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Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

IFA 2017

Lass den Ofen mal machen

Von Heike Freimann, Regine Bönsch | 7. September 2017 | Ausgabe 36

Gemüse und Fleisch zeitgleich garen, mit Kamera in den Kühlschrank gucken, den Herd über Alexa bedienen – Hausgeräte lernen dazu.

BU IfA Herd
Foto: Miele

Eine neue Technik lässt Fleisch und Gemüse bei gleich langer Zeit auf den Punkt garen und soll 70 % schneller sein als herkömmliche Verfahren.

Sophia Neuendorf strahlt übers ganze Gesicht. Mit Handschuhen holt die ehemalige Köchin der Frauenfußballnationalmannschaft vorsichtig den Eisblock aus dem Garer und trägt ihn auf die Anrichte. Dann entfernt sie den -8 °C kalten Deckel und fördert ein wohlgegartes Kabeljaufilet zutage. Das Thermometer bescheinigt dem Fisch warme 56 °C. Jetzt lächelt Markus Miele: „Das hat uns anfangs auch völlig überrascht.“ Er ist überzeugt: „Der Dialog-Garer ist in der Küche der größte Technologiesprung seit Einführung des Induktionsherds“.

Foto: Miele

Markus Miele, Geschäftsführender Gesellschafter der Miele Gruppe.

Sieben Jahre lang haben die Ostwestfalen entwickelt und eine Idee aus der Medizintechnik küchentauglich gemacht. Im Dialog-Garer erzeugen zwei Antennen elektromagnetische Wellen, die Energie zuführen, zugleich aber auch Energiezustände der verschiedenen Garprodukte messen. Senden und empfangen, kontrollieren und regeln – Lebensmittel und Ofen führen „Dialoge“ miteinander.

„Die Rückkopplung ist einzigartig“, so Miele. Das Frequenzspektrum wird alle 10 s neu justiert. Dadurch wird jedem Lebensmittel zu jedem Zeitpunkt die richtige Energie zugeführt. Im Gegensatz zur Mikrowelle, so beschreibt es der Miele-Geschäftsführer, sei die Leistung weitaus geringer, die Funkwellen würden tief in beliebiges Gargut dringen. Der Dialog-Garer funkt rund um 915 MHz. Um Mobilfunk, der im gleichen Frequenzspektrum arbeitet, nicht zu stören, sind die Ofentüren speziell abgeschirmt.

Sophia Neuendorf fördert derweil das nächste Blech aus dem Ofen. Darauf hat sie ein Kalbsfilet, Kartoffeln und Karotten drapiert. Das Fleisch und das Gemüse sind auf den Punkt „im Volumen“ gegart und haben dafür die gleiche Zeit gebraucht. Noch immer experimentieren bei Miele Köche an neuen Rezepten für die Innovation. Markus Miele: „Scheinbar Unmögliches wird möglich.“ Doch schon jetzt verspricht der Hersteller bis zu 70 % Zeitersparnis – der Sandkuchen braucht nur 35 min statt 70 min, das Pulled Pork statt 8 h oder mehr nur zweieinhalb Stunden.

Was Kundenherzen höher schlagen lässt, hat Konkurrent Siemens gerade von den Marktforschern des Zukunftsinstituts untersuchen lassen. Auf Platz eins: 68 % der Befragten wünschten sich Hausgeräte, die helfen, im Alltag Zeit zu sparen. Die IQ-Herd-Serie der Münchner auf der IFA ist deshalb mit einer neuen „Boost“-Funktion fürs schnellere Ankochen ausgestattet.

Ein neuer Backofen heizt in 5 min auf 175 °C auf, sodass die Tiefkühlpizza in weniger als 12 min servierfertig auf den Teller komme, verspricht Roland Hagenbucher, Chef bei Siemens Hausgeräte. Bei einem neuen 45er-Geschirrspüler für den Singlehaushalt können über eine Zeitverkürzungsoption alle regulären Programme bis zu 66 % schneller ablaufen.

Stolz stellte Hagenbucher in Berlin eine brandneue Kühlgefrierkombination mit üppigen 400 l Kühlraum und verbesserter Klimatechnik vor. Sie soll Rohkost und Salate, aber auch Fleisch und Fisch deutlich länger frisch halten und damit den ein oder anderen Einkauf ersparen – und das bei gleichem Energieverbrauch wie die Vorgängermodelle. Schließlich, so das Zukunftsinstitut, bereitet jedem fünften der Gang in den Supermarkt Stress.

Die IQ 500 Gefrierkombi ist außerdem mit 80 cm tiefer als andere Modelle. So können die zwei integrierten Kameras den Inhalt des Kühlschranks ganz besonders gut beäugen. Bei jedem Schließen lösen sie aus, die Fotos werden über WLAN auf Home Connect, die Plattform von Bosch-Siemens Hausgeräte (BSH), aufs Smartphone übertragen. Den Einkaufszettel vergessen? Per App ist der Blick in den heimischen Kühlschrank damit auch vom Supermarkt aus möglich.

Foto: Regine Bönsch

Roland Hagenbucher, Geschäftsführer von Siemens Hausgeräte.

„Vernetzung ist die treibende Kraft“, erklärt Hagenbucher. Auch wenn dies laut Studie zurzeit nur bei 19 % auf der Wunschliste steht. Wem die Bedienung per App zu umständlich ist, kann beispielsweise den neuen Siemens-IQ-Herd, aber auch Dunstabzugshauben von Miele per Sprache über Amazons Alexa steuern. Tatsächlich waren die neuen Sprachsteuerungen von Amazon, Google und Apple die heimlichen Stars auf der IFA. Sie steuern nicht nur Fernseher und Beleuchtung, sondern auch Hausgeräte und Kaffeeautomaten, Alarmanlagen und komplexe Smart-Home-Szenarien wie bei der RWE-Tochter Innogy.

Harald Friedrich fährt sanft mit einem kleinen Gerät über das weiße Hemd. Was der Geschäftsführer der Robert Bosch Hausgeräte GmbH in den Händen hält, ist noch Zukunftsmusik. Doch der Scanner X-spect ist schon ganz nah an der Markteinführung. Er kann beispielsweise Kaffee- von Weinflecken unterscheiden und der Waschmaschine einen passenden Waschgang vorschlagen. Das Gerät identifiziert aber auch ein Stück Obst, Gemüse oder Käse – und sagt aus welchen Bestandteilen es besteht, wie gesund und wie lange es noch essbar ist, versprechen BSH-Manager. Immerhin haben diese Qualitäten dem Scanner schon eine Auszeichnung als IFA Highlight 2017 eingehandelt.

Geht es nach den Besuchern, dann zählen die Stände der Hausgerätehersteller längst zu den Publikumsmagneten. Die Mischung könnte kaum bunter sein. Da lockt die neue Mini-Serie von WMF ebenso wie Roboterstaubsauger von iRobots, Reinigungsaccessoires von Kärcher und Jura-Kaffeemaschinen.

Die Hausgerätebranche zelebrierte in diesem Jahr ihr Messejubiläum. Zum zehnten Mal ist sie auf der IFA dabei. Besucherscharen und viele Innovationen widerlegen Jahr für Jahr einstige Skeptiker.

„Im ersten Jahr waren wir nur 66 Aussteller, 2016 waren es schon 183“, erinnert sich Reinhard Zinkann, Geschäftsführer von Miele und Sprecher der deutschen Hausgeräteindustrie beim ZVEI. Das Konzept sei aufgegangen. Der Verband prognostiziert der Branche in Deutschland 2017 ein Wachstum bis zu 3 % und einen Umsatz von 8,5 Mrd. €. Der globale Elektrogroßgerätemarkt – also Waschmaschinen, Herde & Co. – soll laut Gesellschaft für Konsumforschung (gfk) in diesem Jahr um 5 % auf 180 Mrd. € anwachsen. Pro Sekunde werden in Deutschland laut gfk statistisch 2,5 Stück Kleingeräte gekauft.

Die Branche zeigt sich selbstbewusst. Innovationen dürfte sie auch auf der IFA 2018 im Gepäck haben. Oder wie Zinkann es formulierte: „Geben Sie uns einen Sensor und wir kreieren etwas, das sich gut anfühlt, schmeckt und riecht.“

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