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Montag, 11. Dezember 2017

Kommentar

Kurzsichtigkeit kostet

Von Fabian Kurmann | 16. Februar 2017 | Ausgabe 07

Ist es wichtiger den Markt zu schützen oder die Konsumenten? Wenn man sich die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Bauprodukteverordnung (s.  Seite 19) und ihre Folgen ansieht, dann lautet die Antwort: Der Konsument ist weniger wichtig.

Fabian Kurmann, Redakteur: In sicherheitsrelevanten Bereichen darf es keine Schnellschüsse geben.

Denn hier wurde einfach ein funktionierendes System zur Sicherung der Qualität außer Kraft gesetzt, ohne eine gleichwertige Alternative zu installieren. Die Folge: Seit vergangenem Oktober kann man sich nicht mehr sicher sein, dass im eigenen Haus nur gesundheitlich und sicherheitstechnisch unbedenkliche Materialien verbaut werden.

Daran ist die EU also schuld? Das wäre nicht die ganze Wahrheit. Der EuGH verkündete das Urteil zum Verbot zusätzlicher Anforderungen an bereits genormte Bauprodukte schon 2014. Danach hatten Bund und Länder zwei Jahre Zeit zur Umsetzung des Urteils. Heute sind zwar die Gesetze geändert, die vom EuGH moniert wurden, aber die Prozesse sind noch nicht umgestellt. Eine neue verlässliche Prüfung auf Sicherheits- und Gesundheitseigenschaften ist nicht vorgeschrieben, die alte aber aufgehoben. Während es für Experten kein Problem ist, die Baustoffe und unabhängigen Siegel einzuschätzen, sind Laien damit komplett überfordert und tragen so gegebenenfalls den Schaden.

In sicherheitsrelevanten Bereichen darf es keine Schnellschüsse geben, nur um Fristen einzuhalten. Denn vor allem den ahnungslosen Heimwerkern nutzt es nichts, wenn sie durch eine unfertige Regelung am Ende Produkte verbauen, die durch ihre Ausdünstungen Kopfschmerzen verursachen können.

Außerdem müssen Lösungen auch den Anwendern kommuniziert werden. Mit den European Technical Assessments (ETA) und Qualitätssiegeln wie dem Blauen Engel gibt es bereits gute Alternativen zum bisherigen Qualitätslabel des Deutschen Instituts für Bautechnik, dem sogenannten „Ü-Zeichen“.

Davon allerdings haben die wenigsten Heimwerker gehört. Kurzsichtige Politik geht am Ende nach hinten los – auf Kosten der Verbraucher und ihrer Gesundheit.

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