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Donnerstag, 13. Juli 2017, Ausgabe Nr. 28

Donnerstag, 13. Juli 2017, Ausgabe Nr. 28

Photonik

(Laser-)strahlende Zukunft

Von Stefan Asche | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Deutschland ist in der Schlüsseltechnologie gut aufgestellt. Ergebnisse einer Studie.

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Foto: Foto [M]: PantherMedia.net/Mihajlo Maricic/VDIn

Alles im Blick: Das Photoniksegment Bildverarbeitung & Messtechnik wies zuletzt das größte Wachstum auf. Treiber ist u. a. die Fabrikautomation. Das Foto zeigt einen 3-D-Scanner auf einem Knickarm-Roboter.

Die Wachstumsbilanz der deutschen Photonikindustrie ist beeindruckend. Die jährliche Inlandsproduktion stieg von 2011 bis 2016 über fast alle Branchensegmente hinweg deutlich stärker als das Bruttoinlandsprodukt (plus 3 %). Das ist ein Ergebnis einer aktuellen Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA).

Den einzigen Schatten wirft ausgerechnet das Photovoltaiksegment: Inländische Hersteller von Solarzellen und -modulen mussten ihren Output um mehr als 18 % p. a. zurückfahren (s. Grafik). Grund für diesen dramatischen Rückgang war der harte Wettbewerb aus Fernost.

Foto: VDI nachrichten

Die strahlende Wachstumsbilanz der Photonik wird nur vom Photovoltaiksegment getrübt. Alle anderen Segmente wuchsen zwischen 2011 und 2016 jedes Jahr schneller als das Bruttoinlandsprodukt (plus 3 %).

Die höchste durchschnittliche Wachstumsrate wies das Segment Bildverarbeitung & Messtechnik auf (plus 7,2 % p. a.). Getrieben wurde dieser Aufschwung von zunehmender Automatisierung und dem Voranschreiten der Industrie 4.0. Denn ohne optische Sensoren und intelligente Messsysteme geht hier wenig.

Ähnlich positiv entwickelte sich das Segment Medizintechnik & Life Science (plus 6,6 % p. a.). Dieses Ergebnis beruht u. a. auf neuen Therapieverfahren in der Zahnmedizin, der Dermatologie und der Augenheilkunde. Weitere Treiber waren optische Systeme für die Pharmaforschung, etwa Mikroskope.

Auf Platz drei der Wachstumsraketen landete die Produktionstechnik (plus 6,3 % p. a.). In dieses Segment fallen u. a. Laser zur Materialbearbeitung, Lithografiesysteme oder Optiken für Waferstepper.

Weil Wachstum auf Innovation basiert, investieren die Photonikunternehmen kräftig. Die Speerspitze bildet hier das Segment Informations-/Kommunikationstechnik & Displays. Die zugehörigen Unternehmen stellten ihren Forschern und Entwicklern stolze 15 % des Gesamtumsatzes zur Verfügung. Aber auch die anderen Firmen müssen sich diesbezüglich nicht verstecken: Über alle Segmente hinweg kommt die Photonikbranche noch auf eine F&E-Quote von stolzen 9 %. Zum Vergleich: Maschinenbauer beschränkten sich zuletzt auf 3,6 %, Fahrzeugbauer auf 6 %.

Das größte Wachstum innerhalb der deutschen Photonikindustrie wird im Segment Produktionstechnik erwartet. Getrieben wird es u. a. von der wachsenden Nachfrage nach 3-D-Druckern.

Dementsprechend üppig fällt die Wachstumsprognose aus. Der VDMA erwartet, dass die Inlandsproduktion bis 2020 jährlich um 5,7 % zulegen wird. Der Wert der Erzeugnisse wird demnach von zuletzt 31 Mrd. € auf 39 Mrd. € ansteigen.

Das stärkste Wachstum wird im Segment Produktionstechnik erwartet (plus 8,8 % p. a.). Mitverantwortlich dafür ist u. a. die weltweit steigende Nachfrage nach 3-D-Druckern und Lasersystemen für die Automobilindustrie. Große Hoffnung wird überdies in die Extreme-Ultra-Violet(EUV)-Lithografie gelegt. Dabei werden sehr kurzwellige UV-Strahlen (13,5 nm) genutzt, um Wafer zu strukturieren. Ergebnis sind kleinere und leistungsfähigere Chips. Deutsche Zulieferer werden laut VDMA von dieser Zukunftstechnologie überproportional profitieren.

Der Anteil Deutschlands an der globalen Photonikproduktion betrug nach jüngsten Zahlen 6 % (s. Grafik). Das mit Abstand größte Stück vom Kuchen sicherten sich die Chinesen (27 %). In Summe kommen asiatische Länder auf einen Weltmarktanteil von fast 70 %.

In Deutschland sind laut VDMA aktuell rund 124 000 Mitarbeiter bei den Herstellern von Photonikprodukten in Lohn und Brot (ohne Betrachtung der Zulieferer). Seit 2011 sei die Zahl der Beschäftigten um 1 % pro Jahr gestiegen – und das, obwohl im selben Zeitraum rund 13 000 Stellen in der Solarindustrie abgebaut werden mussten. Ohne diesen Ausnahmeeffekt hätte die Wachstumsrate bei 3,2 % gelegen. Den stärksten Zuwachs verzeichnen die Segmente Bildverarbeitung & Messtechnik (5,6 % p. a.) sowie Medizintechnik & Life Science (4,8 % p. a.). Zum Vergleich: Im gesamten Maschinenbau stieg die Mitarbeiterzahl im Referenzzeitraum um durchschnittlich 1,8 % jährlich.

Die weltweite Photonikproduktion wird dominiert von asiatischen Anbietern, allen voran den Chinesen.

Auch künftig bietet die Photonik laut Studie gute Jobperspektiven. Bis 2020 würden zusätzliche 13 500 Mitarbeiter in der direkten Produktion von Photonikerzeugnissen in Deutschland beschäftigt sein. Dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 2,6 %. Am dynamischsten entwickele sich dabei das Segment Medizintechnik & Life Science.

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