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Donnerstag, 22. Juni 2017, Ausgabe Nr. 25

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Mobilfunk

Korea am Start

Von Barbara Odrich | 15. Dezember 2016 | Ausgabe 50

Südkorea hat die Olympischen Winterspiele 2018 fest im Blick. Alle arbeiten fieberhaft daran, als erstes Land der Welt den Mobilfunkstandard 5G in Pyeongchang zu präsentieren.

5G BU
Foto: Foto [M]: R. Bönsch/VDIn

Skispringen mit der fünften Generation: Auf dem Mobile World Congress 2016 demonstrierte der Netzbetreiber Korea Telecom bereits, wie gering die Latenzzeiten in der kommenden Mobilfunkgeneration sein können. Aktionen wie der Absprung vom Schanzentisch ließen sich bei diesem Versuchsaufbau nahezu in Echtzeit mitverfolgen.

Olympia 2018 soll eines unter Beweis stellen: Die koreanische Industrie beansprucht für sich den Führungsanspruch, wenn es um 5G geht, die fünfte Mobilfunkgeneration. Die Herausforderungen dafür sind derart groß, dass der Vizepräsident der Network Technology Unit beim koreanischen Netzbetreiber Korea Telecom (KT), Jae-yoon Park, dies in der Öffentlichkeit kühn mit der ersten Mondlandung vergleicht.

Koreas führende Telekommunikationsanbieter – neben dem offiziellen Olympia-Partner KT auch SK Telecom und LG Uplus – sind fest davon überzeugt, dass ihnen das Debüt der neuen mobilen Technik schon im Februar 2018 gelingen wird. „Wir glauben, dass Pyeongchang die ersten ‚5G Olympischen Spiele‘ sein werden“, erklärte Park. Und das, obwohl die Koreaner wissen, dass finale Standardisierungsfragen wie die Zuteilung von Frequenzen im zweistelligen GHz-Bereich erst Ende 2019 auf der Weltfunkkonferenz in Genf gelöst werden sollen. „Es wird sich bei den zur Schau gestellten 5G-Techniken um eine Vornorm handeln“, räumt Byung-moo Lee ein. Der Vizepräsident des Olympic Business bei Korea Telecom geht aber davon aus, dass die Technik der Winterspiele mit der ersten Phase des Standards kompatibel ist.

Ziel von KT ist es, zu den Winterspielen diverse kommende 5G-Techniken zu testen. Mit virtuellen 360°-Reality-Videos sollen Sportfans die Wettkämpfe noch realitätsgetreuer verfolgen können. Über einen neuen Netzwerkdienst, genannt Sync-View, soll den Zuschauern die Vorstellung vermittelt werden, sie seien unmittelbar Teil des Geschehens. So bringt z. B. eine kleine Kamera im Helm eines Bobfahrers hochauflösende Livebilder bei einer Geschwindigkeit von 150 km/h auf die Bildschirme.

In Vorbereitung darauf sollen in fünf Regionen – in der Hauptstadt Seoul, Pyeongchang, Jeongseon, Bogwang und auf dem internationalen Flughafen von Incheon – Testnetze aufgebaut werden. Techniker setzen dabei auf die Mehrantennentechnik „Massive Mimo“ (Multiple input multiple output). Hier kommen Hunderte von Antennen zum Einsatz, was eine erhebliche Geschwindigkeitssteigerung der drahtlosen Datenübertragung mit sich bringt, eine höhere Zuverlässigkeit gewährleistet und zudem eine bessere Mehrfachnutzung des vorhandenen Spektrums bieten soll.

„Hoher Datendurchsatz und geringe Latenzzeiten gehören zu den großen Herausforderungen“, betont KT-Experte Park. Dafür sei seiner Meinung nach eine Art Revolution auf der Basis einer neuen Architektur und einer neuen Funkzugangstechnik notwendig. KT arbeitet zudem an zahlreichen neuen Technologien, die den Mobilfunkanbietern helfen sollen, ihre Ressourcen effizienter zuzuweisen. Dazu gehört unter anderem die Netzwerkvirtualisierung (NFV), bei der verschiedene Netze zu logischen Einheiten zusammengefasst werden.

KT will Glasfaser-Kabelnetze mit einer Gesamtlänge von 1391 km in diversen Orten von Pyeongchang legen. Park: „Wir wissen bislang aber nicht, ob genügend Geräte zur Verfügung stehen werden, um die 5G-Technik wirklich zur Geltung kommen zu lassen.“ KT arbeite mit großen heimischen Geräteherstellern wie Samsung und LG zusammen. Die Priorität liege auf Smartphones, aber man denke auch an Tablets und anderes.

Gleichzeitig sollen weit mehr als 5000 WLAN-Zugangspunkte installiert und über Kleinstzellen ein mobiles Kommunikationsnetz bereitgestellt werden, an das bis zu 250 000 Geräte gleichzeitig angeschlossen werden können. Das Unternehmen wird außerdem ein Datenzentrum in der Cloud im Umfeld der olympischen Sportstätten einrichten, um damit effiziente und zuverlässige Mobilfunkdienste zu gewährleisten. Drei Kontrollstationen in Gwacheon, Busan und Gunsan sollen zusammenarbeiten, um eine reibungslose Bildübertragung sicherzustellen.

Konkurrent SK Telecom ist hinsichtlich der schnellen Einführung von 5G nicht weniger ambitioniert. Der größte koreanische Anbieter hat im eigenen Forschungszentrum am Rande von Seoul ein Innovationszentrum eröffnet. „Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres die Schlüsseltechnologien für 5G zu verbinden, um ein Pilotsystem im Außenbereich zu starten“, sagt Park Jin-hyo, Leiter des Network R&D Technology Center. 2017 sind vorkommerzielle Tests geplant. Bis Ende des kommenden Jahres soll ein Chipsatz für ein 5G-Gerät in Tablet-Form zur Verfügung stehen.

Asiatische Branchenexperten sind der Meinung, dass kaum ein anderes Land derart gut für die 5G-Aufgabe gerüstet sei wie Südkorea. In einem jüngsten Ranking der Finanzagentur Bloomberg wurde Korea mit Blick auf die Dichte von Wissenschaftlern, Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die Anzahl von Patenten zum weltweit innovativsten Land gekürt.

Die Vernetzung Südkoreas ist ohne Beispiel. Neue Gebäude werden standardmäßig über Glasfaser angeschlossen, diese Netze sind für immer breitbandigere Dienste gedacht. Erst dieser Tage gab SK Broadband bekannt, dass in Zusammenarbeit mit Nokia erste private Haushalte extrem schnelle Glasfaserverbindungen mit 52,5 Gbit/s erhalten. Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 allen Einwohnern 10 Gbit/s zu bieten. Die Verbreitung von Glasfasernetzen kommt auch dem Kernnetz der fünften Mobilfunkgeneration zugute.

Hinzu kommt, dass die koreanische Regierung die Digitalisierung extrem fördert. Das Wissenschaftsministerium MSIP gab im September 2015 bekannt, dass für die IT-Industrie rund 1,16 Mrd. $ bereitgestellt werden sollen. Der Plan umfasst den strategischen Sektor 5G, das Internet der Dinge, Cloud-Computing und mehr.

Koreas Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen sind zunehmend weltweit integriert. Europäische Netzexperten – allen voran Nokia, aber auch Ericsson und die Deutsche Telekom – sind dabei wichtige Partner. Teile der 5G-Forschung in Korea werden von der EU finanziert. Im Jahr 2014 schloss die Europäische Union mit Korea einen Vertrag zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Mobilfunknetzen der nächsten Generation. Als Teil dieser Kooperation wurde jüngst das Centre for Wireless Communications an der finnischen Universität Oulu damit beauftragt, 5G-Funktechniken und deren Integration in Mobilfunknetze für den Einsatz bei den Olympischen Winterspielen zu entwickeln. 

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