solcher Schritt könne, so Yellen, eine neue Finanzkrise provozieren. Mit dieser Ansicht war sie mehrfach mit Donald Trump aneinandergeraten. Aus diesem Grund verweigert Trump der Fed-Chefin eine zweite Amtszeit. Es ist das erste Mal seit 40 Jahren, dass so etwas geschieht.

Yellens Vorvorgänger Alan Greenspan kam sogar auf 18 Jahre an der Notenbankspitze. Er wurde noch von Ronald Reagan eingesetzt und war in den ersten Jahren dermaßen erfolgreich, dass ihn selbst Kritiker für unersetzlich hielten. Senator John McCain sagte mal über Geenspan: „Falls Alan Greenspan stirbt, was Gott vermeiden möge, sollten wir ihn wie im Film ausstopfen und ihm eine Sonnenbrille aufsetzen.“

Von einem solchen Kultstatus ist Powell natürlich weit entfernt. Aber er wird seine Feuerprobe bekommen. Momentan hat die US-Notenbank kaum noch Pfeile im Köcher. Powell wäre gut beraten, wenn er den Kurs der moderaten Zinsschritte seiner Vorgängerin fortsetzen würde. Diese behutsame Politik würde Geld auch weiterhin billig und leicht verfügbar halten. Die Hoffnung auf „Easy Money“, wie es in den USA genannt wird, beflügelt die Märkte weiter. 

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