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Dienstag, 12. Dezember 2017

Industrie 4.0

Mehr Datensouveränität

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 27. Juli 2017 | Ausgabe 30

DieInitiative „Industrial Data Space“ erhält in zweiter Förderrunde 5 Mio. €. Fraunhofer-Chef Reimund Neugebauer sieht Chance für weltweite Akzeptanz.

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Foto: jdb

Im Industrial Data Space können Unternehmen die Nutzungsbedingungen ihrer Daten bestimmen und an ihre Datengüter „anheften“. 

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka setzt darauf, das Konzept des „Industrial Data Space“ zu einem internationalen Standard zu machen. Das sei dann „auch ein Vorteil für die deutsche Wirtschaft“. Boris Otto, Forschungschef der Initiative Industrial Data Space und Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik (ISST), glaubt, dass Datensouveränität „Made in Germany“ gut ankommt: „Wir sind in zahlreichen Workshops und Gesprächen im Rahmen der G20-Präsidentschaft Deutschlands auf enormes Interesse gestoßen.“

Der Industrial Data Space

Unternehmen können im Industrial Data Space die Nutzungsbedingungen ihrer Daten bestimmen und an ihre Datengüter „anheften“. Über einen Verzeichnisdienst werden Datenangebote und Datenbedarfe vermittelt. Teilnehmer können überdies Datendienste entwickeln und über einen App-Store bereitstellen. Alle Softwarekomponenten müssen die gemeinsamen Anforderungen der Anwender erfüllen und Standards einhalten.

Die von Politik und Wirtschaft Ende 2014 ins Leben gerufene Initiative Industrial Data Space hat inzwischen 74 Mitgliedsunternehmen aus 13 Ländern. Die Initiative umfasst ein Forschungsprojekt von zwölf Fraunhofer-Instituten, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Ergänzend dazu gibt es seit 2016 den Anwenderverein der „Industrial Data Space Association“, in dem die Interessen der Anwender gebündelt und die Ergebnisse des Forschungsprojekts der Standardisierung zugeführt werden sollen. Neben Bosch, der Deutschen Telekom, Siemens und Volkswagen beteiligten sich in jüngster Zeit immer mehr internationale Unternehmen wie die chinesische Huawei und Microshare, ein Anbieter von Network-Security-Lösungen aus den USA. Erste branchenübergreifende Anwendungsfälle konnten bereits implementiert werden.

Bosch beispielsweise hat ein Risikomanagement für eine kollaborative Lieferkette entwickelt. Dabei werden Daten zur Lieferkette und zum Materialfluss nach bestimmten Regeln und Datendefinitionen an Logistikunternehmen und Zulieferer übermittelt. Bosch kann damit in Echtzeit die Lieferkette überwachen und etwaigen Risiken entgegensteuern.

Die Salzgitter AG nutzt Komponenten des Industrial Data Space, um die Onlineverbindungen zu Lieferanten zu reduzieren und gleichzeitig die Beschaffung in Echtzeit durchführen zu können. Auch soll die Menge der Fehlinformationen reduziert werden.

Jetzt geht das Forschungsprojekt mit 5 Mio. € in die zweite Förderphase: Die Forscher wollen technische Lösungsmuster für Datensouveränität in enger Kooperation mit dem Anwenderverein entwickeln. Überdies soll das Konzept international positioniert werden.

Dazu gehört der Austausch mit dem Industrial Internet Consortium aus den USA und der Industrial-Value-Chain-Initiative aus Japan. Ziel ist es, dass Unternehmen für ihren weltweiten Datenaustausch am Ende Lösungen aus einem Guss nutzen können.

Im vergangenen Herbst trafen sich bereits mehrere Firmen, um eine erste Zusammenarbeit mit Unternehmen in den Niederlanden zu ergründen. Mit dabei ist die renommierte niederländische „Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung“, kurz TNO. Parallel dazu wurde in Großbritannien beim „The Manufacturing Technology Center“ ein lokaler Hub eingerichtet.

Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, sieht „eine echte Chance, aus Deutschland heraus einen wesentlichen Standard für die Digitalisierung der Wirtschaft zu setzen, der europa- und sogar weltweit Akzeptanz findet“. Denn, davon ist er überzeugt: „Die Datensouveränität ist für Unternehmen ein entscheidender Erfolgsfaktor.“

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