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Donnerstag, 12. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 41

Donnerstag, 12. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 41

Interview

„Mehr eigenes Personal mit Know-how“

Von Fabian Kurmann | 1. Juni 2017 | Ausgabe 22

Karl-Heinz Strauß setzt als CEO auf Expertise in der Porr AG, statt sie wie üblich bei Subunternehmern auszulagern. Und er setzt weiter auf den Menschen – trotz Digitalisierung, Automatisierung und zurzeit sogar Korruptionsverdacht.

VDI nachrichten: Die Porr AG hat im letzten halben Jahr zwei Übernahmen getätigt. Zum einen die norddeutsche Franki Grundbau, zum anderen das Bauunternehmen Oevermann mit Sitz in Münster. Welche Pläne haben Sie in Deutschland?

Foto: Porr

Chef am Bau: Karl-Heinz Strauss leitet die österreichische Baufirma Porr. Mit Zukäufen will das Unternehmen auch den Deutschen Markt erobern.

Karl-Heinz Strauss: Oevermann ist ein anerkannter Verkehrswegebauer mit eigenen Mischwerken. Die anstehende Sanierung der Infrastruktur in Westdeutschland hat einen Boom ausgelöst, von dem wir nun profitieren können. Und Franki ergänzt unser Leistungsspektrum. Wir haben viele Spezialfirmen – von Betonbearbeitung und -decken bis hin zur Sanierung für Flughäfen. Wenn man mit diesem Modell flächendeckend vertreten sein möchte, braucht man in Deutschland eine bestimmte Größe.

Karl-Heinz Strauss

Welche Größe streben Sie an?

 Wir hatten 2016 einen Umsatz von knapp über 840 Mio. €. Dieses Jahr werden wir durch Wachstum und die Akquisitionen rund 1,3 Mrd. € umsetzen.

Ehemals breit aufgestellte Firmen wie Bilfinger spezialisieren sich mittlerweile wieder. Warum diversifizieren Sie weiter?

Entscheidend ist, von Subunternehmern nicht abhängig zu sein. Je mehr eigenes Personal mit Know-how wir im Konzern haben, umso besser ist unsere Position am Markt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam im Übrigen auch eine Untersuchung der TU München.

Gibt es Projekte, die das belegen?

Ja, den Bau der U5 in Frankfurt haben wir gewonnen, weil wir alle drei Bereiche des Projekts – Tunnelbau, Ingenieurbau und Spezialtiefbau – im eigenen Unternehmen hatten. Die Abteilungen haben bei der Planung von Anfang an miteinander gesprochen. So konnten wir schnell viele alternative Vorschläge machen und mit dem Bauherren gemeinsam zu Ende entwickeln. Man nennt das heute Value-Engineering. Und das Know-how wandert nach Ende des Projekts nicht mit einem Subunternehmer ab, sondern bleibt im Unternehmen.

Was die Autoindustrie vor 20 Jahren durchgemacht hat, beschäftigt die Baubranche heute. Wie digital sind Sie aufgestellt?

Unsere 40 000 Maschinen und Geräte sind digital komplett erfasst. Servicepläne, Reparaturpläne, Ersatzteile und den optimalen Verkaufszeitpunkt findet man bei uns über das Smartphone. In der Planung gibt es teils noch 2-D-Pläne. Zum einen, weil die Bauausführung noch nicht komplett umgestellt hat, zum anderen, weil viele Bauherren immer noch 2-D-Pläne ausschreiben. Das wird sich aber in den nächsten drei bis vier Jahren ändern.

Die Polizei hat Anfang des Monats bei Ihnen und 38 anderen Bauunternehmen Razzien wegen Verdachts auf Preisabsprachen durchgeführt. Was ist da dran?

Natürlich ist so etwas strengstens verboten und es gibt entsprechende Compliance- sowie Antikorruptionsmaßnahmen bei der Porr AG. Soweit wir wissen, lässt sich der Vorwurf auf eine kleine Region in Österreich eingrenzen. Bei 16 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einer entsprechenden Anzahl an Aufträgen kann man einzelnes Fehlverhalten leider nicht immer ausschließen.

Ein Grundsatz der Porr ist aber auch, dass wir auf unsere Mitarbeiter bauen und ihnen vertrauen. Keine technische Applikation wird die Entscheidung und Kompetenz eines Mitarbeiters ersetzen.

Wie ändert Technologie die Arbeit auf dem Bau?

Sie wird mobiler und hat weniger Wartezeiten. Neben Termin- und Bauplänen auf dem Smartphone kann der Polier etwa durch eine sehr genaue Wetter-App den Beton und die Arbeiter statt um 7 Uhr auf 10 Uhr bestellen, wenn es am nächsten Morgen regnen sollte. Wir verwenden hier das gleiche präzise System wie die Formel 1.

Wie gehen Ihre Mitarbeiter mit der Veränderung um?

Die Menschen müssen sich erst daran gewöhnen, dass man in zukünftigen Prozessen mehr steuern kann. Das ändert die Art des Bauens und die nötige Qualifikation der Mitarbeiter. Wir brauchen weiter das Know-how unserer Mitarbeiter, denn wir werden die nächsten zehn bis 15 Jahre weder Roboter noch 3-D-Druck auf dem Bau sehen. Die Digitalisierung versetzt Menschen vielmehr in die Lage, bessere Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen.

Wo lernen Ihre Mitarbeiter den Umgang mit neuer Technik?

Jeder Mitarbeiter hat einen Porr-Ausbildungspass und muss im Jahr etwa acht bis zehn Ausbildungstage nachweisen.

Was macht jemand, der sich nur wenig für Technik interessiert?

Die Lust an der Technik muss man fördern, weil ohne Technik in Zukunft auch auf dem Bau gar nichts mehr geht. Für Themen wie das Internet der Dinge braucht man künftig einfach eine technische Grundausbildung. Ein Fenster sagt dem Kran über einen Chip, wo es wann eingebaut werden muss.

Was halten Sie von der Mauer, die Donald Trump an der mexikanischen Grenze bauen will?

Ich würde mich an dem Projekt nicht beteiligen. Wir hätten zwar die Expertise, aber nicht die nötigen Lokalkenntnisse. Und ich finde zwar es okay, zeitweise Zäune aufzubauen, aber diese Mauer halte ich für einen falschen Ansatz zur Problemlösung.

Wie stehen Sie zum Thema der viel diskutierten öffentlich-privaten Partnerschaften im Bau?

Für einige Projekte, wie Krankenhäuser, Kläranlagen, Tunnel und manchmal auch Flughäfen, kann es Sinn machen. Vor allem wenn die Mittel für Projekte vorhanden sind, aber nicht abfließen können, weil die öffentlichen Stellen unterbesetzt sind. Das ist aktuell der Fall in Deutschland. Man könnte so durch ÖPP mehrere Projekte gleichzeitig starten. Und es gibt immer einen festen Kostenrahmen und einen Hauptverantwortlichen, auch wenn mal etwas schiefläuft.

Und wozu sind ÖPP ungeeignet?

Eine Finanzierung am öffentlichen Haushalt vorbeizuschleusen, beispielsweise um Brücken zu sanieren, macht keinen Sinn. Ebenso beim Straßenbau. Hier kann sich der deutsche Staat zu wesentlich günstigeren Konditionen refinanzieren, als es jeder private Akteur könnte.

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